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Jahrbuch
Krnüulich Ihv'ussisi'hcu
Laiid(^sanslall mu! !>(a*u
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Verlag iUt SiMnN
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M ilojiisr laai akadrmK'
8^ *^89
1 11 h a 1 1.
Mittheilungen aus der Anstalt.
1. Bericht über die Thätigkeit der Königl. geologischen Landesanstalt im Jahre 1882 . . .
VII
2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1883 . . . xiv
3. Mittheiiungeii aus der Conferenz der Mitarbeiter der Königlichen geo- logischen Landesanstalt über den Arbeitsplan für 1883 xx
4. Personal- Nachrichten ^iv
Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen Landesanstalt.
Das Alter der Westerwälder Bimssteine. Von Herrn Gustav Angelbis
in Bonn j
lieber die Entstehung des Neuwieder Beckens. Von Demselben ... 10
Die Zechstoinformation bei Schmalkalden. Von Herrn H. Büciong in Kiel 29
Gebirgsstörungen südwestlich vom Thüringer Wald und ihre Beziehungen zu den Eisenerzlagerstätten des Stahlberges und der Mommel. Von
Demselben. (Tafel I.) 33
Zur Kenntniss des Oberhai'zer Culm. Von Herrn A. von Gkoddeck in
Clausthal. (Tafel II.) 44
Der Kersantitgang des Oberharzes. Von Demselben. (Tafel III.) ... (!8
Geologische Beobachtungen an der Küste von Neuvorpoinmern. Von Herrn
M. Scholz in Greifswald 95
Der rothe schwedische Sandstein (Dalasand stein) als Färbungsmittel einiger
Diluvialmergel bei Berlin. Von Herrn Ernst Läufer in Herhn ... 115
Neue Beiträge zur Kenntniss der Fauna des rheinischen Taunus-Quarzits.
Von Herrn Ema.nuel Kayseb in Berlin. (Tafel IV und V.) .... 120
Heber praeglaciale Süsswasserbildungen im Diluvium Norddeutschlauds.
Von Herrn Konrad Keilhack in Berlin, (lafel VI.) 133
Heller die gesetzmässige Lago des Steilufers einiger Flüsse im norddeutschen
Flachland. Von Herrn F. Klockmann in Berlin. (Tafel \ II ii. VIII.) . 173
Seite
Die Marisfelder Mulde und der Feldstein bei Themar. Von Herrn
H. Proescholdt in Meiningen. (Tafel IX u. X.) 190
Beitrag zur Kenntniss der Püdersdorfer Glacialerscheinungen. Von Herrn
Felix Wahnschafpe in Berlin 219
Die Variolit-führenden Culm-Conglomerate bei Hausdorf in Schlesien. Von
Herrn Ernst Dathe in Berlin. (Tafel XI.) 228
Die Cambrischen und Silurischen Geschiebe der Provinzen Ost- und West-
Preussen. Von Herrn Fritz Noetling in Königsberg in Pr 261
Neuere Tiefbohrungen in Ost- und West- Preussen östlich der Weichsel. Von Herren G. Berendt und A. Jentzsch. (Mit Tafel XII und zwei
in den Text gedruckten Holzschnitten.)
Die Handelssorten des Bernsteins. Von Herrn R. Klees
Briefliche Mittheüung. Herr F. Wahnschaffe an Herrn W. Hauchecorne. Ueber das Vorkommen einer Süsswasserfauna im Unteren Diluvium der Umgegend von Rathenow und über die geognostische Stellung der Schlickbildungen im dortigen Alluvium
Abhandlungen von ausserhalb der Geologischen Landesanstalt stehenden Personen.
Geognostische Beschreibung des Ganggebietes der Eisenerzgruben Wingerts- hardt, Friedrich, Eisengarten, Eupel und Rasselskaute bei Wissen an der Sieg. Von Herrn C. Leybold. (Tafel XIII u. XIV.) ....
Ueber das Unterdevon des Siegerlandes und die darin aufsetzenden Gänge, unter Berücksichtigung der Gebirgsbildung und der^ genetischen Ver- Gänge. Nebst einem Anhänge*. »Die Mineralien des Von Herrn Schmeissee. (Tafel XV XVIII = Blatt I
hältnisse der Sieger lan des«.
bis IV.)
BenieAungen über einige Basaltgesteine aus der Umgegend von Eisenach.
Von Herrn L. G. Boexemann jun • • • • •
Die Eifelkalkniiüde von Hillesheim. Nebst einem palaeontologischen Anhang. Von Herrn Eugen Schulz. (Tafel XIX — XXIII.)
48
149
158
I.
Mittheikmgen aus der Anstalt.
L.
1.
Bericht über die Thätigkeit der Köiiigliclien geologischen Landesaiistalt im Jahre 1882.
Zu den Aufnahmegebieten, welchen die Thätigkeit der geolo- gischen Landesanstalt bisher zugewendet war, dein Harz, Thüringen, den Provinzen Hessen -Nassau, Rheinprovinz, Brandenburg und Ost- und Westpreussen, ist im Jahre 1882 noch die Provinz Schlesien hinzugetreten, nachdem die Königliche Landesaufnahme mit der Bearbeitung der Messtischblätter über diesen Landestheil
vorgegangen war.
Im Mittelharz sind von dem Landesgeologen Professor Dr. i. Der Harz. Lossen die Eruptivgesteine in der Umgebung von Elbingerode und Rübeland in der Westhältte des Blattes Blankenburg und der Nordhälfte des Blattes Elbingerode untersucht und die Special- aufnahmen in dem letzteren Blatte fortgesetzt worden. Vorunter- suchungen wurden überdies im Gebiete des Granites und seines Contacthofes zwischen dem Wormke- und Drenge-Thale sowie zwischen Ocker und Harzburg vorgenommen.
Jni Westharze ftihrte Bergrath Dr. von Ghoddeck in einem Theile der Blätter Seesen und Osterode (G. A oo No. 12 18) ) eine .pecidlere Gliedenmg des Culrn «der Benutzung der neu
bearbeiteten Messtischblätter a«s.
In dem Gebiete zwischen dei Liane ,
m,L die Mittel- und überdevoubildungen nebst Drabasernlage-
.) (G.A,55, No.l2) = 8ra<l»btheaa.6 55,
Section
12.
VIII
2. Thüringen.
rimgen auf Blatt Zellerfeld und theilweise auf Blatt Goslar (Ct. A. 56, No. 7, 1) auf uud führte die Kartiruug des Spirifereii- saudsteins auf erstereiu Blatte nahezu zum Abschluss.
Am Nordrande des Harzes kartirte Professor Dr. Dames in einem Theile der Sectionen Derenbnrg nnd Blankenburg (G. A. 56, No. 10, 16; die V erbreituug der jüngeren Gebirgs- forinationen.
Am Westrande des Ilarzes begann Professor Dr. von Koenen die üntersucbung der jüngeren Gebirgsformationen innerhalb des Blattes Seesen (G. A. 55, No. 12).
Im nördlichen Thüringen setzte Professor Dr. von Fritsch die Revision seiner Aufnahmen der Gegend südlich von Halle fort.
In der Umgebung Göttingen’s begann Professor Dr. von Koenen die Untersuchung uud Kartirnng der Blätter Nörten, Lindau , Göttingen , W aacke , Reinhauseu und Gelliehausen (G. A. 55, No. 22, 23, 28, 29, 34, 35).
In der Gegend von Gotha führte Geheimer Hofrath Professor Dr. ScHMiD die Aufnahme eines Theiles des Blattes Dietendorf (G. A. 70, No. 4) aus und vollendete diejenige der Blätter Arn- stadt und Plaue (G. A. 70, No. 10, 16).
Professor Dr. Bauer setzte die Bearbeitung des Blattes Ohr- druf (G. A. 70, No. 9) fort und vereinbarte mit Professor Dr. ScHMiD den Anschluss dieses Blattes mit Blatt Arnstadt.
Ingenieur Frantzen bearbeitete auf Blatt Berka (G. A. 56, No 55) die Gliederung des unteren Muschelkalkes im Vergleich zu der Entwickelung dieser Formation im Meiningen’schen.
Im Thüringer Walde setzte Landesgeologe Professor Jli. WEISS die Untersuchung und Kartirung des Blattes Brotterode fort und brachte dieselbe bis auf die Gegend südlich von Kuhla
dem Abschluss nahe Untersuchung des
1 ifhT Theiles des Blattes Tambach (G. A. 70, No. 14) und nor OS IC n Blätter Suhl und Schleusmgen (G. A. 70,
nV« ''27) 'welche ebenso wie Blatt Schwarza (G. A 70, No. 20) L folgenden .Jahre durch eine Schlussrevision drucklertig gestellt
werden sollen.
IX
Professor Dr. Bücking setzte die Aufnahme der südwestlichen Theile der Sectionen Tambach und Schwarza sowie des Blattes Schmalkalden (G. A. 70, No. 18) fort.
Ingenieur Frantzen nahm im Gehiete des Blattes Suhl den ersten Abschnitt eines genauen Profiles des grossen Brandleite- Tunnels westlich von Gehlberg auf, um eine genaue Festlegung der hier gewonnenen Aufschlüsse zu gewimieu.
Dr. ProeschOLDT führte die Kartirung des Blattes Rentwerts- bausen (G. A. 70, No. 31) dem Abschluss nahe, nahm innerhalb des Blattes Schwarza das Triasgebiet östlich des Schwarza-Thaies auf und bearbeitete Blatt Themar (G. A. 70, No. 26), welches bis auf eine Schlussrevision vollendet wurde.
Im östlichen Thüringen setzte Professor Dr. Liebe die Specialaufnahme der Blätter Naitschau und Greiz (G. A 71,
No 23,24) fort, revidirte die früheren Arbeiten iii den Theilen der Blätter Schleiz, Hirschberg No. 27, 33, 32) und kartirte den nördlichen Ihei
LoreL bearbeitete (lee grössten Ttol des Blatte) Mas)erbeig(G. A. 70, No. 28)
Im KegieumgsDe Melsungen, Altmorschen, Seiferts-
die Arbeiten für le a i ^
hausen und Ludwigseck fort (G. A. 55,
No. 2). 1- Untersuchungen innerhalb
Professor Dr. Bücking begann die
des Blattes Kella (G. A. 5 , A.ufnahme des Blattes Tann
Professor Dr. Bauer fuhr e die A
(G. A. 69, No. 22) weher wurde vom Landesgeologen
Im Regierungsbezirk ^ dem Landesgeologen
Professor I)r. Kavsrk (Cr.A.08. No «) aus-
I)r. Koch bearbeiteten y„,. arbeiten des Dr. Koch dei
gefühlt lind im (G- A. 67, No. 40) kartiit.
südöstliche Tlieil des nlatt^ ^ ™„gen Jane m
AhGBUüs ta*We A. 67, No. 83) -
Angrift- genoininenen Blatte
3. Die Hessen
Provinz
-Nassau.
X
4. Die Rhein- provinz.
Ende und begann diejenige des Blattes Girod (G. A. 67, No. 34). Der Anschluss an die in Bearbeitung begriflenen Blätter des Lahn- gebietes ist hiermit erreicht.
Im südlichen Theile der liheinprovinz nahm der Königliche Landesgeologe Grebe die Blätter Oberweiss, Echternacherbrück und Wallendorf (G. A. 80, No. 17, G. A. 79, No. 12) auf und voll- endete die Kartirung der Blätter Bittburg und Welschbillig (G. A. 80, No. 2, 8).
5. Die Provinz Die Bearbeitung zu publicirender Messtischblätter über diese Schlesien, p^-ovinz wui’de vou der Königlichen Landesaufnahme in der Graf- schaft Glatz begonnen. In demselben Gebiete hat demnächst auch die Ausführung der geologischen Specialkarte ihren Anfang ge- nommen und zwar wurden von Dr. Dathe die Arbeiten mit der Untersuchung des Gneisses des Eulengebirges, des Culm und des zunächst angrenzenden productiven Steinkohlengebirges in den Blättern Kudolfswaldau, Langenbielau tind Neurode eröffnet.
6. Die Um- lu diesem Arbeitsgebiete, in welchem wie in den übrigen
gegend Berlins. \ j.peitsgebieten des Flachlandes bei der geologischen Aufnahme zugleich die agronomischen Verhältnisse speciell berücksichtigt und kartirt werden, sind im Nordosten Berlins die vorher erst im Mflimsstabe 1 • 100 000 aufgenommenen 6 Sectionen im Messtisch- “.aassstabe kartirt und druckfertig vollendet worden^
Blatt Biesenthal (G. A. 45, No. 14) wurde durch den geologen Professor Dr. Behendt, Blatt Grünthal (G. A 45, No 15) Lrch Dr. Laueer, die Blätter Werneuchen und Alt-Landsberg rv A 45 No 21, -27) durch Dr. WahnSCHAFFE, die Blatter
£hbnerlinde und Wandlits
'"^‘®i^“tL"retannten Arbeiten ist das aus 36 Messtischblättern
bestel^l georgisch, agronrnische Specialkartenwerk über die
Umgegend Berlins sum Abs^ Gebiete begann Professor
I,, tJZM Vollendung de^
33) die Aufnahme des Blattes i ange. munde ((r. A. lo,
Gardelegf
XI
9. Provinz Ostpreussen.
10. Gegend von Halle.
Stand der Publikationen.
No bearbeitete Blatt Stendal (G. A. 43,
N ’ 1 V f ^--burg (G. A. 43, No. 23).
wurde r ^ n Gattes Marieuwerder (G. A. 33, No. 16) s. i-rovi,u
B 11 Ar Aufiialuue der augreuzeiideii Blätter
Rehhof und Mewe (G. A. 33, No. 10, 9) begouxL.
. "^lebs brachte die Aulnahme des Blattes Süsseiiberg r i’r, j Abschluss uud begann die Arbeiten inner-
halb des nördlich angrenzenden Blattes Ileilsberg (G. A. 18, No. 50).
Als besondere Studie wurde von Dr. Läufer eine vergleichende Kartirung des Diluvial- uud Alluvialgebietes iin nördlichen Theile der Blätter Gönnern und Gröbzig nordwestlich von Halle (G. A. 57,
No. 21, 22) ausgeführt.
Iin Laufe des Jahres sind zur Publikation fertig gestellt worden :
1. Lieferung XX, enthaltend die geologisch- agronomisch bearbeiteten Messtischblätter Teltow, Teinpelhof, Grossbeeren, Lichten- rade, Trebbin und Zossen der Umgegend
Berlins 6 Blätter.
Dazu Bohrkarten von Grossbeeren und
Lichtenrade mit Bohrregisteru 2 »
Lieferung XXI, enthaltend die Blätter Rödelheim, Frankfurt a. M., Schwanheim und Sachsenhausen der Rheinprovinz ... 4 »
Lieferung XXII, enthaltend die geologisch- agronomisch bearbeiteten Blätter Ketzin,
Fahrland, Werder, Potsdam, Beelitz uud Wildenbruch der Umgegend Berlins
2.
3.
6
zusammen 18 Blätter. . 91 »
109 Blätter.
Es waren vorher publicirt . • • •
Alithin sind im Ganzen publicirt .
Weiter gelangten folgende Abhandlungen und sonstige Ar-
'"‘T Heft4:Geog„o»tische I>ar.te0„.,g
des Niedeisclilesiscl,-Böl..msche» Stemkoldeiibeckens von
i. Schütze nebst 1 geologischen üebers.ehtskarte .m
XII
Debit der PubJikationeii.
TexTIre s ' ' ■”
Abhaudluugeu, Baud IV, lieft 1 ; Die regulären Echinideu der norddeutschen Kreide, von C. Schlüter. 72 S. Tejtt •lind 7 Tafeln.
3. Abhandlungen, Band IV, Heft 2: Monographie der Homa- lonotus-Arten des Rheinischen Unterdevon. Von C. Koch. Nebst einem Bildniss von C. Koch und einem Lebens- abriss desselben von H. von Dechen, XXX und 85 S. Text mit einem Atlas von 8 Tafeln.
4. Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Laudes- Austalt und Bergakademie für 1881. XIX und 777 S. Text nebst 21 Tafeln.
Nach dem Berichte für das Vorjahr betrug die Gesamintzahl der im Handel debitirten Kartenblätter .... 10081 Blätter.
Im Jahre 1882 wurden verkauft: von Lieferung I, Gegend von Nordhausen . . 62 Bl.
|
y> |
n, |
7> |
Jena . . . . |
46 |
|||
|
7> |
III, |
Bleicherode |
28 |
7> |
|||
|
IV, |
Erfurt .... |
26 |
y> |
||||
|
V, |
7> |
7> |
Halle .... |
13 |
» |
||
|
VI, |
» |
Saarbrücken |
|||||
|
I. Theil . . |
70 |
||||||
|
7> |
VII, |
II. » |
61 |
y> |
|||
|
y> |
VIII, |
Riechelsdorf . |
38 |
7> |
|||
|
7> |
X, |
Saarburg |
40 |
7> |
|||
|
7) |
XI, |
7> |
7> |
Berlin Nordwesten |
|||
|
(Nauen etc.) . |
7 |
» |
|||||
|
7> |
y> |
XII, |
7> |
y> |
Naumburg a. S. . |
42 |
» |
|
y> |
XIII, |
7> |
7> |
Gera |
50 |
7> |
|
|
7> |
XIV, |
7> |
7> |
Berlin Nordwesten |
|||
|
(Oranienburg) . |
24 |
7> |
|||||
|
7> |
XV, |
7> |
7> |
Wiesbaden |
156 |
||
|
7> |
XVII, |
7> |
Triptis, Neustadt 472 |
||||
|
» |
7> |
XIX, |
y> |
7> |
Querfurt |
595 |
» |
|
7> |
XX, |
y> |
7) |
Berlin Süden, |
|||
|
( Teltow etc.) . |
494 |
2224 |
|||||
|
so |
dass im Ganzen |
durch |
den Verkauf debitirt sind |
12 305 Blätter. |
XIII
clebitirt worden!'””**'*''” sind durch den Verkauf
BandI,Heftl. (Eck, Rüdtrrimf)“*“'
" " " I^othliegendes boi Halle)
* ' 4. (Meyn, Insel Sylt)
1 • (W Eiss, Steinkohlen-Calamarien) .
2. (Orth, Rüdersdorf)
3. (Berendt, Nordwesteu Berlins)
4. (Kayser, Ilevonfauna des Harzes) .
1. (Weiss, Flora von Wünschendorf) . 8
2. (Läufer und Wahn schaffe, Boden-
untersuchnug) 46
3. (Meyn, Schleswig-Holstein) . . .161
4. (Schütze, Niederscblesisches Stein- kohlenbecken 117
Band II,
Band III,
1 Exempl.
3 »
7
6 »
2 5 2
Ferner:
Jahrbuch für 1880 35 Exempl.
» 1881 • .... 48
Weiss, Flora der Steinkohlenformation 70 *
Lebensabriss Dr. Meyn’s 17 »
Geologische Uebersicbtskarte des Harzgebirges . . 90 »
Höhenschichtenkarte des Harzgebirges 44 »
XIV
2.
Arbeitsplan
für die geologische Laiidesanfnaliine im Jahre 1883.
I. Harz.
Im Mittelharz wird der Landesgeologe Professor Dr. Lossen die Aufnahme der Elbingeroder Mulde in den Sectionen Blanken- burg und Elbingerode und demnächst die Untersuchung der kry- stalliuischen Gesteine in der Umgebung des Brockens in den Sectionen Harzburg und Wernigerode fortsetzen.
Im Westharz wird Bergrath Dr. von Groddeck die Revision seiner früheren Aufnahmen auf der Grundlage der neuen topo- graphischen Generalstabskarte fortsetzen. Die speciellere Gliede- rung des Culm durch einen besonderen Hülfsarbeiter wird für den Fall in Aussicht genommen, dass die Mittel dazu disponibel sein sollten.
Sekretär Halfar wird die Abgrenzung der Calceola-Schichten in der Section Zellerfeld vollenden und seine früheren Arbeiten im nördlichen Theil dieser Section und in der Section Goslar bis zum Gebirgsrande hin in Zusammenhang und zum Abschhiss bringen.
Am Nordrande des Harzes wird Professor Dr. Dames die Bearbeitung des nicht paläozoischen Theiles der Sectionen Blanken- burg und Derenburg fortsetzen.
Landesgeologe Dr. BrancO wird die Aufnahme der Sectionen Goslar (mit Ausschluss des alten Gebirges) und Vienenburg m Angriff nehmen.
XV
Koeneh die Bearbeitimg det SeÄ ™'<
hof, deren Au&aWe bereite duret ““r e begonnen worden, we:“
Waake, Rhen, hausen und Gelliehausen forleetzen.
2. Im nördlichen Thüringen
wird Professor Dr. von PumoH die A„fnah.„en in den Sectionen Halle, Grobers, Kolsa, Merseburg, Kötschau, Weissenfels und Lützen revidiren.
Geheimer Hofrath Professor Dr. Schmid wird die Aufnahme der Section Dietendorf vollenden.
Professor Dr. Bauer wird die Aufnahme der Section Ohrdruf zum Abschluss bringen.
Dr. BoR2UEMANN wird die Section Wutha fertig stellen. Ingenieur Frantzen wird die Gliederung des unteren Muschel- kalkes innerhalb eines Theiles der Section Berka in ihrer Beziehuns: zu der Entwickelung im Meiningen’schen durchzuführen fortfahren.
3. Im Thüringer Wald und südlich desselben
vird Professor Dr. Weiss die Bearbeitung der Sectionen Brotterode uid Friederichsroda fortsetzeu. Derselbe wird ferner in Gemein- ichaft mit Herrn Professor Dr. von Fritsch eine vergleichende Jutersuchung des Rothliegenden in der Umgebung des Granits
mn Zella und Goldlauter ausführen.
Professor Dr. von Fritsch wird die Aufnahme der Sectionen ?nhl und Schlenaingen zum Abschluss briugeu und mit Dr. ^EOESCHOLD eine gemeinschaftliche Begelumg der Zechste.u- und iuntsandsteingebilde östlich des Schwarza -Thaies vornehmen.
Derselbe wird auf Section Tambach d.e Untersuchung des Gebietes, welches südlich des von Herrn von SEEBaCH bearbeiteten fheiles der Section liegt, fortsetzen, jedoch unter Ausschlnss des L Strasse von Schnellbach nach Stembach-Hallenberg gegen
;:dwlntre;euenPlüchenra„me^^
learbeiten wird.
XVI
Piofessor l)r. Pücking wird nächst der Vollendung der Auf- nahme des erwähnten Theiles der Sectiou Tambach die Section Schmalkalden zum Abschluss bringen und, wenn die Zeit es ge- stattet, die Kartirung des nördlichen Theiles des Gebietes westlich des Schwarza-Thaies auf Section Schwarza fertigstellen.
Ingenieur Frantzex wird den südlichen Theil dieses Gebietes in Section Schwarza untersuchen und die im Vorjahre begonnene Aufnahme des Tunnel- Profils im Brandleite -Tunnel vollenden.
Dr. Proeschold wird die Aufnahme der Section Themar vollenden und diejenige der Enklave Ostheim beginnen.
Geheimer Hofrath Professor Dr. Schmid wird die Aufnahme der Sectiouen Crawinkel und Stadt Ilm weiterführen.
Dr. Loretz wird die Bearbeitung der Sectiouen Masserberg, Breiteubach und Gräfenthal weiterführen. Sofern die Zeit es ge- stattet, wird er die Aufnahme der Sectiouen Steinach, Oeslau und Coburg fortsetzen.
Prof. Dr. Liebe wird unter Hülfeleistung des Dr. Zimmermann die Aufnahme der Section Naitschau zum Abschluss zu bringen suchen und die der Sectiouen Greiz, Schönbach, Gefell, Schleiz, Hirschberg, Liebengrün, Probstzella und Lobeustein weiter fördern.
Beroreferendar Dr. Beyschlag wird die Section Pleldbnrg kartiren.
4. In der Provinz Hessen -Nassau
wird Landesgeologe Dr. Moesta die Blätter Melsungen Alt- morschen, Seiffertshausen und Ludwigseck zum Abschluss bringen. Sofern die Zeit es gestattet, wird er demnächst die Bearbeitung der Sectiouen Cassel und Oberkaufungen in Angriff, nehmen.
Professor Dr. Bücking wird die Kartirung der Section Kella
Professor Dr. Bauer wird die Aufnahme der Section Tann
Professor Dr. KäYSER wird die Sectiouen Limburg, Ketten
, T7- R .R ^d^tein und Feldberg behufs der Learbeitun
bach, Eisenbac , Aufnahme der Section Schaumbur
der Texte begehen und die Autnatiine uei
weiterführen.
br bß
XVII
bearbeiten 4 '"''l" ®““'*'’OrUomni«i in dar Section Hadamar'
b a,be tea Ausserdem wird derselbe eiue Seblussrevislon der bis-
führel ” ^««»'»‘liehrmg aus-
5. In der Rheinprovinz
wird Landesgeologe Grebe die Sectionen Mettendorf, Nenerburg, Waxweiler und Malberg weiter bearbeiten. Behufs der Ver- öffentlichung der Sectionen des Nahegebietes wird derselbe zu- nächst allein und darauf in Gemeinschaft mit Professor Dr. Lossen die Eruptivgesteine jener Gegend einer vergleichenden Studie unterziehen.
6. In der Provinz Schlesien
wird Dr. Datiie die Aufnahmearbeiten in den Sectionen Rudolfs- waldau, Langeiibielau, Wünscheiburg, Neurode und Frankenstein fortsetzen.
Dr. Stapfe wird die Aufnahme der Sectionen Charlotteubnmn, Reichenbach und Schweidnitz beginnen.
1. Im Aufnahmegebiet des Flachlandes
wird nördlich der zu völligem Abschluss gelaugten 36 Blätter der Umgebung Berlins
a) das Uckermärkische Arbeitsgebiet
in AuoTiff genommen werden.
Professor Dr. Berendt wird hier neben den Inspectionsreisen ■ 1 sämuitliche Arbeitsgebiete des Flachlandes mit Hülfe des Cultur- techuikers Becker die Aufnahme der Sectionen Lberswalde und
Joachuusth^^^ Hülfe des Culturteclmikers SciiOLZ diejenige
der Seltiouen Liebenwalde, Zehdenick, Klein-AIutz und Nassen-
haide^ begm^nau^ Aufnahme der Section Wustrau be-
giniieu-
b
XVIII
Rathenow sidrerstLkalr'
b) Havelländische Arbeitsgebiet m Angriff genommen.
LCEErr rt" Gultnrtechnikers
w d.e Aufnahme der Sectionen Kibbeek, [laage und Rathenow
ginnen. er ultnrchemiker Keiper wird in der ersten Hälfte es Sommers dem Dr. Wähnsohakfe, in der zweiten Hälfte dem Dr. Laufee Hiüfe leisten.
c) Im Arbeitsgebiet an der Elbe wird Professor Dr. Scholz die Sectionen Gardelegen und Stendal vollenden und demnächst auf Section Hiudeuburg übergehen.
Professor Dr. Grüner wird die Section Tangermünde ab- schliessen und darauf die Section Jerichow in Angriff nehmen.
Dr. Klockmann wird nach Abschluss der Section Arueburg die Aufnahme der Section Schollehue weiterführen, welche den Anschluss des Arbeitsgebietes an der Elbe mit dem Havelländischen bildet.
d) Im Westpreussischen Arbeitsgebiete wird Dr. Jentzsch die Sectionen Mewe und Rehhof zum Ab- schluss bringen und geeigneten Falls auf Section Münsterwalde übergehen. Derselbe wird ferner die in Westpreussen im Bau begriffenen Eisenbahnlinien begehen.
Dr. Ebert wird die Aufnahme der nach Süden an das vor- bezeichnete Arbeitsgebiet des Dr. Jentzsch anstossenden Section Garnsee in Angriff' nehmen.
e) Im Ostpreussischen Arbeitsgebiete wird Dr. Klebs die Section Ileilsberg vollenden und demnächst auf Section Krekollen bezw. Frankenau übergehen.
Derselbe wird ferner die in Ostpreussen im Bau begriffenen Eisenbahnlinien begehen.
XIX
Dr. NoetlinG wird die Aufnalime der an das vorbezeichuete Arbeitsgebiet des Dr. Klebs östlich anstossenden Section Biscbof- stein in AngriflP nehmen.
Bei Beginn der Aufnahmeperiode werden Dr. Ebert nnd Dr. NoetlinG eine etwa 14 tägige Instructiousbegehnng mit Dr. Wahnschaefe in dessen Anfnahmegebiet ausfübren.
Professor Dr. Beeenlt wird zn geeigneter Zeit innerhalb der Section Allendorf den Versuch machen, die Lagerungsver- hältnisse der dortigen jüngsten Gebilde nach den im Flachlaude gemachten Erfahrungen zur Darstelluug zu hringen. Er wird hierbei zeitweilig von Dr. Moesta begleitet werden.
3.
3Iittlieiluugeu aus der Coiiferenz der Mitarbeiter dei Köiiigliclieii geologisclien Landesaiistalt über den Arbeitsplan für 1883.
Heri K. A. Lossen berichtete über seine petrographisch- geologischeu Unters uchnugen der Gesteine derGranit- Gabbro-Formation im Harz. Entgegen jener Anschauung, welche die Selbständigkeit des Brocken- und des Ocker-Granits, sowie der dazwischen aufsetzendeu Harzburger Granit-Gänge be- hauptet, befürworten die Ergebnisse jener Untersuchungen die natürliche Zusammengehörigkeit der Granit-Massen des Westharzes: Plagioklasreiche grüne oder weisse, zum Theil Augit-führeude Granitit -Varietäten kommen strichweise von der oberen Wormke bei den Holmeklippen bis zur Stiefmutter bei Ocker vor. Ihr Kieselsäuregehalt sinkt bis zu 63^/2 pCt. Denselben Kieselsäure- gelialt besitzt der dui’ch C. W. C. Fuchs aualysirte Augit (Mala- kolith)-Granit aus dem Kadauthale, in welchem der Kalifeldspath vorherrscht. Augit-Glimmer-Quarzdiorite mit Kieselsäurewerthen von 64 bis 54 pCt., in welchen Malakolith - artiger Augit und Biotit sich die Wage halten, wie sie örtlich innerhalb des Ver- breitungsgebietes der plagioklasreichen Granite angetroffeu werden (Meineckenberg im Ilsethale, Unter dem Elfenstein zwischen Harz- burg und Ocker), vermitteln den Uebergang zu den Gabbro- Gesteiuen, deren sauerste Spielart (Biotit-Augit-Gabbro mit 53 bis 54 pCt. Kieselsäure) bei geringem Quarzgehalt direct au die basischeren Augit-Glimmer-Quarzdiorite auschliesst. Andererseits führt der Hornblende-Gehalt dieser und anderer Gabbro-Spielartcn
XXI
zu den Hohne-Dioriten auf der Ostseite des Brocken-Massivs hin- u jer, welchen doch auch wieder, neben der Hornblende, Glimmer und Angit eigen.
Wie aber eia imd dasselbe Verbreitungsgebiet die Vorko.i.meu von plagmklasreichem Granit und diejenigen der Gabbro’s sainnit cen Dioriten umfasst, so kommen auch Granitit und Gahln’o in ein und derselben Gangspalte vor. »Gemischte Gängen deren Inhalt gewissermaassen die verschiedenen Eruptivgesteine der Gramt-Gabbro-Keihe in einheitlicher geologischer Verkörperung darstellt, sind in der Umgebung von Harzburg häufig und es ist bezemhnend für sie, dass darin nicht so sehr der normale Brocken- granitit und der normale Gabbro, als vielmehr jene so eben ge- kennzeichneten vermittelnden Gesteinstypen eine Rolle spielen. Am östlichen, gegen das Radauthal gekehrten Abhange des Schmalenbergs hat ein bergbaulicher Versuch auf Magneteisenerz, wohl die nach Zimmermank in »grünem Granit« bauende Grube Ricken’s Glück, einen solchen Gang entblösst, andere Gänge derart setzen gegenüber im Ettersberge zwischen Hessen- und Kunstmanns- thal auf. In der Regel walten die sauren Gesteinsarten in diesen Gängen vor und umhüllen Ballen basischeren Gesteins oder veradern sich in dessen JVIassen, was in der Zeitfolge mit dem Vorkommen selbstständiger scharf geschiedener eruptiver Granit -Gänge, zum Theil einfacher oder blumig - blättrig gewachsener Schriftgranit (Granophyr Rosenbusch), im Harzburger Haupt -Gabbro einiger- maassen harmonirt. Dennoch ist die Durchdringung der verschieden gemengten Massen eine derartige, dass sie eher auf einen gemein- samen Erstarrungsakt physikalisch und chemisch verschiedener Magmate, als auf eine Eruption eines Granits in einem starren Gabbro-Gange schliessen lässt. Dafür spricht z. B. der Umstand, dass man aus dem parallel dem Salband geplatteten Gauge am Schmalenbei’ge Handstücke von Granit und, zum Theil sehr glimmerreichen, Gabbro gewinnen kann, welche ein und derselben Platten-Flucht angehören. — Besonders bemerkenswerth ist auch in genetischer Hinsicht ein xiufschluss hoch oben am Radauwasser, nicht allzutief unter dem Radauborn, wo man den Schillerfels zum erstenmal auf dem Westufer anstehend findet. Hier nimmt man
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mitten in dem n>it grossen l^astit-IMättern durchspiekten Serpentin Kenie rothen Brocken- Granitits wahr, die eine dunkle glinnner- lem le . nssen ni e gegen das umgebende basische Gestein besitzen.
ler a so scheint dem basischen Gestein die Rolle der Umhüllumr zuzuGllen, so dass alle Momente für die Auffassung sprechen, die Gabbro-Eruption sei eine besondere Phase inmitten der Eruption der Granite des Westharzes.
Del A oitiagende ging alsdann zu seinen Ergebnissen aus der antegi anitischen Eriipti v-Eo rmatioii im Gebiet der Elbingeroder Devon -Mul de über. Die Gesteine dieser For- mation bilden die Quarzkeratophyr-Diabas-Reihe , aus welcher die basischen Gesteine vorherrschen und die sauren nur eine vorüber- gehende aber sehr interessante Eruptioiis- Phase darstellen. Als Keratophyre werden natroii reiche und zum Theil ganz sichtlich aus !Mikroperthit oder Orthoklas und Albit gemengte p al äo pliit o ni s ch e Syenitporphyre oder quarzarme Por- phyre bezeichnet, welche dem Typus des Keratophyrs vom Rosen- bühl bei Hof entsprechen oder sich an diesen anschliessen (60 bis 62,5 pCt. Kieselsäure). Die Quarz-Keratophyre als wesent- lich Quarz -führende Gesteine sind mit 71 pCt. Kieselerde nach- gewiesen. In selteneren Fällen tritt der Natrongehalt gegen das Kali zurück, so dass Syenitporphyre vorliegen, beziehungs- weise cjuarzarme Granitporphyre (66 pCt. Kieselsäure). Lichtgelbgrün durchsichtiger eisenreicher Alalakolith-artiger Augit und daneben oder an Stelle desselben eisenreiche entenblau durch-
scheinende und daher wohl natronhaltige Hornblende sind die Nebeno’emenu’theile dieser alkalireichen und nicht sehr kalkarmen Gesteine. Ein Eisenchlorid oder an dessen Stelle ein Eisenoxyd, das sich örtlich zu gewinnbarem Eisenerz im Gesteiuskörper der Eruptiv - Decken anreichert (Grube Oberer Stahlberg, Bunte Wornike), ist allermeist schon an die Stelle der ursprfmglicheii eisenhaltigen Silicate getreten. Mit der Zunahme der letzteren, beziehungsweise ihrer Uinbildungsprodukte gewinnen die Kera- tophyre mehr einen diabas-artigen llaliitus, doeli iiliertnfl't seli)st Itei 52,4 pCt. Kieselsäure die Summe der Alkalien immer noili diejenige der Kalkerde und der Magnesia und iioeli höher ist die
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Summe der Eisenoxyde , so dass diese im Kieselsäiiregehalt den typischen (normalpyroxenischen) Harz - Diabasen bereits sehr an- genäherten Gesteine doch noch keineswegs als solche (reiten können. Weitere Untersuchungen werden diese Zwischengesteine besser kennen lehren und auch das Verhältniss der Paläo-Kersantite von Michaelstein zu der Quarz -Keratophyr- Diabas -Reihe näher be- stimmen. — Dem Alter nach sind die Keratophyre u. s. w. jünger als die Diabase im Unteren Wieder Schiefer, älter dagegen als der Schalstein mit dem porphyrischen Diabas (Labradorporphyr) des Elbingeroder Mühlenthals, da dieses Tuffgestein an mehreren Stellen Fragmente des Keratophyrs enthält (Halde des Mühlen- thaler Stöllns, Bunte Wormke, Neuwerk u. s. w.). Im Nassauischen haben die Lahuporphyre Koch’s, die zum Theil (Oberneissen, Papiermühle bei Weilburg) echte Keratophyre, zum Theil (Balduin- stein, Katzeuellnbogen, Diez) Zwischengesteiue zwischen Keratophyr und Paläo-Quarzporphyr sind, ein ganz analoges Alter, jung-unter- devonisch bis mitteldevonisch.
Herr A. Half AR sprach insbesondere über die von ihm zuletzt kartirten Mittel- und Oberdevon- Bildungen des nord- westlichen Oberharzes, u. z. zwischen dem Grane- und Dörpkethale in der südwestlichen und südlichen Umgebung von Goslar. Nach ihm lassen sich die Goslarer Schiefer (A. Roemer s Wissenbacher Schiefer z. Th.) in diesem Gebiete, wenn auch nicht leicht auf der Karte, so doch recht wohl systematisch in mindestens zwei Abtheilungen trennen:
1) eine untere mit Einlagerungen von meist quarzitischen Sandsteinen und bisweilen sandigen Schiefern und
2) eine obere mit Einlagerungen von vorherrschend dunklen Kalksteinen ( — welche indess, obgleich seltener, auch schon tiefer auftreten — ) und von Diabas. — Vielleicht wird sich bei weitei- geheuder Forschung für die Schiefer mit Diabaseiuschaltungen eine besondere oberste Stufe dgr Goslarer Schiefer nachweiseu lassen.
Die characteristischen Kalkeinlagerungen, welche man auf dem Oberharze nach A. Roemers Vorgänge unter dem Namen »Kramenzelkalkstcin« oder kurz »KramenzeL bisher begrifi und
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welche durch des Vortragenden Nachweis eines grossen Exenmiars
von Goniutites intmnescro,^ 'Rr>x-Ta • -i ca
] TW , ^ 111 ilineii, 1874 zum ersten Male
. a eies erdevon (E. Kaysehs Intiimescens- oder Cuboides- K^menzel) gedeutet wurden, lassen sich verhaltnissn.ässig leicht auf der Karte ausscheiden.
Schwieriger wird es dagegen, die unter diesen Kalksteinen legenden Goslarer Schiefer von einer Zone dickschiefriger, wohl me^ ganz kalkfreier Thonschiefer zu treunen, welche in steter Ke- geitung der Kranienzelkalke dieser Gegend auftreten und nicht selten nnineikhch in dieselben übergehen, so dass inan versucht wird, sie der Kürze halber G^ranieuzelschiefer« zu neunen.
Eine Abgrenzung des Oberen Oberdevons, der Cypridinen- Stufe, von den letztgenannten Gesteinen verursacht in dem in Kede stehenden Gebiete bei dem Mangel au deutlichen Cypridinen oder sonstigen bezeichnenden Petrefacten und andererseits bei den petro- graphischen Uebergängen zwischen beiden Stufen nicht minder Schwierigkeiten. — In der Kegel zeichnen sich jedoch die hierher gehörigen dickschiefrigen Thonschiefer im frischen Zustande durch unebenere, rauhere Schieferungsflächen sowie bei ihrer Verwitterung insbesondere durch Anuahnie einer mehr oder minder kirschrothen Färbung und wohl auch durch Zerfallen in grifielähiiliche Stück- chen aus, während anstatt der tieferen, an Kalkmasse stets die Thonschiefersubstanz überwiegenden und bei der Verwitterung fast immer zelligen Kalksteiiieiulageriuigen hier vorwiegend nur ver- einzelte und in weiter von einander abstehenden Keihen angeord- nete Kalklinsen in den frisch dickschiefrigen, graugrünen Thou- schiefern auftreten. Gewöhnlich aber sind auf dem C^oei’schnitte des anirewitterten Gesteins an Stelle der Kalkausscheiduugen nur
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noch Ilohlräume wahrzunehmen.
Von Schichtenstörungen erwähnte der Vortragende aus diesem Gebiete unter Anderen insbesondere diejenige, welche als die, wenn auch nicht ununterbrochene westnordwestliche Fortsetzung des erzführenden Ganges angesehen werden kann, welchen Berg- rath liORGHER.S vor einigen Jahren zwischen llerzberg und Uaben- kopf im Bette der Gose an der obersten Oelmühle erschürft hat und welche demnach von bergbaulicher Seite vielleicht einige Beach-
tun«: verdienen dürfte.
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Hczogl.eh de,- Lr„p,,vg«toi„e »„rfe lK,vorgel.ol,o„, d.iss i,i Cfc.1 Diabaslaga-u .w.sd,a„ den Goda.-er Sel.iefern, „nsecr sold.ou von nur gnobkönniger Stvuctu,., in „nde.-eu bisweilen von „nten n»o . oben e,n deutliel.ee Uebeegang ans eines n.it Idosaen, Auge noch gut unterscheidbaren, wenn auch kleiukörnigeu Structur in eine scheinbar völlig dichte zu beobachten sei, wobei sich nach oben hm immer häuhgere Blaseuräunie einstellen. Dieselben sind vorwiegend mit weissein Kalkspath ausgefiillt. Aochte Kalkdiabase (Diabasmandelsteme) kommen jedoch nur untergeordnet und selten vor. - Ueber das Auftreten der Diabase in den Goslarer Schie- tern wurde von der südwestlichen Abdachung des westlicheren Gipfels des Köuigsberges eine genaue prohlarisclie Skizze iin Ori- ginale vorgelegt und dabei erwähnt, dass trotz der bizarren For- men, welche die einzelnen Diabasvorkoniinen zwischen den Schie-
tern zeigen und trotz der ausser ihrer Faltung an solchen Stellen besonders zu beobachtenden Verquetsclumg und Zerreissung der letzteren der Diabas diese Schichteustörungen dennoch nicht aus- geübt haben könne, da er selbst ja in ganz gleicher Weise mit zerrissen und verschoben sei. Die ganze auffällige Erscheinung kann vielmehr nur als die Folge eines seitlichen Druckes erklärt werden, welchem Schiefer wie Diabas gemeinsam und gleichzeitio-, aller mit einem von ihrer Consistenz bedingten sehr imorleichen Widerstande bei dem allgemeinen Faltungsvorgauge der sänimt- lichen Schichten des Harzgebirges unterlagen.
Hierauf legte der Vortragende ein zweites Profil in grösserem Maassstabe vor, welches von ihm bereits im Jahre 1871 anfge- nommen wurde und entlang dem Allerthale oberhalb Camschlackeu querschlägig durch die ihrem Alter nach damals ganz fraglichen Schichten zwischen dem sogen. Osterode-Harzburger Grünstein- zuge uud der Allerklippe der x4cker-Bruchberg-Kette gelegt worden ist. Die betrefiende Schichtenfolge wurde seitdem mit x\.usnahme des Bruchberg- Acker- Quarzits anfangs als Tanner Grauwacke, später als Cuhn gedeutet. Der Vortragende äusserte, dass er, nach den aus dem Profile sich ergebenden Lagerungsverhältnissen zu urtheilen, den Quarzit der Allerklippc und somit auch denjenigen des Bruchberg-Acker-Kückcns nicht als Unterdevon, sondern wegen der unmittelbaren Angrenzung von Cuhnschichten mit coucordauter
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Lagerung westlich von ilnn, entweder ebenfalls als Culm oder höchstens als eine Oberdevonbildung deuten möchte.
Heil A. % ON Koenex sprach über die Resultate seiner Auf- nahinen innei halb der Blätter auf der Süd west- und West- Seite des Harzes von Gandersheim bis Münden. Er bemerkte, dass südöstlich von Gandersheim und südwestlich von Seesen noch der weisse Jura resp. Kimmeridge auf dem Kahleberge und au ein Paar anderen Stellen in erheblicher Mächtigkeit erhalten ist, dass jedoch weiter südlich, abgesehen von Tertiärbildungen u. s. w., der mittlere Lias das jüngste vorhandene Glied zu sein scheine.
In diesem ganzen Gebiete wird die geologische Aufnahme durch ein ziemlich coinplicirtes System von Spalten und Versen- kungen resp. Gräben erheblich erschwert, zumal da die Gräben und \ ersenkungen in der Regel in Boden-Depressionen oder Thä- lern liegen und durch Diluvial- oder Alluvialbilduugen verdeckt sind ; die Thäler sind grösstentheils Spaltenthäler.
Die Spalten verlaufen nun vorwiegend in 2 Richtungen. Zu- nächst ist zu erwähnen eine Anzahl nahezu paralleler, etwa von Norden nach Süden gerichteter Spalten, welche sich gelegentlich auskeilen oder auch vereinigen, und durchkreuzt oder zum Theil
auch abgeschnitten werden durch eine Menge von Spalten, welche in der anderen Richtung , etwa von Südost nach Noi'dwest streichen, zum Xheil sehr schmal sind, aber weit fortsetzen und namentlich an den Kreuzungsstellen mit den Nord- Süd- Spalten gewöhnlich recht verworrene Lagerungs -Verhältnisse bedingen. Diese Südost-Nordwestspalten laufen also parallel dem südwest-
lichen Harzrande und erscheinen als Wirkung eines Druckes von diesem aus nach Südwesteii, während der Widerstand des rheinisch- westfälischen Schiefergebirges gegen diesen Druck die Nordsüd- Zerreissung der mesozoischen Schichten bewirkt haben durfte.
Im Allgemeinen hat Kedner beobachtet, dass besonders die Sattel- undVulden-Linien in dieser Gegend ebenso wie in der früher von ihm geologisch aufgeuoinmenen noidhchen Khon i ei artige Spalten oder Spaltenzüge aufznwehen haben, dass diese dahtr mit der Bildung und Entstehung der Sattel >““' ^,1 m ursächlichem Zusammenhänge stehen, und das» die Spalten
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Gräben in den Mnlden, wie z. B. im Leinethalc bei Göttingen, sehr viel breiter sind und in grössei-er Zahl neben einander anf- treteu, als in den Sattellinien. Dies ist freilich leicht erklärlich, wenn man bedenkt, dass bei einer durch Faltung resp. Biegung der Schichten bewirkten Zerreissnng derselben die Spalten in den Sattelliuieu nach oben, in den Muldenliuien nach unten breiter werden resp. divergiren müssen, dass also in letzterem Falle weit grössere Gesteinsmassen von oben oder von den Seiten (oder nur von einer Seite) herabsiuken konnten und mussten, um die Spalten auszufüllen.
Andererseits kommen in der Nachbarschaft der Sattel- und Mulden-Liuien besonders häufig Erdfälle vor in Folge von Auf- lösung von Steinsalz und Gyps. Es erklärt sich dies einfach da- durch, dass die erwähnten Spalten dem Wasser den Zugang zu den Salz- und Gypslagerstätten ermöglichten.
Redner glaubt indessen, dass nicht wenige, als derartige Erd- fälle angesprocheue, kesselartige Vertiefungen der Erdolierfläche m einem ganz anderen Zusammenhänge mit der Spaltenbildung stehen. Vor Allem ist es eine ganz häufige Erscheinung, dass die ver- schiedenen Spalten eines »Grabens« divergiren und dann zum Theil durch eine Querspalte abgeschuitten werden, dass das dazwischen liegende Dreieck aber in einem mehr oder minder weiten und tiefen Kessel liegt. Solche Verhältnisse sind von dem \ortragendeu mehrfach zwischen Hersfeld und Geisa geologisch kartirt worden, sind aber augenscheinlich auch auf den Blättern Gandersheim, Westerhof u. s. w. vorhanden.
Ausserdem hat Redner noch beobachtet, dass auf Plateaus gelegentlich parallel den Hauptspalten, aber in grösserer Entfernung von denselben, Wallgraben -artige Vertiefungen auftreten, sehr deutlich z. B. in der »Wildkaute« zwischen Rotenkirchen und Steinbach, zwischen Uersfeld und Hünfeld, hier bis zu ca. 10 Meter tief und ebenso breit und mehrere hundert Meter ^ ^
Richtung dieses Wallgrabens finden sich aber bis zu 300 .ie er weit nach Südsüdosten eine Reihe kleiner Erdfalle, we c le nac i Angabe der Grundbesitzer trotz alles Zufüllens immer wieder nach- fallen. Diese bisher noch nicht beschriebenen Erscheinungen sind
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ohne Zweifel zunickzuführen auf das Yorhandensein einer klaffenden bpdte, m welcher das ausfidlende Material immer wieder nach- sinkt Tidleicht in Folge von Fortspülung eines Theiles desselben
Möglicher eise ist diese Spalte in Verbindung zu bringen mit drei Basaltvorkominen, welche mit dem Graben und den Erd- fälleu in einer Linie liegen: 1) ca. 3 Kilometer nach Nordnord- westen der ca. 600 Aleter lange, in gleicher Richtung streichende Lasaltgang des Stoppelsberges; 2) ein kleiner Basaltpunkt ca. ] Kilometer noch weiter nach Nordnord westen, östlich von Rhina; 3) ein Basaltgang, früher durch Steinbrüche ausgebeutet, in der M interliede, ca. 500 Meter südsüdöstlich von dem letzten kleinen
Erdfolle.
Herr F. AIoesta berichtete über seine Untersuchuiiffen in
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der Provinz Hessen. Dieselben erstreckten sich, im Anschlnsse an die nördlich und östlich fertig gestellten Gebiete, von der Section Lichtenau gegen das Fuldathal und von diesem südlich bis an die Vorstufe des Knüllgebirges am Südrande der Section Ludwigseck. Das wesentliche Object der Arbeit bestand in der Verfolgung der Bruchzone, die in nordsüdlicher Richtung über Göttingen zieht und bei ihrer Durchkreuzung des am ünteren Laufe der Werra vor- liegenden älteren Gebirges eine Abweichung ihrer Streichungs- richtung von etwa 15® gegen AA^esten erleidet. Mit diesem Streichen von 15® Südwest durchsetzt dieselbe das Gebirge von dem Werra- zum PAddathale bei Altenmorschen unter der bemerkenswerthen Erscheinung einer bedeutenden Reduction ihrer Breite von Lichtenau südwärts. Nach Durchkreuzung des Fuldathaies geht der Character
dieser Depressionserscheinung gänzlich verloren, die jetzt nur noch grabenartige Spalte weicht gegen Westen ab und hört bald voll- ständig auf. Fasst man jedoch ihre frühere Richtung ins Auge, so erglebt sich, dass dieselbe nach einer Unterbrechung von etwa einer °Meile wieder auftaucht, indem auf Section Ludwigseck (bei Alühlbach) obere Alitheihingen der Zechstoinfonnation inmitten des bunten Sandsteins Vorkommen, in deren südlicher Verlängerung der eingesunkene Muschelkalkzug von Roboldshausen hegt. A >ei auch dieser erreicht am Fusse des Knüllgebirges, wie es scliemt.
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sein Ende. Die gewaltige zonale Zerklüftung, die meilenweit eine auffällige Linie in den Gebirgsbau zieht, endigt hier unter der Erscheinung einer Zersplitterung und diese steht augenscheinlich im Zusammenhänge mit dem Auftreten einer kleinen Insel palaeo- zoischen Gebirges zwischen den Dörfern Counefeld, Oberelleubach und Sterkelshausen. In den diese Gegend betreffenden früheren Publicationen ist dieses Gebirge als Rothliegendes aufgeführt. Der fortschreitenden Uutersudmng bleibt es Vorbehalten, die Be- ziehungen der genannten Grauwacken partie zu den umlagernden Zechstein- und Buntsandsteinbilduugeu, sowie namentlich das Ver- halten zu jener erwähnten Zersplitterung genauer zu untersuchen und descriptiv darzustelleu.
Im Anschlüsse au die Verwerfungserscheinungen möchte zu bemerken sein, dass bei dem zonalen Auftreten derselben zwei o-ruudsätzlich verschiedene Erscheinuugsarten zu unterscheiden sind, einmal die auf irgend einer allgemeinen Ursache beruhende Zer- reissuno^ der Schichten selbst, und zweitens die hierdurch hervor- gebrachten Wirkungen als Cousec|uenz der bedingten Schichten- dislocation. Zn letzterer ist eine Anzahl von Bi'ücheu und Ver- werfungen zu zählen, welche der ursächlichen Richtung parallel laufen und dann vorzugsweise vielfache seitliche Zerreissungeu und hiermit verbundene Niveauverschiebuugen. Denn es ist die Voi- stelluug gegenwärtig zu behalten, dass, als die Zerreissung der Schichten erfolgte, dieselben sich im vollständig festen Zustande befanden und bei den nun erfolgenden Senkungen eine Dehnbar-
keit der Masse nicht stattfluden konnte, sondern diejenigen Zer- klüftungen entstehen mussten, welche der oben genannten zweiten Gruppe von Verwerfungsersclieiuuiigeu im Gebiete der Bruchzone
Herr M. Bauer machte bei Besprechung der in dem Blatte
zuzuzählen sind.
Tann ausgeführten Aufnahmen
m e n besonders aut die Basalte aut- die anderen Gesteine jener Gegend
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sein- deutlid, den Basalt a„f die Erstreckung von 5-600 Schritt durch die Sclnchteu des unteren Muschelkalkes hindurch in die le e setzen. Die Coutactflächeu selbst sind etwas überrollt und nicht ^unmittelbar sichtbar, könnten aber mit leichter Mühe wohl der Beobachtung wieder zugänglich gemacht werden. Ringsum ist diese Basaltmasse von einer mehr oder weniger breiten Zone ^ on Basalttufi umgeben, deren Lagerung gegen Basalt und Muschel- kalk aber zur Zeit noch nicht ganz klar dargelegt sind.
In ähnlicher M eise ist der Basalt des Horbais südlich Anden- hauseu aufgeschlossen. Der oberste Theil des Schmerbachs durch-
schueidet ebenfalls auf eine ziemliche Erstreckung, ca. 5 — 600 Schritt, den in die Tiefe setzenden Basalt, der im Norden von Nodosen- kalk, im Süden von Lettenkohle begrenzt ist. An der Oberfläche ist der Basalt deckenförmig übergeflossen und die Lettenkohlen- schichten, sonst gelblich graue, gliederreiche Mergel, sind an einigen Stellen im Contakt mit dem Basalt intensiv ziearelroth. Man hat es hier offenbar mit einem mächtigen Gauge zu tlnm, welcher wahrscheinlich vom Horbal nach dem Engelberg bei Tann sich hin erstreckt. Auch andere weniger mächtige Gänge gehen vom Horbal aus und erstrecken sich nach verschiedenen Richtimgen: einer fast genau nordsüdlich streichend läuft auf die Basaltmasse des Katzensteins bei Andenhausen zu, ein anderer liegt südlich von Empfertshausen und ein dritter ist in dem Thale des Schmer- bachs etwas südlich von dem oben erwähnten mächtigen Gange aufgeschlossen, von einigen anderen ist die Lage noch nicht ge- nauer fixirt, so dass am Horbal ein nicht unbedeutendes Eruptions- ceiitrum gewesen zu sein scheint.
Derselbe wies ferner auf die Verschiedenheit in der Ausbil- duno- des Diluviums in der Nähe von Gotha und am Rande des Thi^inger Waldes auf dem Blatte ührdruff hin. Bei Gotha ist eine bis 40 Fuss mächtige Schottermasse mit eingeschalteten Sand- schrnitzen, sonst ohne Schichtung, überlagert von einer Lelnu- resp. Lössbank, die ebenfalls nicht geschichtet ist. Zwischen beiden Jffldungen ist eine scharfe Grenze und es fehlt vollständig eine wohl sonst vorhandene Zwischenschicht, in welcher Thon und Ge- rolle gen.ischt sind. Am Gebirgsra.,dc dagegen sind (lie Gerolle,
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welche sonst in jeder Beziehung denen von Gotha ähnlich sind, dem Lehme eiugemengt. Ob zwischen Gotha und dem Thüringer Waldrande irgendwo das Dihivinm so ausgebildet ist, dass inan es als Uebergaug zwischen jenen anderen Ausbildungsweisen in irgend einer Weise betrachten kann, lässt sich aus Mangel an Aufschlüssen nicht entscheiden.
Herr W.Fraxtzen berichtete über die allgemeine Lagerung der Gebirgsschichten im Profile der im Bau begriffenen Eisenbahn Plaue-Ritschenhausen und speciell über die Be- schaffenheit der Gesteine in dem den Kamm des Thü- ringer Waldes durchschneidenden Brandleite-Tunnel.
Das Tunnel-Profil wurde vom Referenten bisher auf etwa der ganzen Länge aufgenommen; das fehlende Drittel bleibt noch zu untersuchen und konnte nach dem im Februar 1883 erfoDten
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Durchschlage des Sohlstollns bis jetzt nur einer oberflächlichen Besichtigung unterzogen werden.
Die Richtung des 3034 Aleter langen und am Scheiteljiunkte 640 Meter über der See liegenden Tunnels geht fast genau von Westen nach Osten, durchschneidet also den Thüringer Wald schräg gegen seine Axe. Mit letzterer parallel streichen im All- gemeinen auch die sedimentären Schichten im Tunnel; nur unter- geordnet findet sich auch wohl ein anderes Streichen. Auch die Gesteins -Wechsel in den eruptiven Gesteinen und die das Gebirge durchsetzenden Verwerfimgsklüfte zeigen fast durchweg denselben Verlauf. Mau trifft sie daher bei der Auffahrung von Westen her fast immer zuerst am nördlichen Stosse, ein Verhältniss, welches selbst dem gewöhnlichen Arbeiter auffällt. Die im Tunnel durch- fahrenen Gesteine haben also keine anderen Faltungen erlitten, wie die Triasschichten am Rande des Thüringer Waldes. Es ge- hört die Aufrichtung des in Rede stehenden Theiles desselben hiernach eben derselben Zeit au, in welche auch die Brüche am Rande des Gebirges fallen.
Unter den Gesteinen des Tunnels nehmen die Porphyre den grössten Raum ein. Sedimente des Rothliegenden finden sich, soweit sich bis jetzt übersehen lässt, nur an drei Stellen. Die grösste Masse derselben lagert in der Nähe des Ost-Portales, und
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^war vou dort bis zm- Station 467 + 50, erreicht also, da das
M 7!" P ' von etwa
1 ^ aber um- kleine Partie von rothliegeudem
^ oug omerate^ hegt nicht weit östlich vom West-Portale zwischen
Ar^Tr eingeklemmt und bildet daselbst eine
ac e P>ie dritte Partie von Flötzgebirge befindet sich in
ziem ich weiter Entfernung vom westlichen Portale und zeigt ziem ich steiles Fallen nach Osten hin. Auch dieses Vorkommen erreicht nur eine ganz geringe Ausdehnung, ist aber dadurch aus- gezeichnet, dass in den Bänken zahlreiche Krystalle von Feldspath liegen. Sie sind in dem Gestein nicht nnregelniässig zerstreut, sondern liegen gewöhnlich parallel der Schichtung und sind offenbar eingeschwemmt, nicht aber durch Einwirkung der Porphyr-Erup- tionen auf die Thonschiefer entstanden.
Die Hauptmasse des Rothliegenden am Ost -Portale besteht vorn in der Nähe desselben aus Conglomeraten mit zahlreichen Porphyr- und einzelnen Porphyrit-Brocken, aus Sandsteinen und untergeordneten rothen Thouen. Die Fallrichtnug dieser Schichten geht vorwiegend flach gegen Osfen, ganz entsprechend dem allge- ineiueu Fallen der Schichten an der iranzen Ostseite des Gebirges bis abwärts zum Fusse desselben. Unter diesen Coufrlomeraten folgen sehr dünngeschichtete sandige Schiefer mit glänzend schwarzer Färbung auf den Schichtungsflächen. Thonschiefer kommt zwischen den sandigen Schiefern nur in ganz dünnen Streifen vor.
Unter diesen Schiefern liegen wieder Conglomerate, Sand- steine und Schieferthone von rother Farbe und von ähnlicher Beschaffenheit, wie die Schichten über den dunkeleii sandigen Schiefern am östlichen Tunnel-Portale.
Es ist sehr bemerkenswerth, dass in diesen Scbicliten zuweilen discordante Lagerung beobachtet wurde. So wurden Bänke an- getroffen, welche mit entgegengesetztem Fallen auf den Scliicliten- köpfen anderer Schichten liegen. An einer anderen Stelle findet man seltsamer Weise eine Bank mit deutlicher Schichtung, welche mit widersinnigem Fallen andere Bänke quer durchsetzt. Man kann solche Verhältnisse nicht wohl durch die Annahme von durchsetzenden Verwerfungsklüften erklären; dagegen spricht nn
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ersten Falle die Lage der hangenden Schichten, mit welchen die Störnngskluft in solchem Falle parallel gehen müsste; im zweiten Falle die deutliche Schichtung der widersinnig durchsetzenden Bank und ilwe ganz flache Lagerung. Wäre sie die Ausfülhiug einer Verwerfuugskluft, so könnte sie hei dem flachen Fallen dei* selben nicht wohl etwas anderes, als eine Wechselüberschiebiing sein, welche unter allen Störungen am wenigsten weite, mit Keibungsproducten ausgefüllte Klüfte besitzen. Wo deutlich als solche charakterisirte A^erwerfnngen im Tunnel oder im östlichen Voreinschnitte auftreten, sind die Störuugsklüfte überdies regel- mässig sehr eng geschlossen, so eng, dass von einer Spalte ge- wöhnlich gar nichts zu sehen ist, und sie nur durch das Aneiu- anderstossen verschiedenartiger Schichten erkannt werden kann. Allerdings sind dies gewöhnlich Sprünge. Referent neigt daher zu der Ansicht, dass die horizontal liegenden Schichten zur Zeit der Ablagerung des Rothliegenden in irgend einer Weise erodirt worden sind, dass sich in den Erosiousthälern Gehäugeschutt bildete, welcher zu einer Bank durch irgend ein Bindemittel zu- sammengekittet wurde, und dass später die Erosiousthäler durch jüngere Sedimente ausgefüllt worden sind. Wenn diese Erklärung bedenklich erscheinen sollte, so mag daran erinnert werden, dass das Vorkommen der Conglomeratbänke im Rothliegenden, die ihr Material doch zu einem grossen Theile ans den tieferen Schichten des Rothliegenden selbst entnommen haben müssen, mit Noth- wendigkeit auf die Annahme von Erosiousthälern innerhalb des Rothliegenden hiuführt.
An Petrefacten ist das im Tunnel durchflxhreue Gebirge überaus arm. Mau hat im Tunnel selbst bisher nur eine einzige Platte mit einer nicht sehr deutlichen Pflanzen -Versteinerung ge- funden, welche Herr Professor AVeiss für eine AValchia hält. Sie kam nahe am West -Portale in den zwischen dem Porphyr ein- geklemmten Cougloineratbänken vor. Man ist somit bei der Be- antwortung der Frage, zu welcher Gruppe von Schichten das im Tunnel durchfahrene Gebirge gehört, fast lediglich auf die petro- graphische Beschaffenheit der Gesteine und ihre Lage im Schichten- A^erbaude angewiesen. Hiernach kann es nicht bezweifelt werden.
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dass die Gesteme des Bsaudleite-Tmmels dem mittleren Rotldiecenden zugereclmet werden müssen. ^
^on grossem Interesse ist die Lagerung des Porphyrs bei ^lation 467 + 50 in Bezug auf das Flötzgebirge. -Die Porphyr- Cxrenze hat im Tunnel ein ziemlich flaches Fallen nach Westen hm, wahrend die zunächst angrenzenden Schichten des Flötz- gebirges^ sehr flach nach Osten fallen. Der Porphyr ist also hier den Schichten nicht regelmässig eingelagert, sondern greift flach, mit widersinnig lallender Grenzfläche über die Schichtenköpfe des geschichteten Gebirges hinweg, wie besonders deutlich wird, wenn man ein Saiger -Profil durch die Tuuuelaxe und die Tagesober- fläche leaft.
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Ob die Grenze zwischen den geschichteten Gesteinen und dem Porphyr als Auflagerung in Folge des Hineinfliessens des Porphyrs in ein altes Frosiousthal, oder aber als eine Verwerfungsspalte zu deuten sei, ist eine Frage, die bei dem Mangel von ganz sicheren Leitschichten im Rothliegenden zur Zeit noch nicht sicher zu entscheiden ist. Liegt eine Verwerfung vor, so wird man bei dem ziemlich flachen Einfallen der Porphyr-Grenze kaum an etwas anderes, als au eine Wechselüberschiebung denken können, ln diesem Falle würde der Porphyr über die Schichtenköpfe des Rothliegenden in die Höhe geschoben und älter sein, wie das darunter hegende Flötzgebirge. Rutschflächeu , die ich am Tage auf der Grenze zwischen letzterem und dem Porphyr fand, fallen für die Annahme einer Verwerfung einigermaasseii ins Gewicht. — Ist die Verwerfung jedoch ein gewöhnlicher Sprung oder ist gar
keine Verwerfung vorhanden, so muss der Porphyr natürlich jüngei sein, wie das Flötzgebirge am östlichen Tunnel-Portale.
Die porphyrischeu Gesteine des Tunnels sind in Bezug auf Färbung, Structur, Härte und Krystall-Reichthuiii ganz ungemein verschieden. Ein grosser Tlieil derselben ist stark zersetzt, und zwar in höherem Grade, als man es im Innern der Erde erwytcn sollte Auf diese Weise sind aus dem Porphyr vielfach Gesteme
hervorgegangen, welche zuweilen Tnft'en sehr älnihch sind und andere besonders auffällige, deren Grundmasse aus dem von Kmop Pnido d
„enannten Minerale besteht, also Gesteine, welche, wenn sie anch
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aus Porphyr entstanden sind, doch dem Begriffe, den man mit diesem Worte verbindet, nicht mehr vollständig entsprechen. Echte, im Wasser abgesetzte Tuffe sind bis jetzt im Tunnel nicht be- obachtet worden.
Die unveränderten oder doch nur wenig veränderten Porphyre sind gewöhnlich sehr dichte Gesteine, bald krystallarm, bald kry- stallreicher, von mehr oder weniger röthlicher Farbe und meist sehr grosser Härte. Bei der Auffahrung des Tunnels setzen sie dem Bohrer grossen Widerstand entgegen, schiessen aber im All- gemeinen gut ab, wozu neben der Sprödigkeit des Gesteins auch die vielen Klüfte oder »Stiche«, wie die Arbeiter sie neunen, bei- tragen. Die zahlreichen kleinen Klüfte sind Veranlassung, dass trotz der grossen Festigkeit dieser Gebirgsmasseu doch wenigstens eine theilweise Ausmauerung des Tunnels durch Herstellung der Calotte erforderlich wird.
Andere Porphyre sind dagegen ziemlich geschlossen und zeigen dann häufig eine ganz dunkelroth gefärbte Grundinasse, in welcher die hellfarbigen Feldspathe scharf hervortreten. Es sind dies Gesteine, wie sie von ganz ähnlicher Beschaffenheit in den Stein- brüchen ' auf dem Kamme des Gebirges etwa 5 Minuten südlich vom Monumente als Chaussee -Material gewonnen werden. Dort kann man auch beobachten, dass derselbe in krystallarnieu, blass- rothen und gebänderten Porphyr übergeht.
Porphyre der beschriebenen Art treten besonders im west- lichen Theile des Tunnels auf, während auf der Üstseite eine sehr grosse Strecke desselben in rorphyr stellt, welelier sieh durch die oTosse Menge der eiiigesclilosseneu Krystalle und duich losemotie, Llle Grundinasse anszeidinet. Diese Porpliyre sind gewöliiihci viel freier an Klilften und Spalten, wie die dunkleren krystall- ärmeren Felsitporpliyre der Westseite; nmn findet oft grosse. e Strecken, welche ziemlich frei von Zierkliiftungen sm .
Nach Westen z„ geht der krystallreiche, liellferbige Porphyr in eigenthiimlich grau gefärbtes Gestein über, welches weiterhin etwas zersetzt ist und einen grünlichen Schein »nuimint. Diese schwach grünlichen, wahrseheinlicl. durch P.ii.toid gefa.b en „eilhercn Gesteine verhielten sich trotz ihrer verlia tn.ssinass.g
XXXVI
grösseren Weichl.eit bei der Sd.iessarbeit sehr ungünstig, indem
S! Sprengladungen leicht zur Bildung von
-Diiclis6ii \ 61 ciulassiiiig gaben.
Eine andere Porphyr -Varietät, die auf der Westseite mehr- aci vor'oinint, bat eine hellgrüne, dichte und feste Grundmasse m welcher nur wenig Quarzkrystalle , dagegen zahlreiche rosen- rothe Feldspathkrystalle liegen. Das Gestein ist sehr zäh, ge- schlossen und es lässt sich mit dem Hammer oft nur mit grosser Mühe ein Stück abschlagen.
Sphärolithische Bildungen finden sich an mehreren Punkten in den Porphyren, uaineutlich in den felsitischen rothen Varietäten. Die Sphäiolithe treten besonders deutlich hervor, wenn die Ge- steinsmasse bereits etwms zersetzt ist.
L nter den mehr oder weniger zersetzten Gebirgsmassen fallen besonders die dunkelgrünen, weichen und an den Stössen leicht ausklotzenden Gesteine in die Augen, deren Grundmasse aus Pinitoid- Substanz besteht. In dieser Grundmasse liegen zahlreiche Krystalle von Feldspath und Quarz. Legt man ein Stück von dem lufttrockenen Gestein in Wasser, so zerfällt es in lauter kleine Bröckchen ohne jedoch wie Thon plastisch zu werden. Man kann durch Reiben und Abschlämmen die grüne Grundmasse ziemlich vollständig von den Krystallen trennen, und ist überrascht, eine so grosse Anzahl von letzteren in ihr zu finden. Der Feldspath ist jedoch nicht grün geworden, wie die Grundmasse, sondern sieht noch recht frisch aus, enthält aber innen dunkle Stellen, die, wie es scheint, durch eingeschlosseue, dunkelfarbige, winzige Mineralien gebildet werden. Die Quarze bilden gewöhnlich kleine, rundliche Aggregate, zusammengesetzt aus zahlreichen Krystall-Individueu ; doch findet man auch ganz regelmässige Krystalle darunter, au denen gewöhnlich fast nur das Dihexaeder ausgebildet ist, die Säule aber fast ganz zurücktritt. Unter dem Mikroskope erscheint die grüne Grundmasse schon bei schwacher Vergrösserung aus »■limmerähuliclieu Blättcbei. zusammengesetzt, ganz so, wie dies KnOP von dem von ihm als Biuitoid bezeiclmeteu Minerale be-
schrieben hat.
Kxop fand das Pinitoid nur in geringen Mengen linsenförmig • den Tuffen des Zeisigwaldes und in feiner Zertheiluug
ö
als
in
XXXVII
Färbungsmittel der grünliclien Tuffe daselbst. Im Brandleite- runnel liegen die Pinitoid-Porpbyre, wie man die oben beschriebenen zersetzten Porphyre mit Pinitoid -Grundmasse nennen kann, auf ihrer ursprünglichen Lagerstätte und bilden ziemlich mächtige Lager zwischen den Porphyren.
Sehr bemerkenswerth .ist das Tjagerungsverhältniss der grünen Pinitoid-Porpbyre zu den harten Felsitporphyren. Zuweilen ist zwischen den verschiedenen Lagern eine ziemlich scharfe Grenze vorhanden; jedoch findet man in diesem Falle, dass die grüne Gesteinsmasse vielfach in unregelmässige Spalten des Felsitporphyrs, oft 1 Meter tief, eingedrungen ist. An den Rändern solcher Spalten zeigt der Porphyr sehr oft sphärolithische Structur. An anderen Stellen gehen diese Gesteine allmählich in einander über, und zwar in der Weise, dass sich in der grünen Masse einzelne kugelförmige oder unregelmässig geformte Knollen und Streifen von Felsitporphyr einstellen. Diese Porphyrknollen enthalten dann oft Drusenräume im Innern, welche mit Eisenglimmer und Kry- stallen von Kalkspath oder Schwerspath überzogen sind. Sie mehren sich immer mehr und verdrängen allmählich das Pinitoid- gestein vollständig.
Man kann aus diesen und anderen Verhältnissen schliessen, dass die Porphyrmassen des Brandleite-Tunnels keineswegs einen einzigen Erguss von Eruptivmassen bilden, sondern muss annehmeu, dass sie aus einer Reihe von Ergüssen zusammengesetzt sind, welche sich über einander gelagert haben. So erklärt sich auch die verschiedene Beschaffenheit dieser Porphyre in der Structur, Farbe u. s. w. , womit wahrscheinlich auch wohl kleine Ab- weichungen in der chemischen Mischung verbunden sein weiden.
Die Lagerung der verschiedenen Porphyre, tuffähnlicher Ge- steine und Pinitoid -Porphyre wird sich schwerlich genau aus- machen lassen, zumal sich auch \erwerfungen vorfinden, welche die Gebirgsmassen gegen einander verschoben haben. Jedenfalls wird sich ein Urtheil darüber erst gewinnen lassen, wenn die Auf- nahme des Tunnels vollendet sein wird. Aus der Wiederkehr derselben Gesteine an verschiedenen Punkten des liinnels kann man jedoch schliessen, dass die Porphyre in Faltungen gelegt sind, wie auch die sedimentären Schichten. In einem Falle liess
XXXVIII
sich eine Satteluno- direct i + T^•
Mächtigkeit der durchf-.te P J« grosse
„• 1 . ‘ 1 orphyniuissen erklären, die iedeu-
talls eine nur sclieinhare ist. ^
7^1 ^ sprach über seine Aufnahmen in den
. teiu Schwarza, Tlicu.ar und Kentwertsliausen. Von
lieh* ett S 1 ' Triasgebietes äst-
^^i^ertragen worden. Bei dem gestörten Ge- birgsbau des untersucliten Terrains stellte sich indess das Bedürfniss leraus, mich den Zechstein und den anstossenden Theil des Thü- imgei aldes aufzuuehmen. Die Gliederung des Zechsteins schliesst SIC \öllig an die am Harzrand und in Hessen vorgenommene an, der mittlere zeigt auch hier die ftir dieses Glied characteristische petrographische Polymorphie. Die Formation tritt in Folge zahl- reicher \ erwerfungeu nirgends in grösserer rämrdicher Ausdehnung zu Tage, öfters ist die Zerstückelung der Formationsglieder eine derartige, dass die Kartiruug nur in übertriebenem Alaassstabe vor-
genommen werden kann. Fiu Theil der Verwerfungen setzt durch das westlich anstossende Buntsandsteingebiet fort. Der Nachweis von Störungen im Buntsandstein, zumal bei wenigen Aufschlüssen, ist vielfach eine missliche Sache; innerhalb des bearbeiteten Ge- bietes war es indessen durch sorgfältige Vergleichung der Schichteu- folge und Mächtigkeit, durch Einstellung der beobachteten Schichten - Stellung, namentlich auch durch das Auftreten von Butschflächeu und Quellen, sowie von Gangquarzit und Baryt möglich, eine grosse Anzahl von Verwerfungen mit Evidenz zu constatiren. Die- selben streichen meist dein Thüringer Wald parallel.
Dasselbe Streichen zeigen die steil aufgerichteten Buntsand- stein- und Vluschelkalkschichten, die, vom grossen Dollmar kommend, die südwestliche Ecke der Section Schwarza einnehmen und nach Section Themar übersetzen.
Ueber die sehr coinplicirten Lagerungsverhältnisse der im Bereich dieser Section auftretenden Gebirgsglieder ist an anderem Orte berichtet worden. 1 lervorgehoben wurde der merkwürdige Verlauf der zahlreichen Verwerfungen in der Umgebung des Feld- steins bei Themar, die insgesainmt staffelförmig fortsetzen, so zwar, dass sie an in h. 12 streichenden Quersprüugen absetzen und weiter
südlich im alten Streichen li. 9 — 10 wieder auftreten. Ferner wurde auf die Verschiedenheit von l)ruckerscheinuna;en , die viel- fach in dem gestörten Gebirge zu beobachten sind, aufmerksam gemacht. In den meisten Fällen zeigt sich die Folge eines statt- gefundenen Seitendruckes in Zusammenschiebungen der betroffenen Massen zu Sätteln und Mulden; an der grossen Spalte jedoch, die zwischen Grub und Bischofsrod Granit und D3^as von Muschel- kalkschichten trennt, zeigen die letzteren sehr eigenthümliche und ungewöhnliche Druckphänomene. Die Schichten sind nicht ge- faltet, sondern liegen nahezu horizontal. Von Strecke zu Strecke beobachtet mau nun an denselben, dass Schollen aus dem Schichten- verband losgelöst und herausgequetscht sind, ohne dass eine ver- ticale Verschiebuug der ruhenden Bänke stattgefundeu hat. An Verwerfungen ist hier nicht zu denken.
Herr K. Th. Liebe machte Mittheilung von einigen Frgebnissen seiner Untersuchungen im südöstlichen T hüriugen.
1. Auf dem breiten Streifen metamorphischen Schiefers, welcher sich entlang der sächsisch-voigtländischen Grenze hiuzieht, konnte bezüglich des Alters vielfach eine sichere Diagnose gestellt werden, da nach und nach die Tentakuliteu führenden unterdevonischen Schiefer, die Nereitenquarzite derselben Etage, die mitteldevouischeu feinkörnigen Grauwacken mit Pflanzenabdrücken, die oberdevoni- schen Kalke, die Fusulinen führenden kalkigen Gi’auwacken des untersten Kulms und die durch Thuriugit und Chamoisit ausgezeich- nete Zone des untersten Untersilurs an vielen Punkten des Güitels seidenglänzeuder Schiefer zwischen dem AV erdauer \\ aide im iNoiden und der Bayrischen Grenze im Süden uachgewiesen werden konnten.
2. ln einem mitteldevonischen Lager mittelkörnigen Diabases nördlich von Saalburg auf Sectiou Schleiz setzt ein Netz von Gängen eines ziemlich feinkörnigen Diabases auf. Der Diabas des Lagers führt, unregelmässig schichteuweis eiugesprengt, durch- schnittlich erbsengrosse, unregelmässig -kugelige Köinei eines Quarzes, der sich von dem Granitquarz nicht unterscheidet.
3. Die verwerfenden Spalten laufen in üstthüringen meist in der Richtung h. 21,-2 bis 31/2, sonst noch vielfach in der Rieh-
XL
tiuio- h. §1L K- qij ,
und des Thüriuger W-ildel ^'d' 1 " Erzgebirges
diesen Gebiro-en auso-obp zusammen mit den von
lichten Verschiebnno-L sind'dahr'^''T''^^ '''
o-erichtet. Daznl-'^ «ncb mehr oder weniger vertical
bis 1 ct • 1 ^ noch verwerfende Klüfte, welche h 12
bzs 1 streichen. Entlang dieser, welche offenbar .hUiger als iene
Rieht sich vorzugsweise in horizontaler
‘ "f -■ geHoge, bald auch „ut gewah
t.g« Sprungweite. V o dergleichen Spalten Diabaslager durch- setzen geben schöne Harnische oft ein dentliches Bild von der \ erschiebnng nnd ihrer Richtung.
4. In ganz Ost- Thüringen ist eine scharfe Scheidung des xulm in verschiedene Etagen nicht möglich, da die vorhandenen \ ersteinerungen durch die ganze Etage hindurch reichen (Posi- doma Bechen kommt nirgends vor), nnd da eine petrographisch ausgezeichnete, anshaltende Zone nicht vorhanden ist. Nur im Tiefsten des Kulm stehen hier nnd da nnbedentende Bänke oolithischen Kalkes, grauliche, feste Sandsteine und Schichten mit kieseligen Geoden. Letztere sind die sporadisch anftretenden, winzigen Repräsentanten der anderwärts so bedeutenden kulmischen
Kieselschiefer. Gleichwohl nöthigen uns das vielfache Vorkommen von Dachschiefern (Lehesten, Wurzbach u. s. w.) und der sehr ver- schiedene Acker- und I/Valdboden, welcher daraus entsteht, eine Trennung in einen unteren und einen oberen Kulm durchzuführen, von denen jener sich hauptsächlich durch das Vorherrschen der Schiefer, dieser durch das der Grauwacken kennzeichnet.
5. Die auf der Naumann -Cotta’ sehen Karte als »bunte Schiefer und Grauwacken« besonders eingetragenen Formations- glieder, welche auf jener Karte den Eindruck einer jüngeren, iiisel- artio'* aufo’elacrerten Formation machen, sind absonderlich entwickelte Partien des Kulm, welclie stets in Beziehung stehen zu oI)erst- devonischen Diabasbreccienlagern im Liegenden. Die Gesteine
sind hochockergelb oder roth, oft deutlich von den Klüflchen aus gefärbt, und ist diese Färbung sichtlich secundär. Ihre auffällige Armuth an Alkalien und alkalischen Erden, welche eine sehr grosse Lnfruchtbarkeit d(‘S aus ihnen hervorgehendeii Bodens verursacht,
XLI
uud die Beschaffenheit der Gesteine, welche den Uehergang zu den Kulmgesteinen vom gewöhnlichen Habitus bilden, belehrt, dass jene beiden Gesteine in Folge der Nachbarschaft der Breccie mehr oder weniger fein mit Eisenkies impräguirt wurden (wie denn die secundäre Einwirkung der Breccieu auf das Hangende immer stärker als auf das Liegende zu sein pflegt), dass dann später die Eisenkiespartikeln oxydirten, und dass die dabei entstehende Schwefelsäure die Alkalien und alkalischen Erden auslaugte, während Eisenoxyd und Eisenoxydhydrat als färbende Bestand- theile zurückbliebeu.
Herr H. Loretz berichtete über den Stand seiner Aufnahme- arbeite u auf den Blättern Mas s erb erg, Breiten!) ach uud Gräfenthal im südöstlichen Theil des Thüringer Waldes. Von SO. nach NW. vorschreitend gelangen wir in dieser Gegend aus den jüngeren paläozoischen Schichteusystemen durch die älteren in das Cambrium und daun in die azoischen, phyllitischeu Schiefer, welch’ letztere in der Gegend von Neustadt am Rennsteig und am Schleusethal sich unter deckenförmig aufgelagerte Eruptivmasseu, insbesondere Porphyrite des Rothliegendeu, verlieren, resp. an den gang- und stockförmig in die Tiefe setzenden Massen dieser Ge- steine abstosseu.
Auf Section Gräfenthal ist die Reihe der Schiefersysteme von den technisch wichtigen Dachschiefern des unteren Kuhn abwärts bis in die obersten cambrischen Quarzite und Thonschiefer (Phy- codenschiefer) enthalten ; stratigraphische Folge und Beschaffenheit im Einzelnen können für diese Schichten Thüringens bereits als feststehende und bekannte Dinge gelten. Aon Eruptivgesteinen sind in dem bis jetzt aufgenommenen Theile der Section zu nennen: 1) ein Gestein aus der Diabasgruppe (Leukophyr Gümbels), welches lagergangartig in den mittelsilurischeu Kiesel- und Grapto- lithcnschiefern auftritt; 2) ein Glinnnerdiorit oder Kersantit (nahe- stehend oder gleich dem Lamprophyr Gümbel’s), der besonders im Oberdevon und unteren Kuhn gangartigerscheint; .3) ein Quarz- porphyr. Die Lagerung der Schichten ist in der Gegend von Gräfenthal sehr gestört, was sich besonders darin ausspricht, dass kleinere oder grössere Schichteufölgen so häufig abgeschnitten
XLII
uiu o seir stark seitlich verworfen erscheinen. Dem der eiv- gebii|ischen tektonischen Dichtung SW. -NO. zn Grunde liegen- den .eitendrnck ist, wie in den benachbarten Gegenden, so auch eistei Dinie die Anordnung der Schichteuzüge und das ganz vorwiegend ausgebildete SW.-NO.-Streichen der Schichtung ziizusc 11 eiben, auch können noch die genannten Verwerfungen aus ungleichen Spannungen in der Richtung jenes Seitendruckes eikkiit neiden; dass jedoch auch in zweiter Linie ein Seitendruck in dei Richtung SW .-NO. zur Geltung kam, zeigt das Vorkommen • sti eichender Schichten, sowie auch die Orientirung der tiansversalen Schieferung in gewissen Gebirgspartien. Die Er- scheinung, dass die Zone der GriflFelschiefer im Untersilur selbst in dem stark dislocirteu Gebiet und da, wo nur kleine Partien von ihr zuin \ orscliein komineu, doch stets Gritfelstrnctnr zeigt, ist wohl so zu verstehen, dass die Ausbildung dieser Structiir einer früheren P eriode der mechanischen Einwirkungen auf das Schichteu- gebäude angehört , als die Dislocationen , wie sie jetzt vor- liegen.
W' ostwärts, auf Section Breitenbach und Masserberg, gelangen wir durch die älteren cambrischen Thonschiefer, welche sich von den jüngeren, den Phycodenschiefern , petrographisch etwas, doch nicht sehr weit entfernen, und ihnen auch wieder recht ähnlich werden können, in eine halbphyllitische und dann in eine ganz phyllitisclic Zone. Jene, die halbphyllitische, zeigt in ihren Schie- fern sehr gewöhnlich einen etwas klastischen Habitus, und die hierher gehörigen Gesteine, welche übrigens mit Thouschiefern von gewöhnlichem Aussehen vielfach Wechsel lagern , können oft genug fast als sphyllitische Grauwackenschiefer« bezeichnet werden; diese dagegen, die phyllitische Zone, enthält vorwiegend Quarzphyllite. Dabei liegt in diesem westlichen Grenzgebiet des Schiefergeb irges allem AnsHieine nach eine Sattelbildung in grossem Maassstabe vor, indem jenseits der Quarzpliyllite die Iwibpliyllitischc Zone sieh wiederholt, m.d darauf wieder, in dem Zug des I.angeu Berges rwiselKTi Breiteubacl. und Amt (iebren, etwas jtmgerc Sclueter folo-en welcl.e sic). <lou cigentliei.en ca.ul.rischen Tlmr.seh.efern durchaus an die Seife stellen. Als Ijesondere Einlagerungen huden
XLIII
sich in tleii alten Schiefern, vom Camhriniu alnvärts, (iesteine von gneiss- und granitartigein Charakter, Porphyroide und Ilornhlende- Gesteine; kohlereiche Schiefer, bezw. Alannscliiefer und Kiesel- schiefer, sind besonders den phyllitischen Schiefern (Quarzphylliten) zivischengeschichtet; Quarzite dagegen, als Lager und als Zwischeii- schichten, sind auf das cambrische System beschränkt. Im Ver- gleich zui Entwicklung in Sachsen ergiebt sich in Thüringen ein starkes Uelierwiegew- des Cambrium an Verbreitung und Mächtig- keit über den eigentlichen Phylht und Quarzphyllit; in Sachsen ist es umgekehrt.
Im Kothliegendeu nun treten uns auf Sectiou Masserberg be- sonders die eruptiven Por^ihyrite (Glimmerporphyrite) als ein au Verbreitung und Mächtigkeit bedeutendes Gebirfrsirlicd entceuen. Tektonisch betrachtet, erscheinen sie theils als Decke (Gegend von Neustadt a. R.), welche dem Grund- oder Schiefergebirge theils nnmittelbar anfruhen kann, gewöhnlicher aber durch eine hier nicht mächtige Zwischenbildung von Rothliegend- Schichten (Conglomerat aus Schiefergebirgsgerölle, Schieferletteii, triftige Schichten) davon getrennt ist; theils, wie jenseits der Schleuse, scheint der Por^ihyrit mehr stockförmig aus dem Grundgebirge vorzutreten; Zwischenschichten fehlen hier, während den Schiefer durchsetzende Porphyritgänge in der Nähe der Grenze von Schiefer und Massenporphyrit sich häufen. In dieser Gegend bildet auch die Porphyrit-Gesammtmasse ein weniger einheitliches Ganze als dort, wo sie mehr deckenförmig erscheint, sondern zeigt sich in gewissen Strecken von Eruptivgesteinen von abweichender Mischung durchsetzt, namentlich von quarzführendeu und felsitischen Por- phyren mit nicht selten sphärolithischer und fliiidaler Struktur, denen sich noch andere Modificationen beigesellen, welche vielleicht zwischen diesem au Kiesel reicheren Porphyr und dem gewöhn- lichen Porphyrit stehen. Die Art und Weise, wie die Durch- setzung des letzteren von jenen anderen stattfindet, liedait noch wiederholter Untersuchung; jedenfalls wird die Aligrenzung der verschiedenen ATirietäten von einander schwierig und unsicher bleiben. — Südwärts folgen, auf dem Porphyrit, conglomeratische Glieder des Rothliegeudeu.
XLIV
in. flltereu J.d «testa S-.gfö.'..ng
Bintt Masse, -ber. „ebst de.f'
treten, so l.aben wiv z„ nenn „ n "“S;““"''““ -f-
Massen-Glimmerporphyrit nahe
r oTT. Ortboldasp«,!,,. d
W.™ne.-Orthoklasporph5r, nnd 3) einen Glinnnerdiorit ode,- Ker- samt. Die beiden ersteren dürften sich bei den Mischuncxen e c le iniiei lalb des Decken- und Massenporphyrits erscheinen, wie ei lo eu, dei letztere dagegen scheint älter zu sein.
Eine besondere Stellung nimmt endlich der Granit ein, welcher am Burgberg und Arolsberg bei Neustadt a. R. cambrischen .^chiefer und Quarzit m mehreren benachbarten, kleineren Partien diiichbricht; er ist von Contactschiefern umgeben, welche sich hier, dem ganzen ^ orkommen entsprechend, zwar nicht in deutlich ge- sondeiten Zonen ordnen, wohl aber verschiedene Stufen und Grade der Linwmudlung erkennen lassen, vom Fleckschiefer bis zum völlig gehärteten und iimgewaudelten Gestein, Stufen, welche wohl den L mw'andlungsstufen der Schiefer um den Granit des Henn- bergs bei ATeitisberga und der Phyllite um den Granit von Aue und anderen Localitäten in Sachsen entsprechen dürften.
Herr G. Axgelbis berichtet über die Kartirung des Blattes Alontabaur. Dasselbe stellt die westliche Vorterrasse des eigentlichen Westerwaldes dar. Ausser den Schichten des Unter- Devon sind nur Tertiär-, Diluvial- und Alluvialbildungen vorhanden.
Die krystallinischen Gesteine sind durch Feldspathbasalte, ITornblende-Andesite, Sanidin- Oligoklas-Trachyte und Phonolith vertreten.
In Bezug auf das Unter- Devon bemerkt der Vortragende, dass die Zugehörigkeit der im Bereiche der Section mächtig ent- wickelten Quarzite zu der von K. Kocn als Cohlenz-Quarzite be- zeichiieten Schichten einstweilen noch zweifelhaft erscheine, da Ins jetzt keine organischen Reste in denselben gefunden seien.
Fiir die Tertiärablagerungen nnd die mit ihnen in engem Zusainmenl.anKe rtebondc-,, vulkariisohoi, (irateino wird aus den
XLV
bis jetzt gemachten Beobachtimgeu die hier angegebene Reihen- folge ermittelt.
Aelterer Basalt.
Thon, Sand, Braunkohle.
Bimsstein und Trachyttulf.
Sauidin-Oligoklas-Trachyt.
Hornblende- Andesit.
Jüngerer Basalt.
Die in den Brannkohlenablagerungeu des Westerwaldes auf- tretenden Coufflomerate bezeichnen kein bestimmtes Niveau. Ihre Entstehung begann bereits nach dem Hervorbrechen des älteren Basaltes und dauerte während der ganzen Tertiärzeit, auch nach der Eruption des jüngeren Basaltes, fort.
Für die Altersbestimmung des Phouolithes fehlen alle An- haltspunkte.
Herr E. Dathe legt die Blätter Rudolfswaldau, Laugen- biel au und Neurode vor, mit deren Aufnahme im Jahre 1882 begonnen wurde. Das aufgenommene Gebiet begreift einen Theil des Gneisssystems im Eulengebirge und ein Stück des carbouischen Systems, nämlich das Kulmgebiet in der Gegend von Hausdoif, ausserdem wurde der Gabbrozug Neurode-Schlegel kartiit.
Das Gu ei SS syst ein des Eulengebirges gliedert der Vor- tragende in zwei Abtheiluugen, nämlich in eine untere, die vorherrschend aus Biotit gne iss eu aufgebaut, und in eine obere, die vorwaltend aus zweigli mm erigen Gueisseu zusammen- gesetzt wird. Die Specialkartirung erstreckt sich vorläufig nur auf die Abtheilung der zweiglimmerigen Gneisse am Südwest- abfalle des Eulengebirges und zwar zwischen den Orten \olgers- dorf und Glätz-Falkenberg. Es wurde der Versuch gemacht, die Abtheilung der zweiglimmerigen Gneisse m einzelne Stiifei zu Zerfällen. In der Umgebung von Haiisdorf wurde diese Gliede- runo- ausgeführt und es lassen sich daselbst iingezwiingeii vom Haiigenden zum Liegenden folgende Stufen unterscheiden:
1) plattig-schieferige Gneisse; 2) Aiigengneisse (knotig-flaserige Gneisse); 3) grobflaserige Gneisse; 4) knotigflaserige (Aiigengneisse)
XLVI
Ciiieisse; 5) flaserige Gueisse mit zahlreichen Einlagerungen von Amphiholiten und Serpentinen.
Die untere Abtheilnng des carhonischen Systems, clerKnlm, bei Hausdorf wurde vollständig kartirt. Die Eesnltate der Unter- suchung sind in der Arbeit des Vortragenden: »Die Variolit-
führenden Kulm-Conglonierate bei Hausdorf«, welche in diesem Hände des Jahrbuches abgedruckt ist, aufgezählt, es wird deshalb auf dieselbe hiermit verwiesen.
Bei der Kartirung des Gabbrozuges Neurode-Schlegel konnte eine genauere Begrenzung des Gabbro's gegen das Obercarbon und das Ixothliegende ausgeführt werden. Die von Gustav Bose herrührende Eintheilung der Gesteine konnte im Allgemeinen be-
stätigt und nnt gewissen Modiflcationen der kartographischen Dar- stellnug zu Grunde gelegt werden. Es werden unterschieden: 1) Gah- bro; ’2) Anorthitgestein und Eoi-ellenstein; 3) Serpentin; 4) grobkörni- ger Diabas; 5) mittel- bis feinkörniger Diabas; 6) Diabasgänge.
Die drei letzteren Gesteinsvarietäten wurden von Gustav Bose mit dem Namen »Gestein der Schlegeler Berge« belegt. Es findet ein allmählicher Uebergang vom typischen Gabbro in den grob- körnigen Diabas statt, der durch die leistenförmige Ausbildung der Plagioklase sich von ersterem unterscheidet. Augit (Uralit), Hornblende, Apatit, Titan-, Magneteisen und Eisenkies ^sind seine Gemeno-theile. Die grobkörnigen Diabase haben ihre Verbreitung vom Schleo-eler Thale bis zur Colonie Oberberg gefunden; von letzterem Orte bis nach Lippelt sind die mittel- bis feinkörnigen Varietäteu herrschend. Grob-, mittel- und feinkörmge iextur wechseln in diesen. Bezirke so rasch mit en, ander ab, dass of ein Handstück alle drei Abänderungen in sich vereinigt u ■ ■
durchsetzen in mehreren Gängen (in den Steiubnmlieu an der \V..stseite des Gesteinszuges, nainentlich be, Grube Coi.cord.a seh.
c 11 «Qpn'l die o-robkörnigen Diabase; es sind koi mg gut 1 Die speciellere petrograpbische Unte,-
::m:liätrs"l, der Vortragende die Bearbeitung derselben hier-
mit vor.
Schliesslich wird noch dass Gabbro-Gerölle iu dem
die interessante ddiatsaclic erwähnt, Carbon, welches den Gabbro direct
XLVII
umlagert, von dem Redner anfgefunden worden sind. In einem Hohlwege östlich von Kohlendorf und an der äussersten Spitze des Gabbrozuges gelegen, wurden in den braunrothen Schiefer- thonen faust- bis kopfgrosse und noch grössere, gernudete Blöcke von grobkörnigem Gabbro eingebettet nacbgewiesen; sie sind zwar stark zersetzt, doch lässt sich an ihrer Identität mit Gabbro nicht zweifeln.
Herr E. Läufer legt das geognostiscb colorirte Blatt Grün- tbal vor. Das Gebiet dieses Blattes bildet einen Ausschnitt der Hochfläche des Barnim, zeigt aber im Norden bereits den Thal- rand jenes breiten von G. Berendt früher geschilderten Thorn- Eberswalder Hauptthaies und einen Theil dieser Thalfläche. Im Nordwesten des Blattes wird der Thalrand von ganz bedeutenden Dünenzüsen verdeckt. Die mit jenen Verhältnissen im Zusammen- hange stehende geognostische BeschaflFeuheit dieses Gebietes ist hinsichtlich der Petrographie und Lagerung die gewöhnlich in der Mark auftretende. Auf grossen Elächen ist der Obere Dilnvial- inergel verbreitet, als dessen Liegendes meistens feine, seltener graudige Untere Diluvialsande angetroffeu werden. Besonders m den Einsenkungeii wird der Mergel von Geschiebesand übeilageit, welcher häufig geradezu arm au grösseren Geschieben vorkommt. Hingegen muss erwähnt werden, dass der Obere Mergel häufig grosse Mengen von über einige Kubikfuss grossen Geschieben eiu- schliesst. (Vor Allem in der Gegend südlich Sydow.) Die Ge- schiebe sind vorwiegend Gueisse (Granitgneiss.) Sehr häufig findet mau einen weissen feinkörnigen Granit, welcher dem Granit von
Stockholm entsprechen könnte.
Elfdaleuporphyre, Quarzite und cambrische Sandsteine treten sehr zurück, vereinzelt wurden Basalte angetrolfen. Wenige Kalksteine wurden im Mergel gesehen; ähnlich wie auf Sectiou Bernau fiel auch hier das seltenere Vorkommen dieser Ge- schiebe aut.
Läno-s des oben geschilderten Thalraudes konnte das Aus- roheudekes Unteren Dih.Tiahnergels in breitem Bsmde kartirt Lrden Ebenfalls bat diese Scliiclit eine in nord-siidlrclier Ricli- tnun das Gebiet durebsiehende Kinne, anf deren Vorbandensem und“ bestimmte parallele Ricbtung von G. Beeendt semer ^e.t
XLVIII
eine lauge
hiugewlesen wurde, bis zu 4 und 5 Meter Tiefe auf Strecke vom riialrande aus durclisclmitteu.
Tlioumergel wurden nur selten beob-
liiu- spärlich vorhaudeiien Aufschlüssen ist eine bTi-ube auf einer kleinen Kuppe nahe Tuchen insofern von Inter- esse, als in derselben, von Unteren Sand- und Cxrandschichten ü ei- und uuterlagert, ein typischer Unterer Dihiviahiiergel auf- geschlossen ist, welcher von der Sohle der Grube als etwa 2 Meter mächtige^ Bank aufsetzt und circa 30° anfgerichtet als Decimeter düiiiie^s Bänkchen am Rande der abgegrabenen AUand anskeilt.
leinei wiude bemerkt, dass in einigen Mergelgrubeu an der Gl eiize des Oberen Uiluviahuergels zum Unteren Diluvialsande eine sonst noch nicht beobachtete Geröllzone auftrat.
Herr I . A\ ahnschaffe legte die von ihm im vorigen Jahre bearbeiteten und zum Druck fertiggestellteu Blätter Rüdersdorf, A 1 1 - L a n d s b e r g und AA e r n e u c h e n v o r. Da von Herrn Berendt bereits ein geognostischer Ueberlilick über die 36 Blätter der Um- gegend Berlins gegeben war, so glaubte der AMrtragende sich auf die Alittheiliiiig einiger speciellerer ATrhältnisse aus den genaimten Sectioneu beschränken zu können.
A\' as zunächst die Section Rüdersdorf anlangt, so handelte es sich darum, das bereits von II. Eck kartirte Nordost-Ahertel hinsichtlich seiner Diluvialablageriuigen mit der in der ganzen Umgegend Berlins bisher durchgeführten Gliederung in Einklang zu bringen. Bei diesen Arbeiten ergab sich, dass der im Nord- westen des Rüdersdorfer Muschelkalkes bei Tasdorf und dem Bahnhofe Rüdersdorf befindliche Diluvialmergel nicht, wie Eck dies gethan, zum unteren, sondern zum oberen Diluvium zu stellen ist. Es zeigte sich nämlich durch profil istisch ausgeführte Bohrungen, dass der westlich von diesem Mergel befindliche Obere Diluvial- sand Eck's, welcher nach ihm als trennende Schicht zwischen dem Oberen und Unteren Diluvialsande aufzufasseu ist und demnach der obersten Abtheilung des Unteren Diluvialsandes BekenüEs entspreche, würde, hier au» OI.eron l)il«vml«u.do ((Jcsch.ehe- saude) JäKKKNDT’s y.u reclmei, ist, da che Megelplatten cks Oherci,
XLIX
Mergels bei Vorwerk Grünelinde an der Frankfurter Chaussee und der Untere Mergel Eck’s beim Bahnhofe Rüdersdorf unter diesem Saude in Zusammenhang stehen.
In gleicher Weise musste der Diluviahnergel in der Nordost- ecke des Alvenslebeubruches zum oberen Diluvium gestellt werden, da sich durch ein gegenwärtig dort aufgeschlossenes Profil nach- weisen Hess, dass der an der Süd- und Westseite des Alvensleben- bruches die Schichtenköpfe des Muschelkalkes überlagernde Obere Diluvialmergel mit dem Mergel in der Nordostecke in directem Zusammenhänge steht. Das genannte Profil zeigt zuoberst Oberen Diluvialband von 2 3 Mieter INbächtigkeit, welcher hier ausnahms-
weise sehr feinkörnig ist und auch Andeutuuo; von Schichtuuo- zeigt. Darunter folgt Oberer Diluvialmergel, 4 Meter mächtig. Oeschichteter Sand des Unteren Diluviums, welcher an der Nord- seite des Alvenslebeubruches in Grand übergeht, bildet sein Liegendes und bedeckt hier den nach Nord eiufallenden und sich auch nach dieser Richtung abdachenden Muschelkalk. Der unter dem Unteren Diluvialsande folgende Untere Diluvialmergel tritt erst in tieferem Niveau und in einiger Entferimng von dem Muschel- kalkgebiete bei dem Rittergutc Rüdersdorf unweit des Stieuitz- See’s auf.
Innerhalb der Sectiou Alt -Landsberg verdient das xluftreteu eines besonders ausgebildeteu Unteren Diluvialmergels erwähnt zu werden. Derselbe ist in der Thalriune liei dem Balmhofe Neueu- hagen nördlich und südlich der Ostbalm durch Gruben aufge- schlossen. Unter einer Decke von 1^/2 — 2 Meter geschiebeführendeu Sandes tritt ein Geschiebemergel auf, welcher in seinem oberen Theile von gelblicher, in seinem unteren von blaugrauer Farbe ist. Seine Eigenthümlichkeit besteht darin, dass er ausserordent- lich zahlreiche Kreidegeschiebe und Kreidepetrefacteu der weisseu Schreibkreide enthält, so dass er an einigen Stellen ganz wie ge- spickt davon erscheint. Die Kreidegeschiebe sind meist auf zwei Seiten abgeschlifieu und zeigen deutliche Schrainnmug. Da in der Berliner Gegend nur noch ein analog ausgebildeter Mergel bei Birkenwerder, Velten und Cremmen vorkommt, so wäre es möglich, dass die Verbindungslinie genannter Orte mit Neuen-
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hageu die Kiclituug einer m der Gruudmoräue traiisportirten und .eit milder eil Ivreidescliolle augiebt. Es stimmt mit dieser no^ west-siidostlichen Erstreckung ungefähr die Richtung der Schrammen des alteren Systems auf dem Rüdersdorfer Muschelkalk überein so ass \ie eicit diese Mergel einen Maassstab für die Bildungs- zeit der älteren Schrammen abgeben könnten. ^
Herr M. Scholz berichtete bezüglich der von ihm im Auf- naliniegebiet westlich der Elbe aufgenommenen Sectionen zunächst über eine eigenthümliche Art von Gescliiebemergeln, welche am linken Elbufer im Bereiche der Altmark auftreten und über deren Stellung m der Gliederung des dortigen Diluviums bisher noch Zweifel gehegt werden konnten. Sie zeichnen sich durch einen eigenthttmlichen, je nach dem Feuchtigkeitsgrade variirenden und mitunter der helleren Färbung gewisser oberdiluvialer Geschiebe-
mergel sehr ähnlich werdenden röthlichgelben Farbenton aus, welcher in der tj-pischen Form an manche rothe ostpreussische Geschiebe- mergel erinnert, sind deckenförmig auf unterdiluviale Sande gelagert, folgen jedoch in dieser deckenförmigen Lagerung den Terrain- Faltungen, welche das gesammte Diluvium in der Altmark bildet und wodurch schon zur Diluvialzeit und nicht erst durch nach- träglich erfolgte alluviale Erosion ein Theil der dortigen Thäler gebildet worden ist. Zunächst aus diesem Grunde, dann aber, weil in der Section Stendal, deren grösseren Theil Referent im vorigen Jahre aufgenommen hat, auf diese rothen Geschiebe- mergel sowohl geschichtete Sande, als auch geschichtete geschiebefreie Thonmergel aufgelagert sind, welche, mit parallelen Sandeinlagerungen wechselnd, eine der Ausbildung der sogenann- ten Bänderthone ähnliche Form zeigen, erscheint der unterdiluviale Charakter der rothen altmärkischen Geschiebemergel nicht mehr zweifelhaft. Ueberdies treten in den Nachbarsectionen unmittelbar unter und neben ihnen graublaue bis hellgraugefärbte Geschiebe- mergel vom Habitus der märkischen und pommerscheu unter- diluvialen Mergel auf, in welche von jenen ein allmählicher Ueber- gang stattzufinden scheint, zwischen welchen und den rothen Mergeln jedoch bis jetzt eine scharfe Grenze noch nicht gefunden werden konnte. Während diese graublaue Geschiebemergel ebenso
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Wie die rotheii an den Aufschlüssen einzelne weisslich-blaugefärbte Ablösungsklüfte anfweisen, sind sie durch einen grösseren Gehalt au Geschieben krystallinischer Feldspathgesteine vor den rothen ausgezeichnet, in denen sich grössere Mengen von Silurkalkeu, überhaupt von Geschieben der älteren sedimentären Formationen vorfinden.
Ihrei horizontalen Erstreckung nach sind diese rothen Geschiebe- inergel bishei in sämmtlichen in der Altmark aufgenommeuen Sectionen gefunden worden, werden bei Arneburg noch von der Elbe durchschnitten, scheinen jedoch über diese letztere Section nach Osten hin nicht mehr hinauszugeheu.
Die Basis der Unteren Geschiebemergel der Altmark, ein- schliesslich der rothen, bilden graue Gliudower Thonmergel, nach oben zu in 1 — 2 Metern mächtige sogenannte Brockenmergel um- geändert und noch weiter nach oben in einen gelbgefärbten ge- schiebefreien Thoiimergel übergehend, welcher letztere auch in den Niederungen der Sectionen, dort vielleicht durch spätere Erosioueu blossgelegt und zur altalluvialeu Zeit humificirt, nicht selten zu Tage tritt.
Auf den rothen Geschiebemergeln liegt ausser den oben- erwähnten, nur local vorkommenden Sanden und Thonen des Unteren Diluviums als einzige Form des Ober-Diluviums nur eine dünne, selten bis zu 0,5 Meter Mächtigkeit anschwellende Schicht von Sand oder Grand mit Geröllen, welche sich auf den GeSchiebe- mergel-Plateaus meistens nur als Bestreuung, selten in Form von Kuppen geltend macht und in dem die Section Stendal in der Richtung von NW. -SO. theilenden Uchtethale in der Mächtigkeit von circa 1 Meter auf geschichtete Sande aufgelagert ist.
ln der Thalsohle des Uchtethaies sind diese oberdiluvialen Sande, wie auch in anderen altmärkischeu Thälern, von jung- alluvialen torfigen und kalkigen Humusbilduugen bedeckt, aus denen sie stellenweise inselartig hervorrageu und dabei ihrerseits kleine Nester altalluvialen Wiesenkalkes, sowie die meistens schwache Ilumificiruug aufweisen, welche den in den Niederungen der Gegend abgelagerten jungdiluvialen Sanden ebenso häufig beigegeben ist, wie den Sanden in den Rinnen u. s. w. der Berliner Gegend.
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LII
Heij F^Klockmann herichtet im Anschluss au die Ansfüh- lungen des Professors Scholz über die Aufnahme-Ergebnisse au ei \\ei ei ostwärts anstossenden Section Arueburg, welche in ^oo-e des tiet oingeschnittenen Elbthales mit den Steilgehängen au t er AV estseite ebien guten Einblick in den Schichtenbau des a tmarkischen Diluviums gewährt. In nächster Nähe der Stadt Arneburg zeigt sich folgendes Profil erschlossen:
1) CTeröllbestreuung des Oberen Diluviums.
2) CTeschiclitete Sande des Unteren Diluviums mit mehrfach
eiiigelagerten Bänken eines geschiebefreien Thones.
3) Rother Altinärker Geschiebeinergel.
4) Gescbiebefreier Thon.
5) Saud.
Dieses Profil weist einmal das A orkoininen von Thonen in einem höheren Horizonte als dem des Glindower Thones nach, ent- sprechend den neueren Beobachtungen von Läufer und AVahn- SCHAFFE in der Mark Brandenburg, alsdann lässt es aber auch die zweifellose Zugehörigkeit des rothen Altmärker Mergels zum Unter- diluvium erkennen, weist demselben aber eine relativ hohe Stellung zu.
A\"ährend in dem westlich der Elbe gelegenen Theil der Section dieser eigenartige Dihivialmergel vorzugsweise die bodenliildende Schicht abgiebt und geschichtete Sande und Thone nur local auf ihm auftreten, wird die östliche Hälfte des Blattes Arneburg fast ausschliesslich von Unteren Sanden mit continuirlicher Granddecke erfüllt: nur an den Thaleinschnitten tritt gelegentlich unter den- selben eine Alergelbank hervor, welche sowohl durch ihre rost- braune Färbung als durch ihren (fast) gänzlichen Alangel an silurischen Kalken von dem rothen Alergel der Altmark deutlich unterschieden ist. Die Beziehungen dieser beiden Mergel 7m ein- ander sind noch nicht endgültig festgestellt, doch dürfte sich bei den weiteren Kartirungsarbeiten ergeben, dass der braune Ge- schiebemergel einem tieferen Horizonte angehört, als der rothe. Dafür sprechen vereinzelt vorkommende Lehmfetzen über dem Unteren Sande auf der Osthälfte des Blattes, welche als die bei der Auswaschung des Elbthales verschonten _ Reste emer zusa hängenden Decke des rothen Alergels aufzufassen sind.
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Kedner kui.pft sodann an die charakteristische Wahrnelnnung, dass in der Gegend von Stendal trotz der seit 1876 im Gange be- hndlmhen Anfnahinearbeiten bisher keine Spur einer Mergelfacies des Oberen Ddnvmms anfgefimden wurde, die Bemerkung, dass, wenn man diese Thatsache mit dem Fehlen des überdihiviahnergels in der Lüneburger Haide und auf dem Fläming in Ziisammeu- haug bringe, ferner berücksichtige, dass weiter südwärts das Vor- kommen von Oberem Mergel durch nichts bewiesen sei, man zu dem Schluss geführt werde, die südliche Ausdehnuug des Ober- diluvialmergels zwischen der Nordsee und dem Oderstrome werde etwa durch die Linie Lüneburger Haide -Fläming bestimmt.
Leber die mannigfachen und wichtigen Schlussfols'erimo'en, die aus eiuei solchen Anschauung zu ziehen sind, wird Iveduer, falls sich ihm zur Bestätigung derselben weitere Materialien er- geben, in einem besonderen Aufsatze berichten.
Von Interesse für die Herausbildung des Elbthales ist der L instand , dass sich bis zu einer Meereshöhe von 60 Aleteru — der Elbspiegel steht heute innerhalb der Section 26 Meter — auf den Thalgehängen zahlreiche Kieselschiefer-, seltener Basalt- gerölle finden, welche auf einen sächsisch -böhmischen Ursprung hindeuten.
Das alte weite Elbthal wird gegenwärtig von jungalluvialen Schlicken in einer Mächtigkeit von circa 2,5 Metern erfüllt, deren oberflächlich beträchtlicher Humusgehalt nach unten zu verschwindet. Stellenweise, so zwischen den Dörfern Klietz und Hohen-Göhren, wird der Klei noch von Sandeii überdeckt, die bis zu 5 Meter mächtig werden können. Obwohl dieselben 2 Kilometer landein- wärts gelegen sind, sind sie doch den mit den Deichbrüchen in Zusammenhang stehenden jüngsten Versandungen gleichwerthig an die Seite zu stellen.
4.
P ersoiial - Nacliricliten.
Bei der Bergakademie ist der Doceiit der Mathematik, 1 lofessor l)r. A. angerin, in Folge seiner Berufung an die Universität Halle ausgeschieden. Die mathematischen Vorträge sind mit Beginn des Wintersemesters 1882/83 von dem Stadtschul- rath Professor Dr. Bertram übernommen worden.
Die g e o 1 Ogis c h e L a n d e s a n s talt hatte im Jahre 1882 den \ erlust zweier ausgezeichneter Mitarbeiter zu beklagen. Am 5. Januar starb plötzlich an einem Magenübel der Königliche Laudesgeologe Dr. Oscar Speyer. Am 18. April erlag der Königliche Landesgeologe Dr. Carl Koch nach längerer Krank- heit einem Herzleiden.
Die beiden Landesgeologenstellen sind durch Dr. Wilhelm Branco (vom 1. October 1882 ab) und Dr. Hermann Loretz (vom 1. Januar 1883 ab) neu besetzt worden.
Bei der Flachlandsabtheilung ist der Geologe Dr. F. Klock- mann vom 15. Alai ab als Hülfsarbeiter eingetreten.
II.
Abhandlungen
von
Mitarbeitern
der Königlichen geologischen Lanclesanstalt.
Das Alter der Westerwälder Biiiissteiiie.
Von IleiTU Gustav Angelbis in Bonn.
Nachdem Herr v. Dechen^) auf der Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft in Saarbrücken über die von mir in Bezug auf das Alter und die Herkunft der Westerwälder Bimssteine ge- wonnenen Resultate berichtet hatte, veröftentlichte vor einiger Zeit Herr F. Saneberger^) einen Aufsatz, in welchem er den Versuch macht, seine Ansicht, wonach die Westerwälder Bimssteine denen des Laacher See -Gebietes gleichalterig , also diluvial sein sollen, aufrecht zu erhalten.
Als ich die betrefi'ende Arbeit erhielt, war meine im vorigen Bande dieses Jahrbuches puhlicirte Abhandlung^) bereits im Druck, so dass ich mich erst hier über die von Herrn Sandberger gegen meine Angaben ausgesprochenen Bedenken äusseru kann.
Herr Sandberger, sucht das mitgetheilte Profil, welches die Ueberlageruug des Bimssteins durch Basalt darlegen soll, in der Weise zu erklären, dass er annimmt, der Bimsstein habe sich hier unter dem Schutze einer vorspriugendeu Basaltwand abgelagert.
h lieber Bimsstein im Westerwalde. Zeitschr. d. D. gool. Ges. Bd. XXXIII, S. 442 ff.
2) lieber Bimsstein-Gesteine des Westerwaldes. Ibid., Bd. XXXIV, S. 146 ff.
2) Jalirb. d. Königl. geol. Landesanstalt. 1881. S. 393.
Anmerkung. Dieser Aufsatz wird auf Wunsch des Verfassers im Jahrbuche abo-edruckt, obwohl er in ziemlich gleicher Fassung auch in den Verhandlungen des” naturhistorischen Vereins der Preuss. Rheinlande und Westphalens erscheint, weil seine erste Abhandlung über diese Frage gleichfalls nn JahrbuAe veroffent- , , 1 • .L Die Kedaction.
licht woraen ist.
Jahrbuch 1882.
Glsian Angm.ris, das Alter der ^Ycster^välder Bimssteine.
omi die bei Langendembach gemachte Beobachtung ganz ver- einzelt dastände, so wäre eine derartige Deutung gewiss nicht ohne eitel es con der Hand zu weisen; dagegen steht die von mir gegeliene Interpretation und nur diese mit den sonst beobachteten A eihältnissen in bestem Einlvlanfre.
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eiin Herr Sakdberger sagt: »dass die Kuppen der Berge von Biinssteinssaud frei sind, darf uns bei der Beweglichkeit des Materials durch Regen und Wind nicht wundern«, so ist das gewiss richtig. Anders verhält es sich aber mit den zahlreichen grossen B asaltplateau’s. Wäre der Bimsstein jünger als der die Braunkohle überlagernde Basalt, so würde sich kaum eine Erklärung dafür finden lassen, dass auf diesen Plateau’s, deren Ausdehnung oft mehrere Quadratkilometer beträgt, durchaus kein Bimsstein zu finden ist. In den zahlreichen Vertiefuno^en, welche die Oberflächen dieser Basalterhebungen aufweisen, hätten doch o-ewiss kleinere Partien Bimsstein liegen bleiben müssen.
Herr Sandberger hält aber dennoch die von mir beigebrachten Beobachtungen für nicht genügend, um damit den Nachweis zu führen, dass die Westerwälder Bimssteine als ein Glied der Braun- kohlenforination aufzufassen sind, fordert vielmehr »andere und schlao-endere Beweise« , welche »die seitherige Erklärungsweise stratigraphisch unmöglich machen«. Ich glaube dieselben hier bringen zu können.
Zunächst möchte ich aber doch auf die Bedenken, welche sich nach der Meinung des hochverdienten Forschers der Annahme meiner Ansicht entgegenstellen sollen, näher eingehen.
Nach Herrn SandberGEr’s eigener Schilderung gründen sich dieselben darauf, dass die Bimssteine des Westerwaldes und die des Laacher See -Gebietes dieselben Mineralien enthalten. ^ Unter den aufo-ezählten Mineralien befindet sich nun aber kein einziges, welches als cliarakteristisch für das I.aacher Gebht gelten könnte, vielmehr treten alle auch ln den anstehenden Westerwälder Ge- steinen auf. Ein besonderes Gewicht scheint auf das Vorl.andensem des Titanits und des Ilauyns gelegt su «erden. Was das e-ste Mineral anbelangt, so giebt Herr SANngnOBR ^ ;
konnncn in einigen Trachyten su. Ich kann seme Angabe d.dm
Gustav Angeuuis, das Aller der Westerwälder Bimssteine. 3
erweitern dass sich kaum ein einziger AVesterwälder Trachyt als frei von litanit ergeben dürfte.
Ilauya ist ein wesentlicher Gemengtheil der Westerwälder i lionolithe.
Wenn wir mm die in den Phonolitlien und Tracliyten des AVesterwaldes anftretenden Mineralien auch in den Bimssteinen dieses Gebietes finden, so kann doch in diesem Umstande durchaus nichts Befremdendes liegen, und wir haben darin keineswegs eine Veranlassung zu sehen, die Bimssteine des Westerwaldes mit denen des Laacher Gebietes ohne AVeiteres zu ideutificiren.
Uebrigens hat bereits Herr GümbelI) den Versuch gemacht, die Identität der Laacher und AVesterwälder Bimssteine uachzu- weisen, doch legte derselbe das Hauptgewicht nicht auf das Vor- handensein oder Fehlen einzelner Mineralien, sondern auf die Re- sultate der Bauschaualysen, besonders auf den Kieselsäuregehalt. Uaneben führte er auch das den Bimssteinen beider Gebiete ge- meinsame Vorkommen kleiner phyllitartiger Schieferstückchen an.
Herr Gümbel zieht aber die von mir behauptete, und wie ich glaube auch bewiesene Zugehörigkeit der AVesterwälder Bims- steine zum Tertiär nicht in Zweifel; er möchte vielmehr nur an- iiehmen, dass Laacher und Westerwälder Bimssteine ein und demselben vulkanischen Herde entstammen. Diesen letzteren scheint er im Gebiete des Laacher Sees zu suchen. Um diese Anschauung nicht in AA^iderspruch mit positiven Beobachtungen kommen zu lassen, bleibt nur die Annahme übrig, dass die Bims- steinausbrüche in der Umgebung des Laacher See’s bereits zur Tertiärzeit begonnen und bis weit in die Dihivialzeit hinein fort- gedauert haben.
Aleinen Bedenken gegenüber den von Herrn Gümbel für die petrographische Uebereinstiinmung der Laacher und AVesterwälder Bimssteine geltend gemachten Gründen habe ich bereits Ausdruck gegeben^). Hier will ich deshalb nur noch betonen, dass sich
b Geologische Fragmente aus der Umgebung von Ems. Sitzungsbor. der mathem.-phys. Klasse der K. bayr. Akad. d. W. 1882. Heft 2. S. 223 ff.
2) 1. c. S. 399.
1
4
Gustav Anoki.r.s. das Alter der Westerwälder Bimssteine.
für keine einzige Bimssteinablagernng des Laacher Gebietes ein teitiares Alter naebweisen lässt, was doch kaum denkbar waie, wenn dort die Bnnssteinaiisbrüclie zur Tertiärzeit schon in emeiii solchen Umfange stattgefunden hätten, dass alle oder doch die meisten AT esterwälder Ablageruugeu darauf zurück zu führen wären. Ferner glaube ich auch bereits früher eine Anzahl von Beobachtungen beigebracht zu haben, die daftir sprechen, dass der Ausbiuch der auf dem AA esterwalde abgelagerten Bimssteiue in diesem Gebiete selbst und uicht in der Umgebung des Laacher See's erfolgt ist.
Ich hebe hier nochmals die räumliche Verknüpfung der Bims- steinmassen mit den Trachytvorkommen sowie die Abhängigkeit der A erbreitung des Bimssteins von den orographischen Verhält- nissen hervor. Auch glaube ich dem Umstande, dass die gröberen Bimssteinbrocken nach O. hin an Zahl und Grösse nicht allmählich abnehmen, sondern ganz plötzlich auf hören, grosse Bedeutung beilegen zu müssen. Ich verhehle mir durchaus nicht, dass ich einstweilen auf die sehr nahe liegende Frage nach einer genaueren Umgrenzung des A'^erbreitungsgehietes der AVesterwälder und Laacher Bimssteine keine irgendwie befriedigende Antwort geben kann. Hier sind wir eben auf weitere Untersuchungen angewiesen. Einer scharfen Abgrenzung der Laacher und AVesterwälder Bims- steine dürften sich aber grosse Schwierigkeiten entgegenstellen. Bei der geringen Entfernung des tertiären AVesterwälder und des viel jüngeren Laacher A-Tilkau - Gebietes liegt die A'ermuthung nahe, dass wenigstens ein geringer Theil der im Laacher See- Gebiete ausgeworfenen Bimssteinmassen auf dem AVesterwalde niedergefallen ist und umgekehrt, dass also schon zur Zeit des Ausbruches ein kleiner Austausch stattgefuuden hat. Besonders störend für die scharfe Trennung der Westerwälder und Laacher liiinssteilie ist aber der Umstand, dass slcl. swisclieu beide Ge- Idete eine breite, gleichsam neutrale Zone einschiebt, das Coblens- Neuwieder Jiecken. Dass die mächtige Bimssteinbedeckuiig des- sellien als zmn Alluvium des Uheintliales gehörig betrachtet werden muss, darüber lassen die in derselben aufgefundeneu Blatter vou recenten l'llanseu keinen Zweifel. Ferner ist auch an vielen Stellen
die Auflagerung
des Bimssteines auf Bheingerölle nachgewiesen.
Gustav Anqei.bis, das Alter der Westorwiilder Bimssteine.
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Herr Sandberger bespricht in seinem Atifsatze anch das Alter der Bimsstein führenden Trachyttnffe , der sog. Backofen- steine. Ich hatte diese Tuffe wegen ihrer ganz analogen Eut- stehungsweise mit den Bimssteinen verglichen, jedoch ohne eine Angabe über das Altersverhältuiss beider Bildungen zu machen, da ich keine für die Beantwortung dieser Frage verwerthbaren Aufschlüsse finden konnte. Nachdem ich aber jetzt noch einmal alles hierauf Bezügliche geprüft, bin ich in der Lage, die Angaben des Herrn Sandberger nicht nur rectificireu zu können, sondern auch zugleich für das tertiäre Alter der Westerwälder Bimssteine Gründe beizubringen, die gewiss Jedem die entgegengesetzte An- sicht als stratigraphisch unmöglich erscheinen lassen.
Zunächst aber einige Bemerkungen über das Auftreten der Tuffe. Dieselben sollen nach Herrn Sandberger sehr charakte- ristische flache Hügel von elliptischem Umriss bilden. Das Charakteristische einer Erscheinung kann uns aber gewiss erst nach einer grösseren Anzahl von Beobachtungen zum Bewusst- sein kommen. Herr Sandberger führt nun zwei Tuffhügel au und wir müssen nach seiner Beschreibung annehmen, dass deren noch viele vorhanden sind. In Wirklichkeit beschränkt sich aber das Auftreten von Backofenstein im Westerwalde überhaupt auf die beiden von ihm angegebenen Punkte. Der zwischen Leuterod und Wirges ganz isolirt auftretende Hügel, nach Herrn Sandberger aus Tuff gebildet, repräseutirt thatsächlich eines der schönsten T r a ch y t V o rko m m e n Nur am lusse der Trachyterhebung
zeigt sich eine Tuffäblagerung. Um die charakteristische Hügel- form zu erkennen , bleiben wir demnach auf den Fufi bei Schön- berg beschränkt. Derselbe bildet hier eine weite von Geishasen in südwestlicher Richtung nach Schöuberg ziehende zusammen- hängende Muldeuausfüllung zwischen den umgebenden Basalt- höheu. Die Kirche von Schönberg liegt in der That auf einem
1) Das Gestein ist bereits von Herrn Zibkel beschrieben, doch unter der irrtliümlichen Bezeichnung »Trachyt von Dernbach«. Der liochverehrte Forscher hatte die Güte, das von ihm untersuchte Handstück zum Zwecke der A ergleichung einzusenden Hierbei ergab sich die vollständige Uebereinst.mmung desselben mit dom Gestein der oben erwähnten Tracliy tkuppe. Die genauere Angabe des h undortos ist »Hülsberg, nordöstlich von Wirges«. Bei Dernbach kommt kein frachyt vor.
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Gustav A™.u,„s, das Alter der Westerteälder Bin.ssteiss.
durch Erosron^Jbüder i!t” Drilf 1, If"^
Zuf-illiges, sie geht auf der geologisch'eu“Karte, trdirTufiw" kommen m seiner cmwp,-, a j i J-unvor-
Auge vollstäudig “virlo - n'w
,1 T Oien. VV le sollte aber auch eine Tuff“
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a ’ ■■ Neigimg haben, Hügel zu bilden? Sind bei
derartigen Ablagerungen, wo das AVasser seine nivellirende Thätig- ei m Tollstem Maasse austtben kann, MuldeuausfUllungen nicht etwas ganz Natürliches?
In Bezug auf das Alter der Tuffe giebt Herr Sandberger an, dass dieselben als das älteste Glied der WesterAvälder Braun- kohlenformation zu betraebten seien. Er beruft sieb dabei auf die Angaben von Seelbach i), denen zufolge der Tuff am Wege von Schönberg nach Härtlingen von dem bekannten durch seinen Reiclithum an grossen Aiigit- und Hornblendekrystallen ausge- zeiebueteu Basalt diircbbroclien werde. Dieser Basalt soll aber nach Herrn Sandberger die Braunkohle unterlao-eru.
Was zunächst Seelbach’s Behauptung betrifft, so bemerke ich nur, dass von einem Durchbruche des Basaltes durch den Tuff gar keine Rede sein kann. Wo der Basalt aufhört, er- scheint der Tuff. Letzterer umgiebt keineswegs den Basalt. AV enn aber Seelbach durch die Angabe, der Basalt habe den Tuff durchbrochen, nur sagen will, dass dieser älter sei, so ist dem gegenüber zu betonen , dass über das Verbältniss des Basaltes zum Tuff direkt gar Nichts zu eruiren ist, indem die Grenze beider Bildungen in dem von Scliönberg nach Härtlingen führenden, nur wenig geneigten Wege nicht aufgeschlossen ist. Seelbach, der, nach seinen Darstellungen zu nrtlieilen, die An- sicht hat, eine am Fusse einer Basaltinasse auftretende Tuffalilage- rung müsse unbedingt unter dem Basalt liegen 2), hat aber hier
1) Odernheimkr, das Berg- und Hüttenwesen im Ilovzogth. Nassau. Seliluss- heft. 1867. S. 38.
2) So beliauptet derselbe anch, der Basalt des Nickolstoin zwischen Gershasen lind Schonberg, welcher ringsum von Tuff umgeben ist, liabo diesen (Imdibrochcu,
Gustav Angklbis, das Alter der Westerwälder Bimssteine.
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das Richtige getroffen. Der Härtlinger Ba- salt liegt wirklich auf dem Tuff, aber eben so gewiss auch auf der Braunkohle, nicht wie Seelbach und Sandberger angeben, unter derselben. Der Tuff von Schöuberg gehört, wie alle übrigen Glieder der Wester- wälder Braunkohlenformation, in das Niveau zwischen dem älteren, die Kohle unterlagern- den und dem dieselbe überlagernden jüngeren Basalt. Dass diese Auffassung die richtige, dürfte sich aus dem hier beigefügten Profil ergeben i).
Der Härtlinger Bach fliesst über den Basalt. Da der Abhang auf dem rechten Ufer, auf welchem die Braunkohlengrube Kduard liegt, steiler ansteigt und hier der Basalt auch eine bedeutendere Höhe erreicht als auf dem linken, so glaubte Sandberger, die Kohle müsse am Abhana-e zum Ausgehen kommen. Der Basalt auf der rechten Thal- seite liegt natürlich auf der Kohle; sämmt- liche Schachte stehen in demselben. Falls das Kohlenflötz wirklich hier ausginge, so läge der Gedanke sehr nahe, dass der sich mehr deckeuartig ausbreiteude Basalt auf dem linken Ufer das Liegende der Kohle bilde. Durch den jetzigen Stand der Grubenbaue ist aber uachgewiesen, dass das nach der Höhe zu sehr flach liegende Kohlenflötz in der nächsten Nähe des Baches plötzlich mit etwa 430 nach 0. zu einfällt. Wo soll das-
ohne dafür irgend eine positive Beobachtung anzuführen. In Wirklichkeit ist darüber Nichts zu ermitteln. ''
1) Im August dieses Jahres hatte ich die Freude, auch Herrn Beyrich von der Eichtigkcit meiner Ansiclit an Ort und Stelle überzeugen zu können.
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Gustav Anc
■BIS, das Alter der Weste
■rwälder Bimssteine.
selbe mm bleiben, wenn pq
Seite anstehenden Basalte her/Lbtrp^v
liegen, dass der Basalt anf 1 ’d ^^^^ter-
sammenhängende Massl Id llt ' M
nl*5 T iprr d a welche die Kohle überlagert. Der
als Legendes der Kohle auftretende ältere Basalt ist ftbri.en ,
eteof r -.ohgewiesen. Derselbe behadet "
einem^ vollständig zersetzten Zustande.
_ Nachdeni einmal nachgewiesen, dass der Härtlinger Basalt junger als die Braunkohle ist, kann es auch nicht befremden, wenn derselbe anf dem Tuffe liegt. Dass dieses aber wirklich de^ a : eigiebt sich aus folgenden Beobachtungen, die zugleich das \ erhaltuiss^ des Bimssteins zum Tuff klar machen werden.
Am nördlichen Fusse des kleinen Tuffhügels, auf dem die Kirche von Schönberg steht, ist durch einen kleinen Aufschluss die Auflagerung des Tuffes über dem Bimsstein deutlich zu sehen. Die Grenze fällt mit etwa 30° nach S. ein. Dass hier von einer
Ablagerung des Bimssteins unter dem Schutze einer vorspriugenden Tuffwand keine Rede sein kann, ergiebt sich daraus, dass mit einem fast dicht neben der Kirche auf der Höhe des Hügels ab- geteuften Brunnen, nachdem der Tuff mit 16,3 Meter durchsunken ist, der reine Bimsstein, welcher am nördlichen Fusse zu Tage tritt, erreicht wird.
Eine derartige Auflagerung des Tuffes über Bimsstein jemals zu beobachten, hätte ich mit Rücksicht auf die leichte Beweglich- keit des letzteren kaum erwartet, selbst dann nicht, wenn bereits vorher durch indirekte Beobachtung der Nachweis gelungen wäre, dass der Bimsstein älter ist, als die Tuffe.
Die Thatsache, dass der Tuff' dem Bimsstein unmittelbar aufgelagert ist, scheint mir durchaus die Annahme zu reclit- fertigen, dass das Tuffinaterial in der nächsten Umgebung seiner jetzigen Lagerstätte ausgeworfen worden ist. Wäre dasselbe aus weiterer Entfernung angeschweinmt worden, so hätten die bereits bestehenden Biinssteinablagerungen wieder zerstört weiden müssen, und wir würden den schwimmfähigeren Bimsstein, ob- gleich er älter als der Tuff ist, dennoch über demselben, niclit darunter finden.
Gustav Angelbis, das Alter der Wcstorwälder Bimssteine.
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Fasse ich meine Beobachtungen zusammen, so glaube ich zu folgenden Schlussfolgerungen berechtigt zu sein:
1) Der Bimsstein des Westerwaldes bildet ein Glied der Braunkohleuformation.
2) Derselbe liegt zwischen dem altern die Kohle uuter- lagerndeu und dem jüngeren sie überlagernden Basalte.
3) Die Tuffe sind jünger als der Bimsstein, da sie auf dem- selben liegen.
4) Die Ausbruchstelle der Tuffe ist da zu suchen, wo sie abgelagert 'sind.
Uel)er die Entstelmiiff
ö
des A^euwieder Beckens.
^ ou Herrn Gustav Angelbis in Bonn.
In dem vorigen Aufsatze: Heber das Alter der Westerwälder iinssteiue, habe ich auf die Schwierigkeit hingewiesen, die sich einer scharfen Trennung der Westerwälder und Laacher Bims- steine dadurch entgegenstellt, dass zwischen beiden vulkanischen Gebieten das Eheinthal liegt, dessen Bimssteine unzweifelhaft dem Alluvium zuzurechnen sind. Die ausgedehnten Bimssteinablage- rungen des Coblenz-Neuwieder Beckens haben aber eine so vor- zügliche Schichtung aufzuweisen, dass sie bei der ausserordentlich grossen Transportfähigkeit des Materials unmöglich unter gleichen oder ähnlichen Verhältnissen entstanden sein können, wie wir sie heut zu Tage im Rheinthale beobachten.
Die Frage, wie die mächtigen Ablagerungen zu Stande ge- kommen, scheint mir in engstem Zusammenhänge mit der nach der Entstehung der grossen, als Neuwied er Becken bezeichneten Erweiterung des Bheinthales zu stehen. Zur Lösung derselben möchte ich im Folgenden einen Versuch machen.
In der »Geognostischen Beschreibung des Laacher See’s und seiner vulkanischen Umgebung« giebt Herr v. Dechen i) uns eine vollständiu-e Uebersicht über die im Neiiwieder Becken vorhandenen Tertiärbildungen. Gerade zur Zeit, wo das sich auf langjährige
b Herr v. Deciikn: Geognostische Beschreibung des Laacher Sec’s und seiner vulkanisclien Umgelmng. Verhandl. d. naturliist. Vereins f. Rlieinl. u. Westph. Jahro-, 1863 S. 249 ff. Audi als liesonderes Werk ersdiienen unter dem litel: »Geognostischer Führer zum Laacher See«. J3onii 1864.
Gustav Angei,bis, übei, die Entstellung des Neuwieder Beckens. ] ]
Beobachtungen stützende Werk erschien, waren die Aufschlüsse uu dortigen Braunkohlengebirge besonders günstig, indem zum Zwecke der Kohlengewinnung an vielen Punkten Bohrversuche angestellt wurden. Die hierbei erhaltenen wissenschaftlich wich- tigen Resultate werden von Herrn v. Dechen im Zusammenhang mit den Lagerungsverhältnissen der vulkanischen Bildungen aus- führlich mitgetheilt.
Indem am Schlüsse der trefflichen Darstellung alle Beob- achtungen nochmals zusammengefasst werden, um die sich aus denselben ergebenden Schlüsse hervorzuheben, spricht sich der Verfasser in bestimmtester Weise dahin aus, dass das Neuwieder Becken bereits zur Tertiärzeit existirt haben müsse. Hierüber können die von ihm beigebrachten Gründe auch nicht den ge- ringsten Zweifel übrig lassen. Die Schichten der Braunkohlen- formation treten nicht nur auf den Rändern des Beckens an den Abhängen zu Tage, sondern sie sind sogar in der Sohle des Rheiu- thales, z. B. am Wege von V^eissenthurm nach Kettig nächge- wdesen. An letzterem Punkte ergab sich beim Abteufen eines
|
Versuchsschachtes folgendes ProfiD): Dammerde |
1,25 Meter |
|
Bimsstein |
5,02 » |
|
Thon |
4,55 » |
|
Braunkohle |
0,47 » |
|
Thon |
13,18 * |
|
Blätterkohle |
0,63 » |
|
Thon |
oo |
|
Braunkohle |
1,88 » |
|
33,26 Meter. |
ln einer Teufe von 33,26 Meter wurden die Arbeiten wegen eindringender Wasser eingestellt.
Der Nullpunkt des Neuwieder Pegels wird auf 52,49 Meter u d M. anoreffeben. Die Hängebank des \ ersuchsschachtes mag
O O ^
1) Obiges Profil ist mitgetheilt auf der »Geognostisch- Orograpliischcn Karte, der Umgebung des Laacher See’s von C. v. Oeynuauskn. Berlin 1847«.
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Gustav Anqelbis, über
die Entstehung des Neuwieder Beckens.
""T- T“''®. ’“S'" *)• Hi™'« folgt, dass
I , t 'arsciiciteu m emem bedeutend tieferen Niveau auftreten als dasjentge ist, in den, der Rheinspiegel liegt.
- t Ivücksiclit darauf, dass sich die Tertiärbildungen, be- sonders m östlicher Richtung nach den, Westerwalde hin, au an- sehnlichen Ilohen erheben, wirft Herr v. Dechen die Frage auf ob die Ablagerung der Braunkohlenformatiou in einem holleren und gleichmässigeren Niveau stattgefunden habe und etwa später benkimgen derselben erfolgt seien. Die Entscheidung hierüber übeilässt er jedoch späteren Untersuchungen.
Die hier angeregte Frage kann nach meiner Ansicht nur durch eine Vergleichung der tief im Rheinthal beobachteten Schichten mit denen auf den benachbarten Höhen beantwortet werden. Bei einer solchen Vergleichung stellt sich heraus, dass wir vom Hohen V' esterwalde nach dem Rheine hin mindestens drei
grosse ursprünglich ganz getrennte T ertiärb e cken zu unterscheiden haben. Das östlichste derselben , wegen seines Reichthums an abbauwürdigen Kohlenflötzen in technischer Be- ziehung das wichtigste, umfasst den Hohen Westerwald. In den hier zur Ablagerung gelangten Schichten finden sich neben der eigent- lichen Braunkohle bituminöse Thone, Basaltconglomerate , Tuffe und Bimssteine. Letztere sind ausschliesslich durch den Wind in den Bereich des Beckens gelangt, weshalb wir hier auch natur- gemäss nur feinkörnige Sande finden, aber keine grösseren Brocken. Letztere hören an der Ostgrenze des zweiten Beckens ganz plötz- lich auf. Dieser Umstand spricht sicherlich für eine ehemalige vollständige Trennung des östlichsten Beckens von dem ihm be- nachbarten, westlicher gelegenen. Das Braunkohleubecken des Ilohen Westerwaldes hat keine Quarzite, Quarzsaude und Gerolle aufzuweisen, während diese Bildungen in dem zweiten Becken eine wichtige Rolle spielen, dafür aber die Braunkohle nur spärlich
vorhanden ist.
1) Diese Angabe beruht auf blosser Schatzung, Höhenbestimmungen benacliljarter Punkte stutzt un cler Wahrheit abweichen dürfte.
die sicli aber auf vorhandene d deshalb nicht allzusehr von
e»sT„ abor die E,.bt.lu,ng des Neuwied» Beekeus.
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Da. clntte grosse Tertiärbecken endlich „mfasst die in, jeteigen Neuweder Rhe.nbecken auflretenden Glieder der Braunkohlen- ormation. Hier fehlen die tertiären Quarzsande und Gerolle voll- ständig. Die Buiissteme des Beckens geboren nicht zum Tertiär, wie dies für die Ablagerungen derselben in den beiden östlichen
ecken gilt, sondern vielmehr zu den Alluvialbildungen des Rhein- tnales.
Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse müssen wir wohl an- nehmeu, dass die Tertiärbildungen des Neuwieder Beckens in ihrem jetzigen Niveau abgelagert worden sind. Was die Ent- stehung des alten Tertiärbeckens anbelangt, so ist diese nicht auf Erosion, sondern vielmehr auf eine Senkung der Devon- schichteu zurückzuführen, die aber vor Ablagerung des Tertiärs erfolgt ist. Die Gründe, welche für eine derartige Senkung sprechen, ergeben sich aus dem Fehlen von tertiären Quarz- geschieben, wie ich noch weiter ausführen werde.
Untersuchen wir nun, wie aus dem alten mit Tertiärschichten gefüllten Becken das heutige Alluvialbeckeu entstanden ist. Durch die blosse Erosion des von S. nach N. fliessenden Rhein- stromes kann die sehr eigenthümlich begrenzte Thalerweiterung nicht geschaffen worden sein. Die tertiären Thone sind für die Erosion durch Überfliessendes Wasser keineswegs besonders günstig. Auch fallen die das Becken auf der rechten Rheinseite zwischen
Bendorf und Fahr einschliessendeu Höhen viel zu steil ab, als dass wir aunehineu dürften, diese Abhänge hätten etwa die Be- grenzung des alten Tertiärbeckens gebildet. Die Grenzen des letzteren reichen vielmehr etwas weiter nach 0. hin, wie sich dies aus der im Allgemeinen nicht zu verkennenden Uebereinstimmung der im Rheinthale abgelagerten Tertiärschichten mit denen auf der höheren Terrasse des rechten Rheinufers ergiebt. Dass aber der alte Rheiulauf ziemlich genau auf der östlichen Grenze des Tertiär- beckeus lag, da hier die Erosion weniger Widerstand fand als in den festeren Schichten des Unterdevon, lässt sich mit Sicherheit aus der Verbreitung der hochliegenden Flussgerölle folgern. Die- selben bieten den einzigen, jedoch zuverlässigen Anhaltspunkt für die Bestimmung der ehemaligen Stromrichtung.
1 4: Ctust.w Angei.bis, über die Entstelunig des Neuwieder Beckens.
Im Allgemeinen hat die Unterscheidung der echt tertiären Quaizgeiölle von den hochliegeudeii Flnssgesclhebeu keine be- sondeien Schwierigkeiten, doch kann in einzelnen Fällen die Ent- scheidung unsicher werden. Die Quarzgei’ölle sind, wie dies be- reits von Oeynhaüsek ansgeführt, als die Reste der Quarzgänge und Adern anfzufassen , welche in den durch den Einfluss des assers zerstörten Devouschichten aufsetzteu. Die zersetzten Schichten lieferten das Material für die Thouabla gerungen. In den unzweifelhaft zum Tertiär gehörenden Geröllen finden wir nur Qnarzgeschiebe, meist von weisser Farbe, sowie sonstige im Devon gaugartig vorkonnnende Bildungen, auch wohl Stücke aus den festen quarzitischen Bänken, aber keine der Zersetzung etwa entgangene Fragmente von eigentlichem Thonschiefer i). Ebenso- wenig kommen fremdartige dm’ch das AVasser aus weiterer Ferne herbeigeführte Gesteine vor. Letztere sind aber für die Fluss- geschiebe recht charakteristisch. In den Rheingeröllen sind Granit, Porphyr, Melaphyr, Basalt, Trachyt, sowie Laven sehr häufig. A on ireschicliteten Gesteinen sind besonders Muschelkalk und bunter Sandstein zu erwähnen ^). Flerr v. Dechen '^) führt bereits
1) Stücke von unzersetztem Thonschiefer treten dagegen massenhaft in dem Diluvialschotter auf. Hier finden sich auch zalilreiche weisse Quarzgeschiebe, welche den tertiären Geröllablagerungen entstammen. Der Diluvialschotter ist in unserem Gebiete eine scharf ausgeprägte Bildung, welche als Liegendes des Diluviallehms auftritt. Eine Verwechselung des Schotters mit ■ den alten Ge-
schieben dürfte kaum möglich sein. „ . , t. i
Herr H. Ghebk (Heber das Ober-Rothliegende, die Trias, das Tertiär und
Diluvium in der Trier’schen Gegend. Diese Zeitschr. 1881, S. 479) ist durch fortgesetzte Untersuchungen zu der Ansicht gelangt, dass zahlreiche Gerolhdilage- run°en in der Gegend von Trier, die er früher für Diluvial gelia Iten, dom Terüai ® , /wischen den Tertiärgerollen und klussgcsclncbeii constatiit
Unterschiede! die ich oben angegeben habe. Wenn ^ ^ U Pin amriebt dass die im Diluvium auftretenden abgerundeten
C.. al.er f “ »'tlrmmen >,ncl von don l,öhovc„ Pl.toan’s l.orah-
vveissen .iuai/.o om jtwaa zu weit zu golion. Boi dor
gezep-emmt * , p„„„,cUcl,ten worden in dor lioroito angodoutoton
fortdauernden Zeistor g ^ entstehen, weshalb wir die derartigen
Weise noch fortwahiend i - u nb cd i n gt auf die Tertiäral.lage-
Hilclungen im Diluvium und Alluvium nie rungen zurückzuführen brauchen.
3) Führer ins Sieberigebirgc. I8bl.
Gustav A.ngklb.s, über die Entstehung des Neuwioder Beckens. 15
an, dass in den Kiesgruben an der Chaussee von Bonn nach Godesberg, gerade Friesdorf gegenüber, eine Anzahl von Muscheln gefunden wurde, in denen F. Römer Cerithium margaritaceum Brong. , Ceritliiuin cinctuni ham. var. plicata Goldf. , Cyvene suharata Bronn, Pectunculus crassus Phil, erkannte. Dieselben stammen offenbar aus dem Mainzer Becken her. Vor einigen Jahren machte der verstorbene Major v. Röhl mich auf das massenhafte Vorkommen von Cerithium margaritaceum in den Kies- gridien bei Rheinbreitbach aufmerksam. Dr. Krantz i) zählt eine ganze Reihe von Muschelkalk -Versteinerungen auf, die er in den Kiesgruben bei Godesberg gefunden. Das immerhin nur auf wenige Punkte beschränkte Vorkommen dieser Fossilien lässt sich wohl am besten durch die Annahme erklären, dass dieselben aus grösseren Gesteinsblöcken herrühren, welche durch die Fluthen des Rheines abwärts geführt wurden und daun erst an den jetzigen Fundpunkten oder doch in deren nächster Nähe zerfallen sind.
Die Granitgeschiebe sind nicht besonders häufig. Die Samm- lung des Naturhistorischen Vereins besitzt etwa ein Dutzend der- selben. Eines stammt von der Höhe, auf der die Feste Ehreu- breitsteiu liegt. Krantz glaubt bei Besprechung der im Rhein- alluvium aufgefundenen Vluschelkalk -Versteinerungen, deren Ur- sprung schon deshalb im Moselgebiet suchen zu müssen, weil sie unmöglich das Mainzer Becken hätten passiren können. Gerade die Grauitp-eschiebe beweisen aber, dass diese Annahme irrig ist. Dieselben mussten, um au ihre jetzigen Fundpuukte zu gelangen, unbedingt den V^eg dui’ch das Mainzer Becken nehmen.
Die tertiären Quarzgerölle und die mit ihnen im engsten Zusammenhänge stehenden Quarzsande bilden oft Einlagerungen in dem plastischen Thone, wie dies sehr schön in dem Eisenbahu- eiusehnitt an der Chaussee von Aloutabaur nach Boden zu sehen ist. Der Umstand, dass die Gerölle niemals unter der Braun- kohle liegen, scheint mir sehr dafür zu sprechen, dass die Braun- kohleubecken nicht durch Erosion, sondern durch Senkungen gebildet sind. Speciell für das Neuwieder Becken ergiebt sich das
b Verhandl. d. iiaturliist. Vereins f. Klieinl.-Westph. 1859. S. IGO.
Nämliche aus dem Fehlen rl^v +« +••• /a
selben, wie wohl anzin el Wenn <]ie-
erst später bei der Entsteh“’ "F™“«'.'®'’ ™''>'“6en waren und
geführt worden sind !o “ .^"“"‘‘^'’^kens weg-
1 11 ? SO müssen sie auch hier über der Knhlp
*'*Die Te“’ f?“ geblieben sind.
Dre Terramverhältnisse geben in vielen Fällen keineswegs
e.nen s.cheren Anhalt, ob wir es .„it einer tertiären GerüllabrS rnng oder nnt hochliegenden Flnssgeschieben zu thun haben t„- dem es unzweifelhaft ist, dass unser jetziges Wassersystem ’ sich vie ach eng an die alten Tertiärbecken anschliesst. Den Zusammen- ang zwischen der zur Tertiärzeit vorhandenen Oberflächeiigestaltiinv lind der heutigen genauer zu eruiren, dürfte eine interessante Auft gabe^ sein, zu deren Behandlung freilich zahlreiche geologische Ldetailbcobachtungen nöthig wären.
AVeim wir uuu die Verbreitung der nach ihrer petrogra- phischen Beschaffenheit und den Lagerungsverhältnissen als Fluss- gerölle aufzufassenden Geschiebe nach Osten hin berücksichtigen, so ergiebt sich, dass der Rhein ehemals von der Stelle des heutigen Braubach an in nördlicher Richtung floss, etwa über das jetzige Niederberg. Südlich von Stromberg wandte er sich nach Nord- osten und ging nun in einer dem heutigen Strombette parallelen Richtung bis oberhalb des Siebengebirges. Von dem Punkte an, wo die Erweiterung des Rheinthaies beginnt, in der Honnef liegt, stimmt der frühere östliche Thalabhang mit dem jetzigen überein. L’^eber Rheinbreitbach, an der Grube Virneberg, sind die hoch- liegenden Flussgeschiebe besonders zahlreich verbreitet. Von hier an ziehen sie sich zwischen Itheinbreitbach und Menzenberg ab- wärts in das Rheinthal. Im Siebengebirge sowohl, als auch auf dem sich an dasselbe irn Norden anschliessenden Rücken fehlen die Flussgerölle vollständig. Arn südlichen Fusse des Drachenfels, wo das kleine ins Rheinthal führende Thälchen beginnt, hat Herr V. I)p:CIIEN eine jetzt nicht mehr sichtbare Geröllablagerung beob- achtet. Es bleibt zweifelhaft, ob diese Gerolle dem Tertiär ange- hören oder ob es Flussgeschiebe sind, ln ersterem Falle könnten sie als Iteste der das Ilonnefer Becken ehemals ausfiillenden Tertiärschichten gelten. Für die hier in Frage stehenden Ver-
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Gustav
Angelbis, über die
Entstellung des Ncuwioder Beckens.
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luUtnisse hat aber die Entscheiduno
darüber, ob tertiär oder
j-i • 1 1 • -r^ T ^fiuuei, oD tertiär ode
d,luv.al gar keme Bedeutung. I„ j,dem Palle hat das Trachjd- massiv des Draclieiifelses von jeher die östliebp tio i
Kheiiithales gebildet. " Begrenzung des
Verfolgt man die von Ems auf die Coblenz - Montabaurer Strasse führende Chaussee, so beobachtet man, dass die Fhiss- gerolle etwa bis zu dem Punkte hinaufreichen, wo die Strasse die grosse Serpentine macht. Diese Grenze der Elussgeschiehe entnehme ich einer mir von dem Verstorbenen Carl Kocn freund- hchst zur Verfügung gestellten geologischen Manuscriptkarte der Umgebung von Ems. Von Oeynhausen, welcher zuerst scharf zwischen hochliegenden Flussgeröllen und tertiären Quarzgeschieben unterschied, hat auf seiner bereits erwähnten Karte einen Theil dieser bei Ems auftretenden Geschiebe als Tertiärbildungen auf- gefasst, doch widerspricht dem die petrographische Beschaffenheit derselben.
Die in Kede stehenden Geschiebe sind unzweifelhaft Lahn- gerölle. Die Lahn floss in der durch das Vorkommen derselben
hinreichend angedeuteten Höhe von dem durch das heutige Ems bezeichueten Punkte in nordwestlicher Richtung und erreichte den Rhein etwa zwischen der Feste Ehrenbreitstein und Arenbero-.
O
Welche Umstände die Lahn veranlassten, ihre Einmündung in den Rhein weiter nach Süden zu verlegen, wird sich aus dem Folgenden ergeben.
Betrachten wir zunächst, unter welchen Verhältnissen die Mosel das Rheinthal erreicht.
Auf dem rechten Moselufer halten die Unterdevon -Schichten ununterbrochen bis Coblenz an, während sich auf dem linken zwei bedeutende Lücken finden. Die erste, etwa 1800 Meter breit, lient zwischen Aloselweis und dem Punkte, wo sich die Strasse
O
nach Bubenheini von der Coblenz -Mayener Chaussee trennt, die zweite, circa 500 Meter breit, zwischen dieser Stelle und der an der Coblenz - Andernacher Chaussee auftreteiiden Devoiipartie. Beide Oeffnuugen führen direkt in das Neuwieder Rheinbecken oder, besser ausgedrückt, in das alte Tertiärbecken. Um also da- hin zu gelangen, brauchte die Mosel ihre zwischen den Dörfern
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Jahrbuch 1882.
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Gustav ANoicuufs,
Uber (l,e Ent^^tolrnng des Nomviedor Beckens.
} und Mosel’\^p]^ genau nach Norden gehende Richtung nicht ; -e fand bio. iu den wenig wideeetandsfibigen
S II ‘’«“kbar einfachsten Weg naci, dem Eheine.
Yf je zigen Terrainverhältnisse lassen vermuthen, dass ein
X oseaim m ^ erhältmssmässig naher Zeit noch in dieser Richtuno- nach dem Rheine floss. Da, wo jetzt die Mosel mündet, war der ^ngang zum Rheine durch eine aus unterdevonischen Schichten ge bildete Barriere versperrt, denn die zu beiden Seiten der heutigen Moselmundimg vorhandenen Devonpartien hingen damals offenbar zusammen. Dieser Damm wurde erst spät durchbrochen. Dass die Erosion der festen Devonschichten bei Coblenz, zu deren Passirung die Mosel jetzt ihre vorher nördliche Richtung in eine östliche verwandelt, verhältnissmässig früh erfolgt sein sollte, ist nicht anzuuehmen, da ja den Moselwassern der Weg nach Norden hin off’en stand. Der Durchbruch bei Coblenz erfolgte erst später durch die gemeinschaftlich wirkende Erosion der Mosel und des
Rheines.
Die Zerstörung der im Neuwieder Braunkohlenbecken ab- gelagerten Bildungen und die damit im engsten Zusammenhänge stehende Schaffung des jetzigen Rheinbeckens, das aber in der Form nicht mit dem alten Tertiärbecken übereinstimmt, ist auf die ehemals mehr nach Norden gelegene Moselmündung zurück- zufüliren.
Um dies zu beweisen, seien hier zunächst die Verhältnisse erörtert., durch welche die Krümmungen des Rheinthaies, soweit dasselbe im Rheinischen Schiefergebirge liegt, hervorgerufen werden.
In vielen Fällen wird die Richtung des Stromes xmd damit also die Thalbildung durch im Wege liegende festere Gesteine bedino-t iind zwar ganz besonders durch die der Erosion weniger zugänglichen Gesteine. Beispiele hierfür bieten die Basaltpuidcte zwischen Linz und Erpel, welche eine ziemlich bedeutende Ab- weichung in der bis dahin nordnordwestlichen Richtung verur- sachen. Auch bei der Unkel gegenüber auf der linken Rheinseite gelegmien Basaltpartie ist ein Einfluss auf die Richtung des Thaies licht zu verkennen. Besonders schfin lässt sich das Ausweichen des Rheines am Kusse des Drachenfelses beobachten. Die basal-
Gustav Angki.bis,
über die Entstehung des Neuwioder Beckens.
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risch™ AM, änge bei Oh«-cassel be,h„ge„ ebenfalls eine A™,lern,w in der Ixiclitung des Rlieinthales.
Selbstverständlich haben aber auch die festen vulkanischen Gesteine einer weitgehenden Zerstörung durch das Wasser nicht entgehen können. Der Trachyt des Dracheiifelses z. B. scheint noch in der Sohle des Rheines anzustehen. Von dem Unkel gegenüber hegenden Basalt ist das unzweifelhaft. Der au den Abhängen zwischen Römlinghoven und Küdinghoven liervortreteude Balalt setzt bis ins Rheiuthal nieder. Es kann auffallend erscheinen, dass eine so grosse Anzahl von Basaltpunkten den Rhein von Linz bis Bonn begleiten. Vielleicht ist dies dadurch zu erklären, dass die Thalbildung vielfach durch in den Devouschichten prä- existirende Spalten vorgezeichnet war, und dass auch die Aus-
brüche vulkanischer Gesteine vorzugsweise auf solchen Spalten erfolgten. Bei den in nächster Nähe des Rheines liegenden Basalt- kuppen lässt sich allerdings eine gewisse Regelmässigkeit in Bezug auf die Lage nur dann coustatireu, wenn wir dieselben gleichsam als ein Ganzes, als Produkt eines einzigen, wenn auch lauge dauernden Ausbruches auffasseu wollen. In diesem Falle erhalten wir ein in der Richtung des Rheinthaies von Südosteu nach Nord-
westen ziehendes, schmales vulkanisches Terrain, welches vom Strome selbst durchsetzt wird.
In der weiteren Umgebung des Rheines habe ich inelu’fach gefunden, dass die Basalt- und Trachytkuppen in dui’chaus regel- mässige Züge augeordnet sind, deren Richtung nicht selten mit dem Streichen der Devouschichten übereiustimmt. Als vorzüg- liches Beispiel eines derartigen gesetzmässigeu Auftretens vul- kanischer Gesteine können die zahlreichen Basaltkuppeu am nord- westlichen Abfalle des Westerwaldes dienen. Dieselben ordnen sich in 14 genau parallele Züge, welche dem Streichen der Devon- schichteu entsprechen. Die Länge der einzelnen Züge schwankt von 20,3 — 5,2 Kilometer. Die Anzahl der zu den Zügen ge- hörenden Basaltkuppen beträgt 2-9. Südlich von den in der letzten Reihe liegenden Basaltdurchbrüchen verschwindet das Uuter- devou unter dem ein mehr zusammeuhäugeudes Basaltmassiv bildenden Plateau des Hohen Westerwaldes.
2
20
Gusta
Angkuus, über die Enfstohm
mg des Neuwioder Beckens.
Sl;’“,' «-'‘»-'-«che., ...
Spalte uachweiseu wel l" einer präexistirenden
Der Saynbach i Thalrichtnng vorseh,. leb.
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l'rx'i T-> feöiueni Thale setzt eine o’rii7p
ErlX 'T 2“*“'*' Trachytknppcn auf, welche dnrch die
E.os.on des Baches .„ 2 Hälften getheilt worden sind. Die .enan uae , dem Streichen des Devons orientirten vulkanischen Gesteine bmc gewiss auf einer Spalte hervorgekoinmen und der Umstand cass sie mellt vom Bache umgangen, sondern durchbrochen werden, lässt wohl darauf schli essen, dass hier dem Wasser dnrch die vorhandene Spalte der Weg mehr oder weniger vorge- zeichuet war.
Ein weiterer, die Bichtung des Rheinstronies bedingender P'aktor ist in den Eiumüudiiiigen der Nebenflüsse Zusehen.
Der von den Wassern des Nebenflusses an der Einmiindnngs- stelle auf den Hauptfluss ausgeübte seitliche Druck ist hinreichend, um letztei eil zu eiiiein Ausweichen nach der entgegengesetzten Seite zu zwingen, vorausgesetzt, dass die Thalbilduiig des Neben- flusses hinter der des Hauptstromes nicht allzu sehr zurückgeblieben ist, was besonders dann der Fall sein wird, wenn Haupt- und Nebeiithäler von sehr verschiedenem Alter sind. In vielen Fällen dürften wir sogar in der Grösse der von den einmündenden Neben- flüssen auf die Richtung des Hauptflusses geäusserten Wirkung einen Anhaltspunkt zur Beurtheiluiig des Altersverhältnisses zwischen Haupt- und Nebenthälern sehen.
Die Grösse des Druckes, welchen der einmündende Neben- fluss auf den Ilauptstroin äussert, hängt zunächst von dem Gefälle und der Wassermeiige ab. Von Bedeutung ist aber dabei auch die Grösse des Winkels, unter welchem der Ilauptstroin erreicht wird. Der von dem Nebenflüsse ausgeübte seitliche Druck muss am grössten sein, wenn die Richtiing des Nebenflusses zu der des Hauptflusses senkrecht steht. Die durch den seitlichen Druck erzielte Wirkung ist von der grösseren oder geringeren Wider- standsfähigkeit der der Eininündimg des Nebenflusses gegenüber liegenden Gesteine bedingt.
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Gustav Axgel.us, über die Entstehung des Neuwioder Beckens.
Indem durch den seitwärts gedrängten Strom die im Wege liegenden Gesteine gleichsam unterminirt werden, wird die Erosion hiei durch den Einsturz der untergrahenen Massen sehr schnell von Statten gehen. Bei geschichteten Gesteinen müssen steile AV^ände entstehen, besonders dann, wenn die Schichten nicht horizontal liegen, sondern ein steiles Einfällen haben. Es ist klar, dass auf der Seite, nach welcher hin der Strom zurückgedräugt wird, also auf der Ausseuseite des von demselben beschriebenen Bogens stets das höhere Ufer sein wird i).
So lauge die Thalbildung noch wenig entwickelt ist, kann ein wasserreicher Nebenfluss, der aus irgend einer Ursache seine Mündung verlegt, einen schwächeren Nebenfluss zum Aufgebeu der bisherigen Alünduug und zur Erodirung einer neuen Thalrinue zwingen. Wenn die Wasser des unbedeutenderen Nebenflusses durch die ihnen entgegenkommenden Finthen des grösseren an einer schnellen Vereinigung mit dem Ilauptstrome verhindert werden, so wird die Erosiousfähigkeit derselben dadurch erhöht und es wird sich leicht ein für die Einmündung in den Hauptstrom 2'ünstip'erer Thaleinschnitt bilden. Am ehesten wird das daun geschehen, wenn der grössere Nebenfluss unter einem rechten Winkel, der gegenüber mündende kleinere aber unter einem spitzen Winkel den Ilauptstrom erreicht.
Die hier entwickelte Ansicht scheint mir die im Rheinthale beobachteten Verhältnisse in durchaus einfacher AVeise zu erkldien.
■Das Bett des Rheines vertiefte sich durch die fortschreitende Erosion mehr und mehr. An manchen Punkten lassen sich als Zeugen dieser langsamen Vertiefung eine Anzahl wohl erhaltener Terrassen erkennen, die mit Flussgeröllen bedeckt sind; besonders ausgeprägt siud dieselben z. B. bei Höningen.
Die "östliche Begrenzung des jetzigen Neuwieder Alluvial- beckens zwisclieii Bendorf und Fahr entspricht einer ehem.al.geu
.) Ich «Ul hier nm- die Wirkcng eine. e«f der gegenüberliegende» SÄ 1 1 jct ans iro'end wgIcIigh GiügcIgh (otwa.
ünclenden Nebenflusses eivoi le ' einmal eine Stromcurve entstanden,
irch besonders leicht zu erodirendes Geste n)
tun wird bekanntlich das convexe Ufer m .ledem F Ile starker erodnt, ino dass auf der anderen Seite ein Nebenfluss niun e .
Kheinkrümiiumor, wpIoIip j- i
gelegene Mosehnündnng bedlt ^r G G r ft des Rheines finden wir sn de M , ^ Ansb.eg„„ge„
Laim und Ahr TV m i der viel mibedeutendereii
PI . • I le Lahe ubt kemeu Einfluss auf den Lauf des
nstromes aus, da ihr Unterlauf ganz die Lichtung desselben hat und nicht etwa mit diesem einen Winkel bildet^)" Dass an den vom Rheiustrmu beschriebenen Bogen auf der convexen Seite stets das höhere Ufer hegt, lässt sich leicht zeigen 2).
h asst mau die den Mündungen der Nebenflüsse gegenüber liegenden Abhänge ins Auge, so findet man, dass sie sich durch besondere Steilheit auszeichnen. Der Lauf der Lahn, Mosel und Ahi geht senkrecht auf die der Einmündung in den Rhein gegeiu über liegenden Felswände. Diese steilen Abfälle sind aber eben hervorgerufen durch den aus seiner Richtung gedrängten Haupt- strom. M o das der Einmündung der Nebenflüsse gegenüber liegende Gestein nicht fest ist, wo etwa nur lockere Schichten vorhanden sind, da wird nothwendiger Weise durch den hier besonders stark bei Seite gedrängten Hauptstrom eine Thalerw^eiterung, ein Becken entstehen müssen.
Bereits oben habe ich erwähnt, dass die Lahn, wie sich aus der Verbreitung ihrer Gerolle ergiebt, ursprünglich erst weiter nach Norden hin den Rhein erreicht habe. Nachdem die aus Devouschichteu gebildete Barriere bei Coblenz durch die von
zwei
b Wahrscheinlich hat die Nahe erst in verhältnissmässig neuer Zeit die Devonschichten bei Bingen durchbrochen. Früher wird sie wohl ihren Weg durch die leicht zerstörbaren Tertiärschichten des Mainzer Beckens genommen und den Khein wenig unterhalb Mainz erreicht haben. Die Entstehung des jetzigen Mainzer Rheinbeckens ist wohl ebenfalls auf die Erosionsthätigkeit von Nahe und Main zurückzuführen. Die Wirkung jedes der beiden Flüsse im Einzelnen zu verfolgen, dürfte nur auf Grund von genauen Detailuntersuchungen möglich sein. Ein schmaler Streifen des Gebietes ist bereits durch Ca.u. Koch in sorgfältigster Weise geologisch kartirt worden.
2) Bei Anlage der alten Städte und Ortschaften sind diese Verhältnisse wohl berücksichtigt worden. Das erst in, vorigen Jahrhundert entstandene Neuwied liegt auf der concaven Seite eines vom Rheine beschriebenen Bogens dicht am Ufer Bei dem vor wenigen Wochen eingetretenen Hochwasser hat es am meisten zu leiden gehabt, während das gegenüberliegondo Weissenthurm fast ganz ver- schont blieb.
Gustav Anqklbis, über die Entstehung des Neuwieder Beckens, 23
Seiten her wirkende Erosion durchbrochen war, entstand die heutige Moselmündung, jedoch nahm ein Theil der Moselwasser noch den alten Weg nach dem Rheinei). Die Lahn fand nun bei ihrem Einfluss in den Rhein einen gewissen Widerstand, der sie zur allmählichen Verlegung ihrer Einmündung nach Süden hin ver-
IVIan kann sogar sagen, dass die jetzige Moselmündung ein V^erk der Lahn ist. Die oben besprochene Barriere bei Coblenz wurde von der nach Norden hin vorbeifliessenden Mosel gewiss nur wenig erodirt; sie wurde vielmehr hauptsächlich durch die Einwirkung des von der Lahn nach Westen ge- drängten Rheinstromes zerstört.
Die hier mitgetheilten Beobachtungen stehen mit den sonstigen Erfahrungen durchaus nicht im Widerspruche. Wenn sich auch im Allgemeinen nicht in Abrede stellen lässt, dass Nebenflüsse eine durch die Wirkung des Hanptstromes bedingte Neigung haben müssen, ihre Einmündung stromabwärts zu verlegen, so kann es uns dennoch nicht befremden, bei der Lahn und Mosel das Gegentheil zu sehen. Hier liegen eben besondere geologische Verhältnisse vor i).
1) Um die Sache experimentell zu prüfen, habe ich mich folgender Methode bedient. A ist ein gleichmüssig mit Talg bestrichenes Brett; nur in der Mitte
anlasste.
a
befindet sich ein fettfreier Streifen. Das Brett bekommt eine Steigung von 5°. B ist ein Klötzchen, dessen schiefe Ebene dieselbe Steigung hat. Der Querschnitt dieses keil- förmigen Stückes ist natürlich ein Trapez, dessen Grundseite mit den anstossenden Seiten Winkel von u. 85“ bildet. Auch die schiefe Ebene des Keiles wird mit Fett bestrichen; ein fettfreier Streifen
erhält ^4 der Breite von
dem auf dem Brette Die Art der Zusammenstellung unff Lässt man nun mit der nöthigen Vorsicht bei u
24
Gustav Angelbis, über die Entstell
nng dos Neuwiedcr Beckens.
B ‘Müderen Strömen lassen sich leicht Beispiele dafür
Ilten, dass der Eininttndnngswinkel der Nebenflüsse für die \um ung c es auptstroines von grösster Bedeutung ist. Wir t Ul em c a lei a 3ei nicht solche Mündungsstellen von Nebenflüssen ms . uge assen, die etwa in ganz junger Zeit erst entstanden hin , soucern müssen vielmehr au der Hand geologischer That- sac leu festzustellen suchen, wo die alten ehemaligen Einmündungen lagen. Au diesen Punkten werden sich oft Ausbiegungen des Hauptstronies zeigen. Nachdem die Thalbildung des Haiiptstromes einmal bis zu einem gewissen Grade fortgeschritten ist, wird die etwa neu entstehende Einmündung eines Nebenflusses keine merk- bare M irkung auf die Richtung desselben auszuüben vermögen, ausgenommen etwa, wenn das der Einmündung gegenüber liegende Gestein von sehr geringer Widerstandsfähigkeit ist. Hier wird ■vielmehr besonders häufig eine \ erlegung der Mündungsstelle stromabwärts erfolgen. In dem Falle, wo ein verhältnissmässis: kleiner Nebenfluss ein Ausweichen des Hauptstronies hervorbringt, etwa wie die Ahr beim Rheine, da müssen wir annehmen, dass die Thalbildung beider zu ungefähr gleicher Zeit begonnen hat.
Nachdem ich im Vorstehenden den Versuch gemacht, die Frage nach der Entstehung des Neuwieder Beckens unter Berück- sichtigung aller geologischen Thatsachen zu lösen, glaube ich auch zu einer Einsicht in die Verhältnisse gelangt zu sein, unter denen die Bimssteina blagerungen desselben entstanden sind. Bereits im vorigen Jahrgange dieses Jahrbuches^) habe ich die Lagerungs- verhältnisse der Bimssteine des Rheinthaies erörtert. Die Mächtig- keit derselben ist eine sehr schwankende, wie das bei der grossen Transportfähigkeit , die eine fortwährende Verschleppung des IMateriales zur Folge hat, ganz natürlich ist. Als Liegendes des
mittels einer dicken Nadel einen Kanal freimacht, diesen aber dann mit feinem Sand ausfüllt, um dadurch besonders leicht zu erodirende Scliiclitcn anzudeutou, so wird bald ein Wasserarm stromaufwärts gehen. Logt man in die Mitte des mit Sand gefüllten Kanales zwei winzige Stückchen von Blcizuckcr und Jod- kalium, so nimmt das Auge leicht das Eindringen dos Wassers wahr. Bei längerer Dauer des Experimentes wird der Sand fortgofulirt.
1) Jahrg. 1881, S. 401.
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Gustav Anoei.b,s, über cbc Entstehung dos Ncuwiedor Berkens.
Bimssteins erscheint ein hranner ziemlich plastischer Thon, unter welchem Flnssgerölle und Sand liegen. Die Thonschicht ist etwa ],. Meter stark. Die ganz vorzügliche Schichtung sowie die Be- weglichkeit des Bimssteins sprechen durchaus gegen die Annahme einer Ablagerung in fliessendem Wasser. Die ungemein grosse Aehnhchkeit oder besser gesagt, die. vollständige Uebereinstimmiing zwischen den ganz jungen Schichten des Rheinthaies, die auf I liissgerölleii hegen, mit den Bimssteinniassen des Wester- waldes (deren Zugehörigkeit zum Tertiär uachgewiesen ist), deutet unbedingt auf eine ganz analoge Ahlagerungs w ei se hin. Wie die alten Bimssteiuschichten des Westerwaldes, so sind auch diejenigen der Neiiwieder Gegend in einem geschlossenen Becken entstanden. Diese Becken lagen neben dem Rheine und waien nui bei etwaigem Hochwasser in direkter Commiinication mit demselben. Um die Entstehung dieser Becken zu veran- schaulichen, mögen die umstehenden Profile dienen.
Indem sich das Bett des Rheines mehr und mehr vertiefte, mussten die unter dem Bimsstein auf Tertiärschichten liegenden Kies- und Sandlagen vollständig entwässert werden. Die Grenze, bis zu der diese Entwässerung nach Oben hin erfolgt, wird na- türlich durch die jedesmalige Höhe des Rheiuspiegels bestimmt. (Im Profil durch die gestrichelte Linie angedeutet.) Eine iiotli- wendige Folge davon war die Senkung der über dem Niveau des Grundwassers liegenden Schichten. Es bildeten sich dadurch heckenartige Vertiefungen, in welchen die von den umliegenden Höhen kommenden Tagewasser zwar zusammenliefen, sich aber anfangs noch nicht ansammeln konnten. Dieses wurde vielmehr erst möglich, nachdem die erwähnte wasserdichte Thonschicht, welche zwischen dem Bimsstein und den Flussgeröllen liegt, abge- lagert war ^). Von da an waren gefüllte Becken vorhanden, in
h Ich bezweifele, dass die ziemlich zahlreichen, als ehemalige »Rheinarme« gedeuteten Vertiefungen im Eheinthale, z. B. bei Bonn, wirklich alle diesen Namen verdienen, glaube vielmehr, dass diesell'en vielfach als Reste von alten ge s c h 1 0 s s c 11 0 n in oben angodeutoter Weise entstandenen Wasseibecken aufzu- fassen sind, deren Ursprung allerdings mit der Thalbildiing in engem Zusammen- hänge steht.
J
UnterdeTOD, h Tertiärschichten, c Rheingerölle und Sand, d Alluvialthon, e in den durch Senkung von b und c entstandenen Becken
abgelagerte Bimssteinschichten.
Querprofil' des Neuwieder Beckens nach Ablagerung des Bimssteins.
des Neuwieder Beckens.
27
Gustav Angelbis, über die Entstehung
denen sich der Bimsstein rnhig nbsetsen konnte. Die einzelnen Stucke desselben sinken, sobald sie vollständig vom Wasser durcli- trankt sind, nieder. Die abgelagerten Massen werden in dem ruhigen Wasser des Beckens nicht wieder gestört. Der Umstand dass die Bimssteinmassen des Rheinthales sich genau so darstellen, wie die tertiären des Westerwaldes, hat demnach gar nichts Be- fremdendes, da beide, obgleich ihre Ablagerungen im Alter so ver- schieden, doch in ganz analoger Weise gebildet worden sind.
Aus dem Gesagten ergiebt sich, dass die rechtsrheinischen Ablagerungen erst entstanden sein können, nachdem der Rhein so ziemlich sein jetziges Bett eingenommen hatte. Die Bil- dung der geschlossenen Becken, in welchen der Bimsstein sich abge- setzt hat, steht ja in engstem Zusammenhänge mit der Erosion der jetzigen Stromrinne. Bimssteine des Laacher See -Gebietes können jetzt nur dann auf der rechten Rheinseite liegen, wenn dieselben vorher durch den Wind nach dem Westerwalde trans- portirt und später mit den auf dem M esterwalde selbst ausgewor- fenen gemischt wieder ins Rheinthal geführt worden sind.
Der die geschlossenen Becken vom Rheine trennende Damm ist jetzt noch an manchen Stellen zu sehen, so z. B. in der Stadt Neuwied. Bei dem im November dieses Jahres eingetretenen Hochwasser machte er sich dadurch bemerkbar, dass viele nahe am Rhein liegende Häuser vom Wasser noch verschont waren, während weiter vom Ufer entfernte längst umspült wurden.
Selbstverständlich liegen in der Zone des heut zu Tage durch die Wirkiine: des aus den Ufern tretenden Rheines und anderer Einflüsse zerstörten Dammes keine Bimssteinmasse ^).
Nachdem die Bimssteinmassen abgelagert und die geschlossenen Becken vielleicht schon zerstört waren, vertiefte sich das Rhein- bett noch fortwährend. In gleichem Maasse musste aber auch die Entwässerung der im Liegenden des Bimssteins befindlichen Schich- ten vorwärts schreiten. Die Eolge hiervon war eine weitere Sen- kung, die natürlich keineswegs ganz gleichmässig sein konnte. Als
b Wir sehen dabei natürlich ab von der im Neuwieder Becken jetzt allent- halbcn vor), ».Klonen, wenige Centimeter mächtigen Bimssteinbedeckung und haben nur die geschichteten Ablagerungen im Auge.
28
G»SWV über die E„lstoh,„,g des Nemviedor Beckens.
Zengeu derselben sind die .„blveioben überans schönen „nd sich wctlnn erstreckenden Verwerfungen in den Bi.nssteinscl.tl autzufasseu. In rinn +o,e+;x
11 -in. „ teitiareu Ablagerungen des Westerwaldes
habe ich dieselben niemals beobachtet.
f 11 ^1^^ Ablagerungen sonst vielleicht etwas auf-
fallenden Dislokationen finden hierdurch eine, wie mir scheint ganz ungezwungene, alle Verhältnisse berücksichtigende Erklärung’ Es ist leicht einznsehen, dass die Folgen der durch den Ehern ^ ewirkteu Eutw-ässeniug sich um so bemerkbarer machen mussten, je mächtiger die über dem Niveau des Grundwassers liegenden Ablageruugeu w’-aren.
Am Fände des Neuwieder Beckens, dicht am Abhange des Gebirges mussten die stärksten Einseukungen stattfindeu und die hier zur Ablagerung gekommenen Sandschichten erlitten die be- deutendsten Störungen. Die durch ihren grossen Gehalt an Mahnet- eiseu ausgezeichneten Sande, welche bei Gladbach, Fominersdorf und Ileimbach, nordöstlich Neuwied, liegen, fallen mit etwa 40® nach SW. ein.
Zum Schluss sei hier nochmals betont, dass fortwährend Bimssteinmassen vom Westerwalde her ins Neuwieder Fheinbecken transportirt werden. Diese in der Jetztzeit entstehenden Ablage- rungen sind von den in geschlossenen Becken entstandenen scharf zu trennen und hier ganz ausser Betracht geblieben. Ein genaueres Studium derselben scheint mir deshalb von Interesse zu sein, weil sie au den Abhängen des Neuwieder Beckens nicht nur in Berüh- rung mit den alleijüugsten Bildungen, sondern auch mit Diluvial- schotter, Diluviallehm und Löss stehen, und sich aus diesem Zu- sammenvorkommen vielleicht Anhaltspunkte für die Entstehung des letzteren gewinnen lassen. Dass für den Fheiulöss, dei unbedingt im Zusammenhänge mit der Thalliildung steht, die für andere Gegenden aufgestellten Theorien keine Geltung haben, davon bin ich überzeugt. Leber meine hierhin gehörenden Beobachtungen hoffe ich später Mittheilung machen zu können.
Bonn, den 31. December 1882.
Die Zeclisteinformation Lei Selimalkalden.
Von Herrn H. Bücking in Kiel.
Wiederholte Begehungen der Gegend von Asbach bei Schmal- kalden haben mir endlich Klarheit in die Eutwickluuo- des dortis:en Zechsteins gebracht. Die Zechsteinformation ist in der nächsten Nähe von Asbach nicht so vollständig ausgebildet, wie in der Gegend von Gumpelstadt und Schweina; namentlich aber fehlen auch gute Profile, wenngleich Aufschlüsse in den einzelnen Schichten an räumlich von einander entfernten Stellen, die mau seither wegen der vielen Störungen, welche das Gebiet durchziehen, nicht ohne Weiteres mit einander in Verbindung bringen durfte, nicht selten sind. Während im Ebertsgrunde, dem Thale, welches von der alten Kobaltwäsche aus in südöstlicher Eichtung, also nach Steiu- bach-Hallenberg hin, seinen Verlauf nimmt, und auch am Hoherod, unmittelbar oberhalb der Kobaltwäsche nach Süden hin, Schichten der unteren Zechsteiuformatiou, insbesondere Zechsteincouglomerat und Kupferschiefer, vorhanden sind, fehlen diese in der nächsten Umgebung Asbach’s oder sind durch viel weniger mächtige und im petrographischen Aussehen ganz abweichende Schichten ersetzt.
Im Ebertsgrunde kann man etwa folgende Schichtenfolge feststellen: Ueher dem Rothliegenden lagert, anscheinend concordant, das Zechsteincouglomerat, nicht viel mächtiger als 1 Meter; darüber folgt der Kupferscbiefer, nur ganz schwach entwickelt, und als Vertreter des Zechsteins wenig mächtige, dünnplattige, graue und gelbe Dolomite, auf welche sich — die Grenze selbst ist nicht gerade deutlich aufgeschlossen — ein ziemlich mächtiges Schichten- system von grosszeiliger Rauchwacke legt. Letztere, die frei von Petrefacten zu sein scheint, dürfte jedenfalls die mittlere Zech- steinformatiou darstelleu.
,.ge. <!«■ Lag. der .i.eelne. Orteeh.rften die der folgeed.n Arbeit aiigehiiiigte Tafel I.
30
n. Bücicixg,
clie Zechstein Formation be Schmalkalden
tritt "'‘f ist der Kiftdolomit. Er
Utens e.ns be, Glucksbmnn, im.«erhi„ aber bildet er schon riemlieb ansebuhche, steile lU.ppeu auf der Höbe des Hoherod und führt auch ne. die gleichen Petrefitcten wie am Alteusteiu, wenngleich nicht in solcher Menge _ Mit ihm in Verbindung steht der .Ersenkalhsteii.: mit w elchem bi amen der Schmalkalder Bergmann schon seit alter ^ ei eineu stark eisenschüssigen Dolomit bezeichnet, ein Dolomit in dem sich auf Kosten benachbarter Gesteinsmassen der Eisengehalt derart concentrirt hat, dass er öfter als Eisenerz nutzbar gemacht werden kann. So wird z. B. westlich vom Hoherod an der sog. G^ommende Eller« dieser Eisenkalkstein in einer Eisensteingrube gt Wonnen. Ebenso wie der Riffdolomit, so scheint auch der »Eiseu- kalkstein« ein Vertreter des eigentlichen Zechsteins und der Rauch- wacke zugleich zu sein ; denn er führt in ziemlicher Menge Terebratula elongata, Productus horridus, Camaro^horia Schlotheimi, Spirifer undulatus, Äcicula speluncaria, Fenestrella retiformis \\\xd Gervillia keratophaga , von denen einige Species für den eigentlichen Zech- stein bezeichnend sind.
Ueber der Rauchwacke beginnt im Ebertsgrund östlich von der Strasse nach Steinbach-Hallenberg die obere Zechsteinformatioii. In der Nähe eines auf der Generalstabskarte als »Gypsmühle« be- zeichneten Hauses, von dem nur noch Trümmer vorhanden sind, wurde der untere Zechsteiuletten aiifgefuuden, ein vorwiegend rother und bläulicher Mergelthon, welcher einzelne grössere linsen- förmige Massen von Gyps unregelmässig eingelagert enthält. Letztere werden zeitweilig gewonnen. Die über dem Letten fol- o-enden Schichten konnten bis jetzt noch nicht aufgesucht werden.
In der nächsten Umgebung von Asbach ist die untere Zechsteinformatioii nicht zur deutlichen Entwicklung gelangt. Auf dem Rothliegenden, welches an dem Westabhaug des Komberges unter dem Porphyr hervortritt und wesentlich aus Schichten von rothem Sandstein wcchsellagernd mit Schieferletten besteht, liegt zwar ein wenig mächtiger, gelbgrauer, dünubänkiger Sandstein, der
als das Zechsteinconglomerat gedeutet werden könnte, aber der cliarakteristisclie Kupferschiefer und der eigentliclieZechsteiu dam er fehlen; ein Acguivalent derselben ist nur in wenig festen, meist
H. Bücking, die Zechsteinformation bei Schmalkalden. 31
düuuschiefeiigGn, grauen und gelben Dolomiten zu suchen, deren Mächtigkeit sich nicht genau bestimmen lässt, aber etwa 2 bis 3 IVXeter betiagen mag. Ueber diesen tritt als ein sehr gut verfolg- barer Horizont die Eauchwacke hervor. Sie zieht sich von Asbach aus in fast genau südlicher Richtung bis an die Porphyrmassen des Ringberges, tritt nördlich von Asbach an den Gehängen des Mühlbergs mehrfach in schroffen Felsmassen zu Tage und nimmt von da einen mehr nordöstlichen Verlauf nach dem porphyrischen Kohlberge, wo sie an einer bedeutenden, von Norden herkommenden Verwerfung abschneidet. Bemerkenswerth für diesen Rauchwacken- zug ist das Auftreten von eisenschüssigem und manganhal tigern Mulm in den Höhlungen der Rauchwacke, ein Vorkommen, das Veranlassung zu einer Braunsteingrube südlich hei Asbach ge- geben hat^).
Ueber der Rauchwacke liegt nun — bei dein ziemlich stark nach Westen geneigten Einfallen der Zechsteinschichten an dem flacheren westlichen Abhange allerdings in einem beträchtlich tieferen Niveau, und nur au wenigen Stellen so aufgeschlossen, dass eine Ueberlagerung deutlich erkennbar ist — die obere Zech- steiufoi’ination. Zu unterst findet sich auch hier der untere Zech- steinletten. Er führt am Ausgehenden nirgends Gyps; wohl aber weisen Erdfälle, die gerade nördlich von Asbach und in der Um- gegend von Floh mehrfach beobachtet wurden, darauf hin, dass Lch hier stockförmige Gypseinlagerungen vorhanden gewesen sein müssen. Als mittleres Glied der oberen Zechsteinformation folgt ganz regelmässig der Platteiidolomit, z. Th. in typischer Ausbildung; recht mächtig entwickelt und deutlich entblösst ist er nordwestlich von Asbach. Er wird bedeckt von dem wenig mächtigen oberen Letten, auf welchen, concordant gelagert, der Bröckelschiefer und
der Buntsandstein folgen. , ^ . i
Wie bei Asbach, so ist die Entwicklung des Zechsteins auch
in der Nähe von Floh und östlich von Seligenthal; nur ist hier ei . Th ziemlich steiler Schichtenstellung nahe an einer sehr be-
B. bei Kückelheim und Aulendiebach.
32
H. Bücktng, die Zechstein formation bei Schmalkalden.
träebtlichen Verwerfuugsspalte die Aufeinanderfolge der einzelnen Glieder nicht so leicht zn erkennen.
A"on der Ausbildung des Zechsteins im Moorgrunde bei Guinpel- stadt \yeicht die Entwicklung des Zechsteins von Asbach also insofern ab, als an letzterem Orte der Stiukschiefer — die mittlere Ab- theiluug des IMoorgrunder Zechsteins — ganz fehlt und ersetzt ist durch eine zeitige Rauchwacke, und ferner einzelne Glieder der Zechsteinforination gar nicht oder nur schwach entwickelt sind. Schon bei Schweina verschwindet der Stinkschiefer ganz und ebenso auch das Kupferschieferflötz. Letzteres tritt erst östlich von einer von Seligenthal nach Asbach in fast südlicher Richtung verlaufenden Störung, in dem oben erwähnten Ebertsgrunde und bei Helmershof, wieder auf. Umgekehrt lässt sich die bei Asbach den Stinkschiefer ersetzende Rauchwacke in nordwestlicher Richtung nur bis Floh verfolgen. Auch der untere Zechsteiuletten, das älteste Glied der oberen Zechsteinformation, verschwindet hier und tritt er^t im Thal der Truse, zwischen Auwallenburg und Trusen, wieder auf, um vou da nach Westen hin immer mehr und mehr charakteristisch sich herausznbilden und an der oberen Mommel, nahe bei Beierode auch grosse linsenförmige Gypsemlagernngen zn führen. Am wenigsten Klarheit lässt sich immer noch m d.e Entwicklung des Zechsteins zwischen Seligenthal und I eiges kuwällenburg bringen, trotz der guten Aufschlüsse die hier de eIs Lbergbau des Stahlberges bietet. Fast scheint es, und ^ r oben angegebenen Verhalten des Zechstems mochte mau aus dem oben g „ „,,irscheinlich halten, dass hier nnr
diese \ ermuthung t Plattendolomit
die obere Ausbildung - und der obere
- z. Th. in -- -'*.“’;;““;s,Mchten, die man zwischen Seligen
Zechsteinletten en w i Zeclienhaus Stahlberg selbst, m
und z.iXage treten sieht, die aber in den
typisclier Entwickln , Verwerfnngsspalten meist nur m ver
ürubeiibanten un na i „lanichfaoli gestörter Eageriiiig
ändertem Zustande und auch aiigetroflPen werden.
" Kiel, den 2. December 1882.
Oebii'gsstöningen siulwcstl. vom Tlini-ingei' Wald
und ihre Beziehungen zu den Eisenerzkgerstätten des Stahlberges und der Mommel.
Von Herrn H. Bücking in Kiel.
(Mit Tafel I.)
Bei der Kartinmg des südwestlichen Theils der Section Schmal- kalden wurden weitere Anhaltspunkte für den Verlauf der Störung gewonnen, welche etwa 1 Stunde südlich von Schmalkalden den Muschelkalk gegen den Zechsteiu verwirft. Der mittlere Theil dieser Störung ist seiner interessanten Verhältnisse wegen schon trüher Gegenstand einer ausführliohen Beschreihuug gewesen ^), als deren Ergänzung die folgenden Betrachtungen angesehen werden sollen, soweit sich dieselben auf das Profil an dem Fusspfade von Breitenbach nach Christes und auf die Fortsetzung der Störung nach Nordwesten hin beziehen.
Die lang anhaltenden starken Regengüsse im Sommer 1882 hatten auf der Höhe des Bergrückens zwischen Breiteubach und Christes, an dein beide Dörfer mit einander verbindenden Fusspfede, eine Eiitblössung geschaffen, die es erlaubte, die unmittelbar au die Hauptverwerfiiug angronzeudeii Schichten genauer zu unter- suchen. Ehedem war bereits nachgewiesen (1. c. S. 83), dass 10 Schritte südlich von der Hauptverwertuug »unter den 4 Meter mächtigen Ürbiciilarisplattens der Schaumkalk aiisteheiid zu beob-
b Jahrbuch der Preuss. geoL Landesanstalt tür 1880, S. 60 u. s. w.
3
Jahrbuch 1882.
84
H. B
ücKiNG, Gebirgsstörungeii
eilten sei, die Oibiculansplatteii aber, war behauptet, grenzten nnte f ^/-H^tverwerfnng getrennt, unniitllblr^n cC
fo-b T- Orbicularisplatten, deren Mäch-
ig'-ei 111 ei i.egel nur 2 bis 3 Meter zu betragen pflegt, koiiiiten nun 1111 ^oninier 1882 noch deutlich feste, gelbe Kalke und o-elb- icie 1111^ Hergel beobachtet werden, Schichten, mit welchen
m der Kegel der mittlere Muschelkalk in der Umgegend von Meiningen beginnt. Das Profil zwischen Breitenbach und Christes ist also, der früheren Angabe entgegen, insofern vollständiger, als südlich von der Hauptverwerfüng über den Orbicularisschichteii noch in geringer Mächtigkeit der mittlere Muschelkalk hervortritt.
In der erwähnten Beschreibung wurde bezüglich des Verlaufs der Störung nach Nordwesten hin (1. c. S. 67) erwähnt, dass man aus dem Vorkoninieii einzelner Köth- und Wellenkalkschichten
mitten im Gebiet des unteren Biiiitsandsteins bei Helmers (Section Altenbreitungen), etwa 12 Kilometer nordwestlich von der Herrn- kuppe, dem letzten sicher nachweisbaren Auftreten der Störung, auf eine F ortsetzung der Störung in nordwestlicher Richtung bis hierher und bis an ein noch w'eiter westlich gelegenes Basaltvorkommen am Nordabhang des Blessberges geschlossen habe. Doch wurde auch schon damals erwähnt, dass die Köth- und Wellenkalkschichten bei Helmers, von deren Vorhaijdensein ich in Meiningen Kunde erhalten hatte, ich bis jetzt noch nicht hätte auffindeu können; jetzt muss ich ihr Vorhandensein überhaupt bezweifeln, nachdem es mir gelungen ist, nachzuweisen, dass die I ortsetzung der Störung von der Ilerrnkuppe resp. dem Möncheberg bei Möckers aus einen andern, nicht nordwestlichen, sondern vielmehr fast nördlichen Verlauf nimmt.
Der mittlere Buntsandstein bei Möckers liegt nämlich zwischen zwei Verwerfungsspalten, die ihn auf der S.W.- und auf der N.O.- Seitei) gegen den unteren Buntsandstein abschneiden. Doch tritt
1) Bei der früheren Darstellung ist die Verwerfungsspalto auf der Nordost-
Beite des mittleren BuntsandsteinB nicl.t alt Bolelm gedeatot, es werde teer ™l-
mehr eine Auflagerung des groben Sandsteins auf unterem fomkormgon Sandstein
die nähere in diesem Jahre vorgeriomrneno Qntersuchurig hat angenommen. Brst die nariero
das Vorliandenseln einer Verwerfungsspalto unsweilell.alt ergeben.
südwestlich vom riiüriiigcr Wald
35
letzterer auch zwischen den beiden Spalten unter dem mittleren Buntsandstein in dem Thale, in welchem das Dorf Möckers liegt, zu Tage. Von den beiden Verwerfnngsspalten ist die südliche, welche an dem Dorfe und nahe an der Kirche vorbeiläuft, nicht gut weiter zu verfolgen i); wohl aber die nördliche. Letztere macht sich dicht unterhalb des Dorfes Mittelschmalkalden an dem Fussweg nach Fambach, an der ziemlich steilen nach N.O. ge- neigten Schichtenstellung im unteren Buntsaudstein bemerklich ; am deutlichsten aber in der Nähe von Fambach, 6 Kilometer nördlich von Möckers. Einmal tritt hier der Landwehrborn, eine ziemlich starke Quelle aus der Verwerfuugsspalte im feinkörnigen Sandstein, hervor; dann aber liegt ein Vorkommen von 'Wellen- kalkschollen und von mittlerem Buntsaudstein, etwa 5 Minuten östlich A^or dem Dorfe, gerade auf der Fortsetzung der Verwerfungs- spalte. AVeiter im Norden ist sie bis jetzt noch nicht nachge- wieseu; es fehlen hier im Gebiet des feinkörnigen Sandsteins gute Aufschlüsse. Das Vorkommen des AVelleukalks bei Fambach ist nicht so bedeutend, wie das am Katzeustein; es sind hier keine zusammenhängenden Schichtcomplexe mehr uachzuweisen, sondern nur einzelne Welleukalkscholleu, die mit Brocken von fein- und grobkörnigem Sandstein zusammen gleichsam die Ausfüllung der hier etwas breiteren Verwerfuugsspalte bilden.
Das Streichen der Störung von Möckers bis nach Fambach ist im Allgemeinen ein Streichen nach h. lO^/g, welches von dem allgemeinen Streichen, das die Störung zwischen Viernau und Möckers besitzt, h. 7^/2, doch beträchtlich abweicht.
ln der oben erwähnten Beschreibung wurde (S. 93) noch einer zweiten Störung gedacht, welche etwa in der Richtung des Stillethales von Näherstille über Schmalkalden und den Röthhof bis nach 1-Iessles hin sich erstreckt. N ordAvestlich von Hessles Avar dieselbe, als jene Arbeit abgefasst wurde, noch nicht bekannt; sie wurde erst in den letzten 2 Jahren auch hier aufgefunden und etwa noch 8 Kilometer weiter verfolgt. lu dieser ganzen Er-
1) Die plötzliche Umbiegung der Sandsteinschichtcn Niederschmalkalden aus einer horizontalen Lage m eine geneigte hängt Avohl mit dieser Stöiung zusammen.
an dem Steinbruch von ziemlich stark nach SW.
3*
3G
U. B i' c K IN ü , G obir gsstöl’u ii gon
sti'eckiino; ist sie alleiitlialben sehr deutlicli erkemibai-, da sie ent- weder den Zecbstein gegen den Bnntsandstein oder wenigstens den nnteren teinkörnigen gegen den mittleren grobkörnigen Sand- stein verworfen bat; an einer Stelle auf der linken Seite des Trnsentbales zwischen Wahles imd Trusen ist sogar, ganz analog wie am Steinkopf bei Hessles, durch die Störung neben den unteren Zecbsteiuletten der oberen Zecbsteiuformation , eine grosse keil- förmige iSIasse AVellenkalk gelegt, die ihrerseits ganz regelmässig über Röth und mittlerem Buntsandstein ruht. Auch diese \ er- werfung nimmt, wie die beiliegende Skizze zeigt, von Hessles aus einen etwas mehr nördlichen A erlaut, etwa in gerader Richtung nach Liebenstein, wohin auch schon die Störung von Möckers und Fambach gerichtet ist, ohne dass jedoch bis jetzt eine Ersti-eckung der letzteren bis dorthin hätte nachgewiesen werden können.
Am östlichen Ausgang von Liebeustein an der Strasse nach Beierode schaart sich die von Hessles herkommende Störung mit
einer
ebenfalls nordwestlich streichenden ATrwerfung, die
von
Seligenthal aus über den Stahlberg, Herges-Auwatlei]biirg und die, Mommel bis nach liebeustein und noch weiter bis nach Schweina und Gninpelstadt verfolgt werden kann und auf ihrer Nordseitc die Scliichten im Allgemeinen in einem höheren Niveau zeigt als auf der Südseite. Es war früher die Frage von mir aufgeworien worden, ob diese letzte Störung - die .Stahlbergstöruug. - als
„leichalteri- mit den Storungen von Hessles und vom klein® gle cualtei durchaus analogen Baues dasselbe
Dollmar, für welche ii^egcu im m M r- S 94MV
inimste zu botrcicliteu bei (^1. c. o.
Alter ' ; Pt entschieden worden, da ein Zusaiiiinen-
dicsehrage wa, ab r „„„l. mdit bekannt
TJt'rstei’r gewisser Zusaninienhang zwischen J“'
„:::tt.dd;stahibergstöi^zw.
war von
immer noch nicht die angeregte Frage
ov.li nllo diese Kcnunnten Storuiigcii für gleidi- 1) Hei.sii. C.-.S1,»«« hält „g„„süsch»n Karte dos Tlitn inger 'Valdes,
altorig (vorgl. dio bdäateronge.,^ do_^ ,,,,,„„ai„„ssoit dos bm.to,. Saad-
IS.^.ä, S. 07) und setzt Steins«.
ihre
Eiitstehnng
37
südwestlich vom Thüringer 'Wald.
die Stahlbergstörung, wenn auch nordwestlich von Tdehenstein nicht mehr so hetrcächtlich als südöstlich, bei Liebenstein seihst an der Schaaiungsstelle mit der von Ilessles über Beierode herkommenden und bei letzterem Dorfe immerhin noch sehr beträchtlichen Störung durch diese keinerlei nennenswerthe Unregelmässigkeiten erleidet. Es lässt sich aus diesem \ erhalten der jedenfalls schon ziemlich sichere Schluss ziehen, dass die Stahlbergstörung wahrscheinlich nicht älter ist als die Störung von Ilessles, dass eher letztere älter ist als die durch sie nicht veränderte Stahlbergstöriing; am wahr- scheinlichsten aber dürfte die Annahme sein, dass beide Störungen ein gleiches Alter besitzen. Es würde dann, wenn wir mit Emmrich für die Störung am kleinen Dollniar, und demzufolge auch für die bei Hessles, als Zeit ihrer Entstehung die Zeit zwischen Ablagerung des Keupers und des Oligocäns, oder noch bestimmter gefasst, die Oligocänzeit annehmen, auch die Entstehiiiig der Stahlbergstöriing in die Oligocänzeit fallen.
Ein gleiches Resultat bezüglich der Zeit ihrer Entstehung würde sich dann auch für eigenthümliche Erzlagerstätten ergeben, welche von jeher von besonderer Wichtigkeit für die Bewohner der Ortschaften am südwestlichen Abhange des Thüringer Waldes, ins- besondere des Kreises Schmalkalden gewesen sind, für die Eisen-
erzlagerstätten des Stahlberges und der Mommel. Beide Eizlager- stätten haben zunächst das miteinander gemein, dass sie m ihrem Auftreten auf das engste an die Stahlbergstöriing geknüpft sind. Sie besitzen beide ihre Ilaiipterstreckiing längs der Stahlberg- störung und treten öfter unmittelbar an die das Störungsgebiet begrenzenden Yerwerfiingsspalten , von welchen sie sowohl nach SW als NO. ahgeschnitten werden. Wenigstens wird am Stahl- bero- das Eisensteinlager nach Südosten hin von der Haiiptvei- weiTung der Stahlbergstöriing gegen den Biiiitsandstem verworfen, an der Mommel aber sind es zwei Verwerfungen, welche das Eisensteinlager nach SW. und NO. begrenzen und auch in semei
Breitenausdehnung es auf das Störuugsgebiet beschranken. Eeinei
weisen zahlreiche Versuchsbaue theils älteren, thei s neiim^en Datums zwischen Stahlberg und Mommel längs der Stah bergs oriing daimif üi,, dass beide Erzlager miteinander in Verbindung stehen, gleich-
38
H. Bücking, Gebirgsstörnngen
sani also nur ein einziges lang ansgedehntes, die Stahlbergstörnng begleitendes Lagex- bilden , wenn anch in einzelnen Punkten zwischen dem Stahlberger und dem Mommeler Bergreviere die Erzmittel nur eine geringe Mächtigkeit besitzen und dann wohl kaum abbauwürdig sein dtxrften. Was die nähere Gestalt der
beiden Erzlagerstätten an der Mommel und am Stahlbera; anlano-t so ist dieselbe eine so eigenthümliche , dass selbst von Seiten der Bergleute, die am genauesten über die Ausdehnung der nutzbaren Erze am Stahlberg und an der Mommel orientirt sind, ganz wider- sprechende Ansichten darüber anfgestellt werden. C. F. Danz, der sich um die Geologie des Kreises Schmalkalden und nicht minder um die Hebung des Bergbaues in seiner engeren Heimath so ausserordentlich verdient gemacht und über 60 Jahre lang den Stahlberg und die Alommel befahren hat, nannte die Lagerstätten »gangartige« ^), bemerkte dabei aber auch, dass sie ein so »eigen- thümliches Ansehen« hätten, dass es »gewagt sei, ihnen eine Stelle nach der bekannten Eintheilung anderer Erzlagerstätten anzuweisen. Nur soviel steht fest, dass der Stahlberg und die Mommel auf ein
und derselben Lagerstätte bauen, dass diese sich volle zwei W^ege stunden in die Länge erstreckt und in der Mommel sich der Ganggestalt nähert. « Ebenso vorsichtig drückt sich Herr K. Fulda in Schmalkalden, gleichfalls sehr genau in den beiden Bergrevieren orientirt, aus, wenn er über die erwähnten Erzlagerstätten Folgendes sagt 2): '»Sie sind nicht als eigentliche Gänge aufzufassen, da ihnen die Haupteigenschaft derselben, das Vorhandensein erkennbarer Salbänder, abgeht. Ebenso wenig kann man bei der grossen Un- regelmässigkeit des Vorkommens von einem Lager reden, obwohl das Besohränktsein auf das Gebiet des Kauhkalks es ist /ec i steiudolomit unter dem Namen Uauhkalk eu verstehen Jen
Gedanken an eine gleichzeitige '
besten noch wird man d- Vorkommnisse als stoekartige bezx^ n^
können, obwohl auch das ‘bei der langen hrstreckung deisel
’i) C. K DASe a. C. F. Fees, Togograpt™ des Kreises SclmialkaUen. Mai-
’’”''®siVreLl,'Veitr“en Seikelder Bergba«. Vertrsg, verlesen »f dem ersten deutschen Bergmannstage in Cassel.
39
I
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südwestlich vom Tliüringer Wald.
nicht recht passen will. Die Stahlherger Eisensteinmasse setzt mmnterbiochen über I/2 Wegstunde weit fort, die Mommeler zeigt eine noch grossere Erstreckung. - Auch fehlt es nicht an abge- rissenen Zwischengliedern, welche gewissennassen den Uebergan<. zwischen Stahlberger und Mommeler Lagerstätte bilden, so die Eisenstemvorkommnisse am Stadtberge und am Hof berge, diesseits und jenseits Herges -Vogtei. Der Eisenstein liegt innerhalb einer zn grossem Umfange entwickelten Eauhkalkmasse, gegen welche er sich nicht immer scharf absondert. Häufig ist dieser Rauhkalk, von seiner Berührnngsfläche mit dem Eisenstein an, weit hinein duich Eisenaufnahme zn einem sog. Eisenkalke umgewandelt, welcher — abgesehen von dem Kalkgehalte — eine ähnliche Zn- sammensetzung zeigt, wie der nebenliegende Eisenstein und nament- lich gleich diesem durch einen hohen Mangangehalt sich aus- zeichnet.« Es sei hierzu nur noch bemerkt, dass der Eisenstein, soweit derselbe jetzt zur Uewinnung gelaugt, vorzugsweise Braun- eisenstein ist, der zu weitaus dem grössten Theil aus Spatheisenstein, dessen Blätterbrnch oft noch deutlich erkannt werden kann, hervor- gegangen ist. Es kommt aber auch neben diesem, noch unzersetzter, aber meist mit Schwerspath auf das innigste gemengter Spatheisen- stein in unverkennbaren Gängen und Trümern vor. »Der Schwer- spath«, sagt Fulda weiter, »ist üherhaupt ein so wesentlicher Be- gleiter des Eisensteins, dass mau beim Anfahren desselben fast mit Bestimmtheit auf die Nähe des Eisensteins schliessen kann und deshalb annehmen muss, dass er mit der Entstehung des Eisensteins iin engem Zusammenhänge steht.«
Eine Erklärung der Entstehung des Eisensteins hat ausser auf die Ausdehnung und innere Beschafteuheit der Lagerstätte auch noch Rücksicht zu nehmen darauf, dass sie eine ganz unzwei- deutige Einlagerung in der Zechsteinformatiou bildet, und zwar im Zechsteindolomit, den als Plattendolomit zu deuten wohl am richtigsten ist. Sämmtliche Verhältnisse, welche die Eisenerzlager- stätten aufweiseu, drängen jedenfalls zu der Annahme, dass die Eisenerze unter dem Einfluss von Gewässern, die hauptsächlich auf den die Stahlbergstörung begleitenden Verwerfuugsspalten circulirten, aus dem Zechsteindolomit entstanden seien, dass hier also eine gross--
40
n. Bücking, Gehirgsstöi
fungen
SplAei^enrt«-n"™d B?' l’l»ttemlol„,mt i„
am besten der Mangel "riT‘f"
dolomit und Eisenstein ,‘ d i n ,“ ^“l>s‘ain-
der Pis. «ad dadurel, auch die unregelmässige Form
die ,te r, eisenhaltiger Gewässer!
e ihien Eisengehalt wohl zum Theil dem Rothliegenden des
uuinger \\ alcles entnehmen, spricht wohl auch die Thatsache t as,s uoc 1 jetzt in Liebeustein aus der Hauptspalte der Stahlbero-- s orimg, ziemlich^ nahe an der Stelle, wo die Hessleser Störuu.T sich anschaart, ein Eisensäuerling i) zu Tage tritt, gleichsam die letzte Nachwirkung eines in älterer Zeit grossartiger sich voll- ziehenden \ organgs.
Die Zeit der Entstehung der Erzlagerstätte am Stahlberg und an der Moniniel ist, wenn die vorhergehenden Ausführungen sich als richtig erweisen sollten 2), abhängig von der Zeit der Entstehung der Stahlbergstörung. Die Umwandlung des Zechsteindolomits in Eisenerz durch Grewässer, welche durch die Verwerfungsspalteii ihren TV eg nahmen, muss unmittelbar nach der Entstehung dieser Spalten begonnen haben. Ob die Umwandlung rasch oder langsam von statten gegangen, ob die Erzlagerstätte schon bald nach der Entstehung der Stahlbergstörung ihre jetzige Gestalt gewann, lässt sich nicht sagen; nur ist es wahrscheinlich, dass die Bildung der Eisenerze noch bis in spätere Zeiten fortdauerte, ja dass sie sich au einigen Stellen, die für die Bildung besonders günstig liegen, noch jetzt vollzieht. Selbstverständlich muss auch für den Schwer- spath, der die Eisenerze nach allen Richtungen hin durchschwärmt,
0 Rach einer Analyse von Prof. RKiciiARm' enthalten 50U Gramm der Quelle ausser 26,25 Cubikzoll freier Kolilensäure 0,623 kohlensaures Eisenoxydul.
2) Ich will hierzu bemerken, dass Herr Bergexspectant IticnuiiT aus Berlin, der im Sommer 1882 das Mommeler ßergrevier zum Gegenstände einer genauen bergmännischen Untersuchung gemacht hat, die Güte hatte mir mitzutlieilen, dass er innerhalb der Erzlagerstätte eine grosse Reihe von Erscheinungen gelunden habe, die sich am besten erklären lassen, wenn man an der schon iridier von nur anaenommenen und oben auseinandergesetzten Entstellung der Jtrzlagerstatte tcsthall. Bezüglich der näheren Ausführungen muss ich auf die sicherlich sehr exacten Beobachtungen des Herrn Riohekt hmweiscn.
südwestlich vom Thüringer Wald.
eine gleichzeitige Entstehung angenonunen werden, ei.enfells also eine Entstehung unter dem Einfluss von wässerigen Lösungen, die auf den die Stahlbergstörnng begleitenden Verwerfnngsspalten cir- cuhrteu. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass die sämmtlicheu Schwerspathgänge,^ welche in der .Nähe der Stahlbergstörnng und im Allgemeinen dieser parallel das krystallinische Gebirge und zum Theil auch den Zechstein des Thüringer Waldes durchsetzen, erst eine Bildung späterer Zeit seien. Die Bildung dieser Gänge, die sich besonders auch durch das \orkommen von Fhissspath aiiszeichnen , muss nach ihrem ganzen Auftreten bereits vor Ab- lagerung der oberen Zechsteinformation ihren Culminationspunkt, um mich so aiisziidrücken , erreicht haben. Es ist allerdino’s ein
O
flussspathführender Schwerspathgaug noch ans dem Zechstein lie- kannt, nämlich der die Mommeler Eiseiierzlagerstätte im Norden begrenzende resp. durchsetzende Schwerspathgaug; weitaus die meisten dieser Gänge setzen aber im Granit und Gueissschiefer (sog. Glimmerschiefer) auf und werden von Zechsteinschichten oft ganz bedeckt. Schwerspathgänge , die keinen Fhissspath führen, sind dagegen noch mehrfach in den jüngeren Formatioueu zu finden. So kann man da, wo die Stahlbergstörnng zwischen Atzerode und Seligenthal auf die rechte Thalseite übersetzt, an einem Wege oberhalb einer alten Kiipferscliachthalde einen deut- lichen Schwerspathtrum im iiuteren Buutsandsteiii beobachten. Ferner findet sich oberhalb des Dorfes Älöckers da, wo die vom kleinen Dolhnar herkommende Störung den mittleren groben Buiit- sandstein gegen den unteren verwirft, eine solche Menge \ou Schwerspathstücken, dass hier au ein gangförmiges Auftreten des Schwerspaths gedaclit werden muss; und weiterhin nach Osten an derselben Störung finden sich am Westabhaug der llopfenliete bei Breitenbach mehrfach Trümer von weissem Schwerspath im Wellen- kalke. Es geht aus diesen Funden mit Bestimmtheit hervor, dass ini Südwesten des Thüringer Waldes in der Umgegend von Schmal- kalden eine Bildung von Schwerspath auch nocli nach Ablagerung des Zechsteins stattfänd; und da die jüngste der hier auftretenden Sedimentschichten, der Wellenkalk, noch von kleinen Schwerspath- c-äno-eu durchtrüniert wird, so liegt wohl auch die A ermuthuug
4-2
H- Bücking, Gebirgsstörungen
^^rossartio-en Dislooa t’ Waldes die
nicht mit Th ll entstanden, die, wie Emmrich wohl
schlirfer den jetzige I^erngebirge
über trat J^^^^eien am Rande lagernden Sedimenten gegen-
1 ci. j Schluss noch bemerkt werden, dass etwa ,2 stunde nordöstlich von Liebenstein eine mit der Stahlber^- stöiung paiallel verlaufende Störung vorhanden ist, die mit ihr auch das gemein hat, dass sich gleichfalls längs derselben eine Brauneisenerzlagerstätte hinzieht. Es ist das eine Störung, die von Steinbach bis Liebenstein sich in südöstlicher Richtung bis zu der »Klinge« bei Laudenbach hin erstreckt, weiter nach Osten hin aber nicht mehr deutlich erkannt werden kann. Diese Störung, die wegen ihres durchaus analogen Verhaltens als gleichalterig mit der Stahl bergstörung angesehen werden muss, ist deshalb von be- sonderer Wichtigkeit, da sie anscheinend die nördlichste der in diesem Theil des Thüringer Waldes an das eigentliche Kerngebirge herantretenden, in der Richtung von SO. nach NW. sich erstreckenden Störungen ist, und da sie zugleich die Grenzlinie bezeichnet, von wel- cher nördlich an dem Südwestabhange des Thüringer Waldes keine Schichten des Zechsteins oder jüngerer Formationen mehr auftreten. Zwar kennt man auch nordöstlich von dieser Störung ihr parallel verlaufende Spatheisensteingänge, sowohl im alten krystallinischen Gebirge als auch im Porphyr und Rothliegenden , welche, wie oft langgestreckte Pingenzüge beweisen, schon von den Alten aufge- schürft und bebaut wurden. Ob aber diese von Spatheisenstein ausgefüllten Spalten gleichfalls Verwerfungen darstellen, deren Be- deutung innerhalb der mächtigen Schichtsysteme der alten krystal- linischen Schiefer und des Rothliegenden sich der Beobachtung entzieht, hat sich bis jetzt noch nicht nachweisen lassen. Auch exi.stiren zur Zeit noch keine Anhaltspunkte, das Alter dieser Gänge genauer zu bestimmen. Ebenso ist es für die in anderen Stunden streichenden Spatheisensteingänge und für die Rotheisen- stein und Braunstein führenden Schwerspathgänge im Porphyr und
südwestlich
vom Thüringer Wald.
43
Rothliegenden von Asbaoh m«n« Wissens noch nicht geh.ngen, annähernd die Zeit ihrer Entetehnng festensetzen. Es sind dies noch offene Fragen, deren Lösung wohl so bald noch nicht gelingen wird; für die geologische Geschichte des Thüringer Waldes sind sie von der grössten Bedeutung und ihre Lösung wird manchen Schluss auf die Entstehung dieses Gebirges gestatten.
Kiel, den 6. December 1882.
Zur Keiiiitiiiss des Oherliarzer Ciilm.
Von IleiTii A. von Grocideck in Clansthal.
(Hierzu eine Karte, Tafel 11.)
Im Jahrgange 1877, Band WIX der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft S. 433 ff. machte ich darauf aufmerksam, dass grobe Conglomerate mit Geschieben gemengt -krystallinischer Gesteine in den Cnlmschichten des Oberharzes eine viel grössere Verbreitung haben, als man bis dahin geglaubt hatte.
Der Umstand, dass sich diese groben Conglomerate m direm östlichen Verbreitungshezirk an den devonischen Diabaszug und in ihrem westlichen Verbreitungsbezirk an den devonischen Iberg anlcgen, liess mich vermuthen, dass sie einem tiefen Niveau des
Cuhn angehören möchten (1. c. S. 438). ,
Fortgesetzte Beobachtungen, besonders die Detailaidnahmen während der Sommer 1881 und 1882, haben nun aber gezeigt, dass diese Ver.mühung niclU sutrdR, dass gegentl.e.ls d.e groben C„nglo.neratc das Iniebste Niveau der Oberharzer Crrauwaeken
emnehinoii. riclitete ich meine Anfmerksainkeit nui
* , •+ inindestciis wallmissgrossen Geschieben, m
eonglomera e ^ „engrossen
nicht niveaubeständig seien (he.
A. VOK GKo.nKc.K, zur Kenntniss des Oberharzer Culm.
s zeigte Sich aber bei späteren Uiitersiicbimgeii, dass die kleinkörnigen Congloinerate fast immer mit den grobkörnigen zii- sainnien lagern, dass beide bei der kartograpbiscben Darstellung gar mellt zu trennen sind und somit den kleinkörnigen, ebenso wie den grobkörnigen Conglomeraten, bis zu einem gewissen Grade wenigstens, eine Niveaiibestäudigkeit zukommt.
Begeht man die geologisch böebst monotonen Gebiete der Oberbarzer Culmgraiiwacke , so bemerkt man, sobald die Auf- merksamkeit auf die Korngrösse der Gesteine gerichtet ist, dass übei zieinlicb grosse Pläcbenräiime feinkörnige Grauwacken fast aiisscbliessbch verbreitet sind und dass eigentliche Congloinerate, meist mit recht kleinen, im Diircbscbuitt erbsengrossen Geschieben, darin nur ganz vereinzelt aiiftreteu, während mau in anderen Tbeileu des Gebirges auf Schritt und Tritt cbarakteristischeu Conglomeraten mit kleineren oder grösseren Geschieben begegnet.
Unter den couglomeratfreieu , oder au Conglomeraten ganz armen Theilen des Oberbarzes mögen bervorgebobeu werden:
Die KraiitHeth südlich von Ilabauseu, der Seeser Berg, Trog- tbaler Berg: und Ecksberg- nordwestlich von Laiitentbal, die Gegend zwischen Laiitentbal und Ilahueuklee nördlich vom Laiiteu- thaler-llahnenkleer Gangziige, der Kiittelbacher Berg siidlich von Ilalmenklee, das Tannhay und die AViuterhalbe nordwestlich von Zellerfeld, die Gegend zwischen Zellerfeld und dem Ivahleberg, die Gebiete der Städte Clausthal und Zellerfeld, der Eiueisbeig,
die Bremerhöhe und der Hüttenberg östlich von Clausthal, die Mönchsthäler, der Mittelberg und der Dietrichsberg- nordöstlich von Clausthal, der Steinberg und der Qiiitschenberg östlich von Riefensbeek ii. s. w.
Unter den an Conglomeraten sehr reiclieu Cebieten nehmen die hervorragendste Stelle ein: der Knöi.peKveg das Grosse
Leiinenthal, der Steintlnder Berg, der Mittelberg, die Grosse Snlpke und ein Theil der Uitterheide nördlich von Osterode „nd Las ekle An .lieses verhältnissmässig recht grosse (-„„glon.eratgeb.et sebhesst
sich der Knollen bei Grund au. n- i p- i +
Der Bergrücken, welcher sich in nordsudheher K.ehtung
zwischen den, Innerstethal und den. westlichen Itande des Geb.rges
46
A. VON
Guoddkck, zur Kenntniss des Oberharzer Culm.
hiiizielit, ist besonders rpioli i • i
r 1 • 'fielen, von SW. nach NO
niami" irT* Couglomeratzonen, die bei Wilde-
sohi-eiteu!' das Iiiiierstetlial übei-
Sobhesslich mag noch auf die schon lange bekannte Conolo- merafzoue hingewiesen werden, welche nordwestlich vom Diabas- zuge, parallel demselben, verläuft und ihre kräftigste Entwickeluug zwischen Buntenbock, dem Hellerthal und der Altenauer Silber- Ilütte zeigt u. s. w.
Innerhalb der an Congloineraten reichen Gebiete wechsellagern die Conglomeratschichten überall mit zahlreichen, zum Theil recht mächtigen feinkörnigen Grauwacken- und Thonschieferschichten (vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1877, Bd. XXIX, S. 436), die sich in petrographischer Hinsicht gar nicht von denjenigen unterscheiden lassen, welche in den conglomeratfreien oder an Conglomeraten armen Gebieten vorherrschen.
J eder \ ersuch , die einzelnen Conglomeratschichten in ihrem Streichen zu verfolgen und kartograjihisch darzustellen, scheitert an den ungünstigen Aufschlüssen.
Meistens hat man es mit waldbestandenen Bergen zu thun, an denen nur ausnahmsweise anstehendes Gestein zu beobachten ist und deshalb muss man sich begnügen, — in der Hauptsache der Verbreitung der ' Gesteinsbruchstücke und Gesteiusblöcke folgend, — die Zonen stärkster Conglomeratentwickelung heraus- zufinden und auf der Karte zu verzeichneu.
Eine scharfe Abgrenzung gegen die conglomeratfreien oder an Conglomeraten armen Grauwackengebiete ist unmöglich, da eine trennende Leitschicht nicht existirt und beiden Niveau’s o-leich aussehende Grauwacken- und Thonschieferschichten, wie schon bemerkt, überall angehören.
AVenn demnach die Abgrenzung in manchen Fällen willkür- lich, der individuellen Auffassung unterliegend, erscheint, so treten (loch für (leujeiiigeu, der, wie ich es gethaii liabe, die bezüglichen Gebiete ausdauernd und oft begeht, so scharfe Gegensätze hervor, dass die Richtigkeit der Uutersclieidung im grossen (ranzen
zweifellos wird.
A. vo^ Guoddeck, zur Keuutniss des Oberharzor Culm.
Eine eingehende Untersnchnng über die Verhreitungsbezirke lehrt dass die conglomeratfreien oder an Conglomeraten armen Schicliten einem tieferen Niveau angeboren müssen, als die an Conglomeraten reichen.
Die ersteren mögen, da sie sich typisch und in grosser Ver- breitung bei Clausthal finden, als Clansthaler Grauwacken und die letzteren, welche in ausgezeichnetster Weise südlich und südösthch von Grund entwickelt sind, als Gründer Grauwacken bezeichnet werden.
Folgende Gründe sprechen, wie mir scheint, mit Evidenz dafür, dass die Gründer Grauwacken einem höheren Niveau als die Clansthaler Grauwacken augehören.
O
1) ln den grösseren, bis zur Ueberkippung eines Flügels, also sehr steil und tief gefalteten Grauwackeu- mulden, wie sie sich in den südöstlichen Gebieten des Clansthaler Plateau’s vorfinden, nimmt die conglomerat- reiche, oder Gründer Grauwacke, als einem höheren Niveau angehörig, die Mitte ein.
Das zeigt sich sehr deutlich:
a) in der grossen Granwackeumulde des Sösethals, die sich in nordöstlicher Richtung über Altenau, den Schwarzenberg und Ochsenberg bis nahe zum Radauthal bei Harzburg verfolgen lässt. Diese verhältnissmässig breite, beiderseits von den älteren, Adiuole führenden Culm - Kieselschieferzügeu (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1877, Bd. XXIX, S. 439 und 440) begrenzte Mulde, in der sänuntliche Schichten ausnahmslos nach SO. emfallen, wird fast
anz von der Clansthaler Grauwacke zusammengesetzt. Am Söse- opf und Eugeluberg sowohl, als auch am lohlenbrmk,^ Kirchen- olz und Schwarzenberg bei Altenau tritt die Gründer Grauwacke lit sehr groben Conglomeraten, ganz typisch entwickelt, in chinalen, die Mitte der Mulde einnehmenden Zügen auf.
Weniger deutlich, aber ebenfidls in der Mitte der grossen iraiiwackenmnlde, sind die conglomeratischen Schichten in geringm^
usdehniing am 1 finden.
’schwarzenbdg, sildsiUlöstllch vom Kaufakopf,
48
A. VOX GaoDDKCK, zur Konntniss des Oberliarzer Culm.
r'r Cougl„.„eratvork„mmen in. oberen
i 1.0.1 dos Kollwassers soll später noch erwähnt werden.
1 ■ r sehnndeu, von den grossen Posidono-
> des Oberharzes, (Zeitsohr. d. Deutsch. <reol
roselisch, 1880, Bd. XXXII, S. 187) beziehungsweise dem "öst- .en Flügel des g.-osson Kahleberg-Rammelsberger Devonsattel be- gr^z eil (rrnmvaekonmulde, die sich von Clausthal durch das ^ onchbthal über den ieseiiberg bis zum Birkentlial bei Rliomker- la e ei streckt, tritt die Gründer Grauwacke ebenfalls in schmalen und kurzen, aber wiederum die Mitte der Mulde einnehmenden Zuo-eu am M ieseuberg und am Kaiser Heinrich bei Oberschnlen- berg auf.
Die groben, der Gründer Grauwacke zugehörigen Conglomerate am Abhange des Dietrichsberges zu dem in die Lange sich er- giessenden kleinen IHönchsthal sind dem östlichen Posidonomyen- schiefer-Sattel auffallender M eise sehr nahe gerückt. Später soll eine Erklärung dafür zu geben versucht werden (vergl. S. 51).
2) ln den, — nach dem gesammten Schichtenbau des Oberharzes zu beiirtheilendeu i), — ganz flachen, mit den untersten Grauwackenschichten erfüllten Mulden, die sich in der L"m gegend von Lautenthal, nördlich vom Ijautenthaler-Hahnenkleer Gangzuge, vorfinden, fehlen die typischen Conglomerate gänzlich, weil dieselben, als oberes Niveau, durch Erosion entfernt wurden. Dieses Eehleii der Gründer Grauwacken in den flachen Mulden muss als ebenso charakteristisch für ein oberes Niveau derselben aufgefasst werden, wie das vorher ge- schilderte Ersclieinen derselben in der Mitte der tief und steil gefalteten Mulden, ln den kleinen, von der Ero- sion versclionten, auf Kieselschiefer und Posidonomyenscluefer augensclieinlich flacli aufgelagerten Grauwackenschollen des Ecks- berges, Bielsteins, Sparenberges und Bohrberges sind die das obere Nivr^au bezeiclmenden CVmglomerate nicht enthalten, ebenso ver- misst man diesidben in den beiden Grauwackenmulden, die durch
>) Zeitsclir. (1. Deutsch, geol. Ges. P.d. XXIX, 1877, S. 441.
A. VON Groddecu, zur Keiintiiiss des Oberliarzer Cnliu. 49
den schmalen Kieselschieferzng getrennt sind, welcher sich von Ijantenthal nach der Varley hinzieht.
Sehr charakteristisch ist ferner das Fehlen der typischen Conglomerate an der Spiehnannshöhe, dem Seeser Berg und Trog- thaler Berg, da das Auftauchen der Kieselschiefer am Bnllars, itn Kleinen Trogthal und im Steigerthal, sowie die horizontale Lage der Grauwackeiischichten in den schönen Trogthaler Steiubrücheu, unterhalb Lautenthal, lehren, dass hier wieder die untersten Grau- wacken in einer ganz flachen Mulde abgelagert sein müssen.
3) XJebei die dem untersten Cu Im zugehörigen Kieselschiefer und Fosidonomyen schiefer legen sich überall zunächst die conglomeratfreieu, oder Claus- thal er Grauwacken, tiber diesen liegen, wenn auch nicht in ausgedehnten Ablagerungen, sondern mehr in einzelnen Schollen und muldeuförmicr eiuo-eseukten
O ö
Zügen, die couglomeratreichen Gründer Grauwacken. Die Verwerfungen, welche die Kiesel schiefer -Züge ver- schieben, setzen bis in die Gründer Grauwacke hinein.
Vortrefflich sind solche Lagerungsverhältnisse zwischen Lauten- thal und Tjaugelsheim an den steilen, westlichen Gehängen des Thaies der Innerste, sowie auf den, letzteres vom westlichen Harz- rande trennenden Höhen zu erkennen. Die Schichten fallen hier o-anz flach westlich ein.
O
Zwischen dem Gegeuthal und Langelsheim stehen ober- devonische Schiefer an beiden Ufern der Innerste au. Steigt mau die .steilen Gehänge zum Gegenthalsberg, Saugeuberg, Curts- berg hinauf, so durchschneidet man überall^ erst Kieseischiefer fremsenberg und Frickenberg zuerst Diabas), dann Posidouo-
oder Cdansthaler Grauwacke
(am Bl
inyenschiefer, dann conglomeratfreie,
irst auf der Höhe der Berge trifft man die conglomeratischen
und ei Gründer Grauwacken an.
Letztere liegen hier in mehr oder weniger grossen Schollen über den im grossen Ganzen fast liorizontal gelagerten, aber dabei doch vielfach' zu flachen Mulden und Sätteln ziisainniengefalteten Glausthaler Grauwacken. - Diese schollenförnuge Auflagerung sehr auffallender Weise dadurch, dass an den
4
docunieutlrt sich in
Jahrbucli 1882.
50
A. VON Groddkcr, zur Keiintniss dos Oberharzer Culm.
A iolon schmalen Bergrücken, welche znm nördlichen Ilarzrande bei Hahausen abtallen, dem Bakeuberge, Sprengelsberge, Steimker- berge und Ildchengehreii die Conglomerate immer nur auf den Höhen angetrolieu werden ; au den Bergabhängeu und in den Thälern finden sich ansschliesslich die conglomeratfreien Grauwacken.
Der Abstand, in welchem die couglomeratischen, oder Gründer Grauwacken von den Kieselschiefern und Posidonomyenschiefern auftreten, ist nahezu überall derselbe.
Folgt man den Kieselschiefern von Langelsheim an in süd- östlicher Richtung, so bemerkt man, dass dieselben an den Ver- werfungen, welche im Papenthale, im Hildesheimerthale (zwischen Breinsenberg und Steilelieth) und im Gegenthale auftreten, eine Verschiebung nach Osten erleiden. In demselben Sinne sind auch die Gründer Grauwacken am Curtsberge, Sangenberge, Gegen- thalsberge ( Liudthalskopf) und am Schwarzen Berge (Kalte Birke) verschoben. (Vergleiche auch die Karte zur Arbeit »der Kersantit- gang des Oberharzes«, Tat. HI dieses Jahrbuch 1882.)
Die beiden Kieselschi efervorkoimueu im Kleinen Trogthal und am Bullars, die mau sich, — ebenso wie die Kieselschiefer- partieen im Steigerthal, — im unterirdischen Zusammenhänge denken muss, den westlichen Flügel der von den Grauwacken des Seeser- und Trogthalerberges eingenommenen flachen Mulde bil- deiiil, zeigen, (las°s aueli am Steigertlialer Gange eine Vevschiebnug des Kieseischiefers naoli Osten eiugetretei, ist.
Dieser Verschiebung entspricht das el.enfalls wieder mehr naeli Osten gerückte fonglomerat - Vorkommen nn Süden des
Steigerthaler Ganges. . . des
^ 1 A^nvliMltiiisseu becj’eo'nen wir im feuclen ues
Ganz analogen \ ei haitnisscn
Dautenthaler-Hahnenkleer und des Kockswieser - h estenbnrge.
Gangzuges
am Kranichsberge und den
Zwischen den conglomeratfreien Clans-
Kieselschiefern bei zwischen dem
thaler Grauwacken < es , i.icfcrzuo-e bei Zellerfeld und den
.rossen CUmstbaler Grau-
Oonglonieratzügen an, w.
wacken des Tannhay mO öei
A. VOX Gro
51
ÜOECK, zur Keuntniss des Obertiuiv.e.r Culm.
Ein weiteres Vm-rückeu der C ot.glo.nerate „ael, Osten sei, eint die etwas swe.felliafte Conglo.nerateone „u westliclien Abl.angc des litiuersbersxes anzuzeio-eu
Schembar abweichend von der Kegel, dass die congloine- ratischen Grauwacken ein höheres Niveau einnehnien, als die congloineratfreieu, sind die Lagerungsverhältnisse an der nord- westlichen Seite der Diabaszüge, da sich am Knöppelberg und ferner zwischen Buntenbock und dem Hutthal die Couglomerate zum Theil direkt an die devonischen Diabasdecken anlegen, zum Theil ihnen ganz nahe liegen, letztere von den nordwestlich auf- tretenden, ausgedehnten Partieen der Claiisthaler Grauwacken trennend.
Dieses am längsten gekannte Vorkommen war es, welches mich im Jahre 1877 zu der xAiinahme veranlasste, dass die groben C ouglomerate den tieferen Schichten des C'uhn angehören möchten, eventuell als ikeqiiivalente der Posidonomyenschiefer anzuseheu seien (1. c. S. 438 und S. 442 xAnmerkung).
Den vorgetragenen Thatsachen gegenüber ist diese Auffassung aufzuo’eben und eine Erkläruno- für das locale, abnorme Verhalten
O O 7
zu suchen.
Da das unmittelbare Augrenzen der höchsten Cailmschichten an wahrscheinlich sehr tiefe Devonschichten des T)iabaszuges ganz analog der Lagerung von Cadm-Kicselscluetern an den unter- devonischen Quarzit des Bruchberges ist, so kann auch für beide Er- scheinungen dieselbe Deutung gelten, nämlich streichende \ er- werfuilo- mit hoch aufwärts geschobenem Hangenden, (halten- Verwerfung nach Heim.)
Solche Verwerfungen mögen auch im Spiele sein, wenn local innerhalb dei' steil mul tief gefalteten ttrainvackenmuldeu (vergl. unten ad 1) die sonst immer die Mitte derselben einnehmenden C'onglomerate dem südöstlichen Muldentlügel näher geruckt hegen, wie^vs im oberen Kellwasserthal und am Abhange des Dietrichs- bero-es zum Kleinen xMönchsthal der Fall ist (vergl. S. 48).
Ö
b A. Hai.eah und E. der Wider wage. Zeitscfir. und 518.
Bevrich über das Vorkommen von Homalonotus an d. Deutsch. geoL Ges. Bd. XXXlll, 1^81, S. 5U2
4^
M A. vos- K«,.nt„iss des Oborhar.,. Oub„.
In aereelben M'eise lässt sich auch die Lage des Coiiglomevat- zuges erklären, der von. Hellerthal dnrch das Schwa.se Was !r Uber d.e Altena, .er Eisenhütte z,„n Oohsenbc-ge hinzieht. - Die o.tsetzung desselben au der U.ossen und Kleinen II, „,e rückt wieder mehr ... die Witte der Granwackenmulde, welche zwischen dein östlichen grossen Posidonoinyenschieferzuge und den Kiesel sdiieferzügen liegt, die von Altenau nach dem Kelhvasser und der Ivajbe lauten. — Hier scheint also die streichende Verwerfung (V echsel) nicht mehr so bedeutend zu sein.
Beinerkeuswerth ist es jedenfalls, dass solche abnormen Lage- rungen der conglonieratischeu Grauwacken ausschliesslich im Süd- osten des Überharzes gefunden werden, wo die Schichten zu steilen, isoklineu Falten zusammengeschoben sind, während sie im Nordwesten fehlen, wo die Schichteulagerimg eiue flach welleu- f’örinige ist.
4) Südlich von dem Silbernaaler und Laubhütter Gangzuge fiudeu sich die ausgedehntesten Couglo- m e r a t -Ablagerungen am Knollen bei Grund , au der Ritter- heidc, am Mittelberge, Kuöppelwege u. s. w.
Das entspricht den AVrwerfuugen durch die Oberharzer Gänge. — Da letztere, bei südlichem Einfällen, die Schichten in nach Süden abfallenden Terrassen verworfen haben, so müssen au der Ta'i^esoberfläche im Norden die älfesfeu, iiii Süden die jüngsten Schichten erscheinen.
Im Norden des Lautenthaler-IIahnenkleer und des Rocks- wieser- Festenburger Gangzuges sind die devonischen Schichten vorherrschend, zwischen diesen Gangzügen einerseits und dem Silbernaaler und Laubhütter Gangzuge andererseits, smd^ die unteren Culmschichten, ihisidonomyenschiefer und Glausthaler Grau- wacken, im Uebergewicht und südlich vom Silbernaaler und Jaiuh- hütter Lge werdmi, zum Beweise ihres jüngeren Alters, die aus-
ntren der Gründer Grauwacke gefunden.
gedehntesten Ablagerung.... .
den aiige.führten Gründen gar nicht zweifelliat
,'acken in der Tliat ein höheres Niveau luddeii Niveaus,
Es kann aus
sein, da,ss die Gründer Grauwac
al« .lie ClaoaH.al.-r .„al -laa» -1h.«-
we.mgloicl, - wie „Ute,, „aber aubgeml.,-t - ,.,„e Hcharfe Abg.u.
A. VON Groddeck, zur Kenntniss dos Oberh
arzer Culm.
53
nicht „.öglich ist, doch cum kavtogcaphlschen Ansdn.ck ne- dal.rch'^dasrtl <•“ Unterschied noch
aen Ciansthaier Granwac^erXenX’si.“"'''"“*''
Schichten der Gründer Grauwacke haben dagegen nur schlechte jedenfalls m der Hauptsache den Calamiten zugehörige aber meht_ näher bestimmbare Pflanzenreste und noch niemals i hierverstemeruugen geliefert.
n einer die Frage nach der Gliederung des Oberharzer Culm erörternden, brieflichen Mittheilung an meinen Freund K. A. Lossen, machte ich darauf aufmerksam, dass Poddonomya Becheri, oder Go7iiatites crenistria in Thonschiefern Vorkommen, welche viele dünne Läuke einer feinkörnigen Grauwacke einschliesseu
Die mir bekannt gewordenen Fundpunkte für dieses Vor- kommen sind auf der vorliegenden Karte mit P bezeichnet.
Gleichzeitig sprach ich die Hoffnung aus, diese dünnbäukigen, Posidonomya Becheri oder Goniatites crenistria enthaltenden Graii- wackenzonen demnächst, als niveaiibestäudig, von den höher liegen- den, dickbänkigen Grauwacken trennen zu können. Diese Hoff- nung ist insofern erfüllt, als die meist sehr dickbänkigen Couglo- meratzonen wirklich ausgesondert sind.
Dagegen will es durchaus nicht gelingen, die dünnbänkigen Grauwackenschichten als ein bestimmtes Niveau der Claiisthaler Grauwacke zu erkennen; sie treten ganz unregelmässig auf, auch ist es mehr als zweifelhaft, ob einige Posidonomya Bechei'i führende, mächtige, zwischen Grauwacken liegende Thoiischieferschichten, wie sie an der Blankschmiede im oberen Innerste Thal, am Prinzen- teich bei Buntenbock, am Oberen Flainbacher Teich ii. s. w. liegen (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XXXII, 1880, S. 188) sattelförmige Erhebungen der typischen Posidonomyeuschiefer- schichten sind, welche die Basis des Culm bilden.
Es lässt sich das durch nichts beweisen und ist es am natür- lichsten, diese Vorkommnisse als eine Wechsellagerung von Posi-
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Del. XXXll, 1880, S. 186.
')4
A. VON GRonnECK. z„r Tve„„^
niSv^ dos Oherharzor Cul
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In der Nshe ' „ t ^
l.änkigen Schlehten ,'el
Grauwacken liegen in derCe^ >>n-khiink,ge„ Clanstkaler
T o , ; <^Tegend von Lantenthal kehrt sich d-,«
Lagernng.verl.aUniee aber n.ei.teus n.n, « liegen hier
imd werde"''''-'"''’''"' Posidono.nyensehiefem
I « dl- 1 " 'i™'’ ''”"‘'*‘''’’'aren Liegenden der Gouglomerate
bebudhehen, dnnnbänkigen (L-a„wackenschicl,ten überlagert
Aus allem ergiebt sich, dass die dünn- und didtbänkieen Ti.uraae-enscluebten (nebst den zwisclien ibueii liegenden Thon- bc ne er agen) insofern sie nicht Congloinerate in grösserer Meno-e einschliessen, als ein einziges, über den Posidonomyensidiiefern legendes Niveau des Ciilin anziisehen sind, welches stellenweise reichlich Pflanzen und hin und wieder Posidonomya Becheri oder Goniatites crenistria führt. — Wir bezeichneten dieses so noch näher charakterisirte Cuhnniveaii als das der Chuisthaler Grau-
wacke.
Die höher liegenden conglomeratischen Grnnder Grauwacken müssen, so lange in ihnen keine Posidonomya Becheri oder sonstige charakteristische Ciilmversteinernngen gefunden sind, vom Ciilin ab- getrennt werden. ollte inan eine Parallele mit dem westphälischen Vorkommen ziehen, so könnte man sie mit dem flötzleeren Sand- stein vergleichen.
Interessant ist es, dass das Oberharzer Cnlm, seiner geo- graphischen Dage entsprechend, die Eigenthümlichkeiten des west- phälischen Ciilm im Westen und der südlich und südöstlich gelegenen Ciilmbildungen Thüringens, Nieder- und Oberschlesiens und Mährens in sich vereinigt, die bekanntlich recht schroffe Gegensätze zu ein-
ander bilden.
Die vom Harz westlich gelegene Cuhnfacies Westphalens findet, in der Hauptsache, in den an der Pasis des Oberharzer Cnlm auffretenden, Adinolen, Granwacken, Thonschiefer und Kalklager einschliessenden Kieselschiefern, nebst den darüber folgenden, stellen- weise Culmkalke enthaltenden Posidonomyenschiefern , ihre Ver- tretung.
A. VON Groddkck, zur Konntniss dos Oberharzer Culm.
55
Diese duieh Adinolen, Kieselschiofer u. s. w. ausgezeichnete Facies kommt in, wie es scheint, schwacher Entwickelung auch inOst- thüi lügen bei Ebersdorf vor fehlt aber, wie aus den Schilderungen RiCHTEr's'-^) undLiEBF/s^) hervorgeht, sonst im Thüringer Walde, und findet sich in Schlesien und in Mähren gar nicht wieder, wo allein den Oberharzer im Wesentlichen gleiche, mächtige Grauwacken- und Thonschiefer -Ablagerungen die Cuhubildungen zusammensetzen.
Nach F. Römer sind die Cuhnschichten Oberschlesieus und Mährens, wie sie sich typisch in den Gegenden von Troppau, Jägerndorf und Leobschütz entwickelt finden, den Oberharzer da- durch ganz nahe verwandt, dass sie aus einer Wechsellagerung von Posidonomya Becheri führenden Thon schiefem, Grauwacken- Sand- steinen und Granwacken-Conglomeraten zusainmeugesetzt werden, welche die bezeichnenden Landpflanzen der Cuhnbildiingen ent- halten. Kalkige Schichten sind völlig ausgeschlossen (1. c. S. 43).
Sieht man von den Conglomeraten ab, deren unten noch Er- wähnung geschehen soll , so ist dies genau das \ erhalten des Niveau’s der Clausthaler Grauwacke am Oberharz.
Eine in vielen Beziehungen sehr auffallende Aehnlichkeit mit den niederschlesischen Verhältnissen zeigt die Cuhnentwickelung in der Umgebung des Rierges und M' mterberges bei Giuud im Oberharz. Wie bei Grund tritt auch in Niederschlesien bei Frei- burg-^) devonischer Kalk inselartig aus Cuhn-Grauwacken und Cuhn- Thonschiefern hervor.
Ich habe auf der Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft zu Göttingen im Jahre 18786) vorgetragen, dass sich über den, keine Spur von Schichtung zeigenden, bis zu m. 400 Meter unter dem Gipfel Korallen führenden, an seiner Oberflaclm höckerig o-estalteten, oberdevonischen Kalkstock des Ibeiges unclM inteibeij,es
. ') Dathk, jahrb. d. k. prenss. geol. LaiidesaiistaU 1881, S. 308^
2) Zeitschr. d. Deutsch. geoL Ge. • , Blatt Zeulen- roda,^£'t“ Seebedeckungen Ostthüringens.
Gern 1881. ^
b Geologie Oberschlesiens 1870, b. 5b und o .
W. D*««,, d- u.««h g.oK Ges. > „bLJf
0 Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. AXX,
56
A, VON Groddkc
zur Konntniss des Oberharzor Culm.
des Gebirges gefaltet, wälirend eine unbewegliche, Widerstand
meine Mittheilnng schrieb mir
-
sie seien l,el des ‘llel™^ _a.,ge„o..u„e„ werfen „„.ss,
Sich der Iberger Kalkstock als IcistciiclG ^Xhss0
Mit Bezugnahme auf diese .„.unemmo- se
spater (Oetoher 187S) Herr Professor Domes iu Berlin:
_ ch erlcUlbe inii, iHit Ivücksicht auf die Lagernngsverhältnisse,
vie an ciejenigen der Oberknnzendorfer und Freiburger Devon- partie, wie ich dieselben in meiner Arbeit in der Zeitschrift Band XX niedeigelegt habe, aufmerksam zu machen. Danach scheint es doch interessant, dass die beiden einzigen Partieen der Cuboides-Facies, die ausserhalb der Eifel und Belgiens bei uns bekannt sind, sich duich ihre Lagerung (abgesehen von ihrer gemeinsamen Eigenschaft als Korallenbänke) auch ähneln. Ich wies damals nach, dass man hier Kalkstöcke vor sich habe, als Beste einer früher viel ver- breiteteren Ablagerung und dass dieselben von Culm umlagert worden seien. Ist also auch das \ erhältniss vom Devon zum Culm ein etw'as anderes als am Iberg, so ist doch die äussere Erscheinung der Harzer und der schlesischen Partie sicher sehr ähnlich.«
Ebenso wie in den, den Iberg und Winterberg umgebenden Culmschichten ist auch in denen Niederschlesiens Posidonomya Becheri eine grosse Seltenheit.
Am Iberg soll sie sich früher in dem Hohlwege gefunden haben, der von Grund zum Hübichenstein hinaufführt. Ich selbst habe dort niemals eine Posidonomya gefunden, was mich aber, bei der Versteinerungsarmuth solcher Schichten, an der Bichtigkeit der Angabe durchaus nicht zweifeln lässt.
Beeilt häufig fand ich die Posidonomya Bechen in den zur Clausthaler Grauwacke gehörigen Thouschiefern, nicht weit unter- halb Laubhütte, am linken Thalgehänge.
Das einzige Vorkommen von Posidonomya Bechen in Nieder- schlesien ist das von Da.mes in den Schieferbrüchen von Bögendorf entdeckte (1. c. S. 474).
Die durch Kicselscliiefer ansgczeicimete F:icies des Colin ist in Mederschlesien ebensowenig vertreten wie am P.erg
Dafür
A. VON GuonoEoK, zur Kenntniss dos Oberharzer Culm. 57
stelle,, sid, am Iherge Ci.ln.kalke ein, die |el, sei,,- geneigt hin mit t en bekainita, Terste„ien,ngs, -eichen Kalken n,,d kalkigen Schichten m, Cnlm Kiedei-schlesiens, wie sie au der VogelkUnpe hei Alt- wasser, ferner bei Ilansdorf und C)lätcisch-ralkenhe,-g gefunden Sind, zu vergleichen.
Die ursprüngliche Lagerung der dunklen Cuhnkalke vom Iherge ist sehr zweifelhaft. Die daraus von Fr. A. Roemeh beschriebenen, bekannten \ ersteinerungen stammen sämmtlich aus losen Blöcken, die am Alihange des Iberges gegen Grund hin lagen. Diese Blöcke sind wegen ihres Versteinerungsreichthums längst vollständig zer- schlagen und ist deshall.) schon seit langen Jahren gar nichts mehr von ihnen zu finden.
Kinige Schritte oberhalb des Weges, der vom Iberger Katfee- hause nach dem Ilübichenstein tührt, also nahe am Fusse des Berges, triftt man noch jetzt an einer nicht leicht aufzufindenden, sehr beschränkten Stelle den dunklen Goniatites evenistria ent- haltenden Kalk. Ob derselbe hier mitten zwischen dem korallen- reichen, oberdevonischen Kalk ansteht, oder ob es nur ein grosser, tief zwischen den Blöcken devonischen Kalks eingeklemmter Culm- Kalkblock ist, habe ich nicht mit Sicherheit entscheiden können. Mir scheint die Annahme eines blockartigen Vorkommens unter den gegebenen Verhältnissen natürlicher. Da ich vor einigen Jahren nördlich vom Hübichenstein, in den dort anstehenden Clausthaler dünnbänkigen Grauwacken einen etwa 1 Meter grossen, linsenförmig gestalteten, rings von einer Thonschieferrinde umgebenen, leider versteinerungsleei’en Block eines schwärzlich -blauen Kalkes fand, der dem Cuhnkalk des Ibergs vollständig gleicht, so scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass auch die Versteinerungen enthaltenden, jetzt verschwundenen Culmkalkblöcke, und ebenso das oben ei- wähnte Vorkommen am V^ege vom Kaffeehause nach dem Ilübichen- stein, ursprünglich als Lager in den den Iberg umgebenden Claus- thaler Grauwacken anstanden.
Bei der Entstehung der Thäler, welche durch die südlichen Abhänge des Iberges begrenzt werden, wurden die den Iberg um-
b Dieser Block ist jetzt auch behufs Wegeverbesserung zerschlagen.
r>s
A. ^ON Guoddeck, zur Kenntniss des Oborliarzör Culm.
«'"'lirt: wobei leic^bt dnreh einen glflddichen
/ ^<1 V 1 ocke ans den jedenfalls seltenen Lagern des Cnlm-
kalkes s.ch der M egffllm.ng dureh das Wasser enteiehen konnten. T- fiir den Iberg imd zunächst von den schlesischen
erialtnissen ganz abweichend erscheinend, ist das Vorkommen von Cnlmversteinerungen beherbergenden Quarziten an der Grenze von devonischem Kalk und Glansthaler Grauwacke.
Dieser Quarzite habe ich zuerst im Jahre 1878Q mit dem Remerken Erwälmnng gethau, dass dieselben wohl als Aeqnivalente der C ulm-Ivieselschiefer zu betrachten seien.
A ersteinernngen , — einige Encriniten- Stiele ausgenommen, welche verbreiteter sind, — fand ich in den Quarziten im Sommer 1878 einzig und allein in der Finge der Grube Oberer Stieg, nördlich von der Pfaunenberger Klippe. — Bei späterem Suchen gelang es weder an dieser, noch an anderen Stellen neue Funde zu machen. Am nördlichen Stoss der bezeichneten Finge sieht man die sehr stark zerklüfteten Quarzite in einer Mächtigkeit von etwa 10 Meter, zwischen dem devonischen Kalk und den mit 70^ nach Südosten einfallenden dünnbänkigen Glansthaler Grauwacken anstehen. Die hier im Quarzit gefundenen Versteinerungen schickte ich Herrn Professor E. Kayser in Berlin zur Ansicht, der mir darüber bereits 1878 Folgendes freuncllichst mittheilte;
»So viel steht fest, dass man es hier mit ächtem Kohlenkalk zu thun hat, der in ähnlicher Weise in Quarzfels umgewandelt ist, wie EosSEN’ es schon vor längeren Jahren am Iberger Kalk liei Ftübeland und ich selbst voriges Jahr beim Wormketeich be- obachtet habe. — Die Bestimmung Goniatites crenistria, ebenso die des Inoceramus cavhonarius (Römer), welcher wohl ident ist mit Sowerby's PoHulonia vetusta (jedenfalls ist es kein InoceramuP), kann ich nur bestätigen. Die übrigen Sachen lassen sich nicht ohne Weiteres sicher bestimmen. Zweifellos ist nur das Vorhan- densein einer Camarophoria (die Gattungscharactere an einem St, ick vortrefflich wahrnclonlmr!) aus ,1er Verwandtschaft der 6
crumena (Mai-.tin), vielleicht die a-umma selbst, en, beae.chneu e.
,) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ge«. Hd. XXX, 1878, S. 541.
t
A. VON Gro..o«o,i, III, • Kunntnis« ilos Oberlianer Ciilni.
Fossil für den englischen liohlenliHlh, Auch eine Tmirat.äa {elongata!) ist vorhanden.«
Oer von Herrn Kayser ausgesprochenen Ansicht, dass man es mit verkieseltem Kohlenkalk (wohl Culmkalk) zu thun habe, konnte ich mich anfangs, trotzdem die Beschaffenheit des Quarzits wohl dafür spricht, nicht anschliessen, weil ich nirgends am Jberge verkieselte devonische Kalke mit Sicherheit nachweisen konnte und es mir doch gar zu unwahrscheinlich erschien, dass sich letzterer ganz der Verkieselung entzogen haben sollte, während einzig und allein der zwischen dem Iberger Kalk und der Clausthaler Grau-
wacke anstehende Culmkalk diesem Schicksal anheimo'efallen sei Dieses Bedenken ist aber geschwunden, seitdem ich im September 1882 am westlichen Abhänge des Violenberges (einem kleinen, schmalen Bergrücken, der vom Ilübichenstein südlich ahfällt) die schönsten verkieselten oberdevonischen Korallenkalke entdeckte.
Die ausgedehnten Quarzitmassen, welche den Korallenstock des Iherges und Winterherges im Westen, Norden und Osten um- geben Q, in denselben aber auch stellenweise eingreifen , gehören demnach theils dem Oberdevou, theils dem Culm an. Es scheinen darunter auch verkieselte, dem Culmkalk zuzurechnende, kalkige Grauwacken vorzukommen, denn in den hlauschwarzen Quarziten im Teufelsthal etc. sind, zum Theil recht reichlich, grauwacken- artisre Partieen eingeschlossen. Dem Culm angehörende Kalke und kalkige Graiiwacken haben demnach, in grösserer Menge als man früher vermuthen konnte, an den Grenzen des oherdevonischen Korallenkalks gelegen und erinnert das wieder, wenn man von der localen Verkieselung ahsieht, an die \ erhältnisse in Niedei- schlesien.
Die Quarzite stehen nur an drei Stellen an:
1) im Teufelsthal, in der Nähe der Grube Pfannenberg und in den Pingen der Gruben Oberer Stieg und Oberer Schüffelberg ;
2) am Violenberg;
') Merkwürdig ist es, dass sich wo die versteinerungsi'eichen Blöcke
die Quarzite am südlichen Abfall des Iherges, des Culmkalkes lagen, nicht vorfinden.
t
60
Groddeck-, zur Kenntniss dos Oberharzer Culm.
3) am
einenf Winterberges znm Halbhütten, in
^igeiithmnhchen, tlinrin artigen Felsen, der nener-
mgs von den Grnnder Badegästen die Teufelskanzel genannt ist.
Uebiigen finden sich diese Gesteine nur in losen oft grosse iinensionen erreichenden Blöcken, die stellenweise, wie an dem westlichen Gehänge des Winterberges, zu imposanten Block- .a den imgehaiift sind. Während der Verkieselung scheint eine ^etiachthche ^ oliiinverminderiing durch Auflösung und Wegführuno. eines leils des Kalksteins stattgefunden zu haben, denn die Quarzite sind meist ganz löcherig und höhlig; in den Höhlungen sind Quarz- krystalle und viel Schwerspath aiiskrystallisirt.
Durch eglösung des Kalks während der Verkieselung mittelst wässeriger Lösungen, durch Erosion, eventuell auch dadurch, dass bei der Faltung der den Kalkklotz umgebenden Grauwacken, Fric- tionswirkungen statthatten, sind die verkieselten Kalkmassen fast vollständig zu einzelnen Blöcken zerstückelt worden. Wahrscheinlich haben die Cuhnkalke übrigens gar nicht grössere zusammenhän- gende Ablagerungen gebildet, sondern nur vereinzelte Lager an der Grenze vom Iberger Kalk zu der Grauwacke und in letzterer selbst.
V ährend des Verkiesehings-Processes, der, wie es scheint, an den Rändern des Kalkstocks im grossartigsten Maassstabe vor sich ging, weniger intensiv inmitten des massiven Kalks, sind ohne Zweifel auch die mit localer Dolomitisiriing der Kalke und Schwer- spathführiing verbundenen liedeiitenden Spath- und Brauneiseiierz- lagerstätten des Iberges gebildet. Das massenhafte Auftreten des Schwerspaths in den Eisenerzen sowohl, als auch in den Quarziten führt zu dieser Vorstellung.
Interessant sind eigenthümliche, in den Quarziten weit ver- breitete Ilohlräume, die in ihrer Form an die durch Weglösung von Coelestinkrystallen in Kalksteinen gebildeten Hohlräumc er- innern. Am Violenberg fanden sich diese Hohlräume zuni Theil noch mit weissen Schwerspathkrystallen erfüllt und stellenweise, interessantester Weise, mit gelbröthlich gefärbten Coelestin,
in 11
dem ersten
Vorkommen dieses Minerals am Harz.
J- Ob.,„„,, ci,„.
61
iu (leu devouischeu Kalken um] in rl "rrr*'^’ niemals
vaiKeu und m den Culmkalken des Ihemes
e.ngewad,sen toden, wurden angenschelnliel, wUnend der Ver-
ueselung des Kalks aus einer durch aufsteigende Quellen suge-
„hrten, schwefelsauren Baryt und sehwefelsaures Strontian ent-
halteudeu Kieselsäurelösung ausgeschiedeu.
Ist es erwiesen, dass die Quarzite des Iberges und Winterberc^es durch Verkieselung devonischer Kalke und der Kalke des Culm gebildet sind, muss es von Interesse sein, die Abstammung der einzelnen Qiiarzitvarietäteu zu erkennen.
Dem stellen sich aber, bei der grossen Versteinerimgsarmuth, bedeutende Schwierigkeiten entgegen.
Die meist ganz dichten, seltener feinkörnigen Quarzite sind sehr verschieden gefärbt. Blauschwarze, blaugraue, gclblicbe, oder graue Varietäten sind am häufigsten, ihnen gesellen sich aber noch röthliche, am seltensten grünlichgrau gefärbte hinzu. Mau wird geneigt sein, die dunklen Varietäten, die übrigens hin und wieder kleine anthracitische Massen eiiiscbliesseu und ihre dunkle Farbe kohligen Bestaiidtheileii verdanken, vom Ciilmkalk, die hellgefärbten Varietäten vom Iberger Kalk abzuleiteu.
In der Mikrostructiir und iu der chemischen Ziisammeiisetziiug unterscheiden sich die verschieden gefärbten \ arietäten indessen durchaus nicht wesentlich, so dass es bei den Lebergäiigeu, welche die Farben zeigen, au einem sicheren Kriteriiun fiii die Futei- scheidnug fehlt.
Unter dem Mikroskop erkennt mau, dass die Quarzite aus einer sehr feiiiköruigeii Quarzmasse bestellen, die braun, rotli oder schwarz gefärbte Flocken und dunkle staubige, nicht naher be- stimmbare Miueralpartikelchen einschliesst. Manchmal treten uoc i Beste von Kalkspath oder Pseiidomorphosen nach Krystal eii i leses
Minerals deutlich auf. . . ,
n 1 icanmlicben Bergakademie sind
Ini Laboratorium der hiesigen Koniglicuen n ^
folgende Analysen
der Quarrite dmcl. Herrn Dr- Bkoockmann
nns^reführt, welche dar Ucaultat der J
^ /locc die 111 üei liciupt
dahin bestätigeu und ergaiir , , eventuell Elsen-
sache ans Quarr, bestehen, dem Eisenhjd.ox) ,
Q2 A. VOX Grodoeck, zur Keuntuiss des Oberluirzer Culrn.
oxycl, etwas C'arboiiat und ein wasserhaltiges, alkalienreiches Silicat beigeinengt sind.
|
~ ^ ^ |
No. 1. |
No. 2. |
No. 3. |
No. 4. |
|
Spee. Gewicht |
2,57 |
2,60 |
2,55 |
2,53 |
|
Si O2 |
90,76 |
88,42 |
96,25 |
92,02 |
|
Fe2 03 j |
5,74 |
6,50 |
2,24 |
6,50 |
|
Alo O3 ^ |
||||
|
CaO |
0,14 |
0,80 |
0,20 |
— |
|
MgO |
0,28 |
0,60 |
0,20 |
— |
|
CO2 |
0,60 |
1,75 |
0,37 |
|
|
H.O |
1,49 |
0,81 |
0,46 |
1,11 |
|
K2O |
0,51 |
0,85 |
0,53 |
0,41 |
|
NaoO ....... |
0,39 |
0,49 |
0,10 |
0,15 |
|
Summa |
99,91 |
100,22 |
100,35 |
100,19 1 |
No. 1. Graublauer Quarzit vom Winterberge. — Das Gestein ist theils ganz dicht, theils körnig, grauwackenartig; es enthält viele gelbliche, an Eisenhydroxyd reiche Stellen und kleine Aus- scheidungen von Anthracit. Zur Analyse wurden dichte, reine, homogen erscheinende Stücke des Gesteins ausgesucht.
No. 2. Grünlichgrau gefärbter, dichter Quarzit aus dem oberen Theile des Teufelsthals. — Das Gestein erscheint auf dem Bruch roth marmorirt.
No. 3. ITell-gelblichgrau gefärbter, ganz dichter (Quarzit vorn W interberge.
No. 4. Ilell-gelblichgrau gefärbter, ganz dichter (Quarzit aus der Grube Pfanneubero-.
Das Culm Thüringens scheint, wie aus den schon oben citirten Arbeiten RichteAs, Liebr's und Dathe’s erhellt, local recht ver- schieden entwickelt zu sein und, wenn auch im scljwächeren Grade wie der Harz, so doch auch an den Eigenthündichkcdten dei-, die schroffsten Gegensäzte darbietenden, Cuhnentwickelungen in West- phalen und Schlesien zu participireu.
63
Die ebarakteristisc'hen Gesteine do« Pni • i • mi wip dl Qfl 1 • HA] Gulm sind m riiüniiffen
(cu,.s.d.e:,.e) ,:„a
Nach Liebe lässt sich ein unteres, wesentlich ans Schiefern gebildrtes von emen. oberen ln der Hauptsache von Grauwacken nu Conglomeraten zusammengesetztes Culn, unterscheiden. Im südlichen \o,gtlande vertreten Cuhnkalke den untersten Cuhn, die weiter nördlich in Ostthuringen ganz fehlen. (Seebedeckunven (Jstthüringens S. 11.)
Dass nach Datiie in Ostthüringen bei Ebersdorf an der Basis des Cuhn auch Admoleu und Kieselschiefer vorkoniinen, ist bereits oben erwähnt.
lu den oberen Cuhnschichten liegt die Ilauptiuasse der Culm- pflanzen.
Es liegt auf der Hand, den unteren Cuhn Thüringens mit den Kieselschiefern und Posidouoinyenschiefern des Oberharzes in Pa- 1 allele zu stellen und den oberen Cuhn mit den Clausthaler Grau- wacken, obwohl bis jetzt in Thüringen, abweichend vom Harz, Poisidonomya Bechen^ so ^del mir bekannt, noch nirgends vorge- kommen ist.
Wenn Richter (1. c. S. 412) bemerkt: »einen Horizont bil- den die Couglomerate nur insofern, als sie bisher nur in den oberen Theilen der Formation aufgefiinden werden konnten«, so erinnert das au die von mir uachgewiesene Stellung der Couglomerate im Oberharzer Cuhn.
Couglomerate sind Küstenbilduugeu und beweisen, wenn sie im Verbände sedimentärer Schichten Vorkommen, eine vor ihrer Ablagerung in der Nähe stattgehabte Hebung des Landes über den Meeresspiegel.
Solche Erhebungen aus dem devonischen Meere haben mit dem Beginn der Steinkohlenperiode in meist grossartigem Maassstabe bekanntlich überall da stattgefunden, wo die Flaclisee- und Küsten- ablagerungen des Ckilm entwickelt sind.
In den Ländern, deren C’uhnschichten von mächtigen Ab- lagerungen des productiven Steinkohlengebirges bedeckt sind, wie in M'^esrphaleu und Schlesien, sind Oscillatioueu des Meeresbodens,
64
A. VON Groddeck, zur Keimtiiiss des Überharzer Culm.
T C 1 (Ipr Steiiikohleiiperiode viel-
Hebungeu und benkimgeu zur Leit aei oit-r i
fach eiugetreteu.
I, Schlesien beginnen die Culmablageruuge.i m.t groben C on- „lomeraten, die sieb auch in den hiil.eren Nivean s des productiven Steinkohlengebirgcs wieder einstellcn, in grossart, gster We.se n. Niedersehlesien, weniger verbreitet in Oberschlesien.
Aehuliche A' erhältuisse siud auch im Königreich Sachsen zu finden. - Das westphälische productive Steinkohlengebirge nm- schliesst ebenfalls mehrere Congloineratschichten, die dort zur
Identificiriing der Klötze wichtig werden ^).
Im Harz und in Thüringen dagegen, wo die productive Stein- kohleiiformatioii nur sehr schwach entwickelt ist und vor Ablage- rung derselben die Haupterhebuugen der Gebirge stattfandeii, haben sich die Verhältnisse augenscheinlich etwas anders gestaltet.
Hier beginnen die Culm- Ablagerungen mit den von der Küste jedenfalls noch ziemlich weit entfernten, weil ganz couglomerat- freien Klachsee-Bildnngen des nutereu Culm. Höher hinauf erst stellen sich die, Conglomerate massenhaft einschliesseuden Küsten- bildiiugeu ein, worauf, vor Ablagerung der Schichten der produc- tiven Steiukohleuperiode, gewaltige Gebirgsstörungeu die Bildung von Sedimenten zunächst ganz unterbrachen, während dieselbe, werthvolle Kohlenflötze erzeugend, in Westphaleii und Schlesien, unter oft sich wiederholenden kleineren Senkungen und Hebungen des Meeresbodens und Landes, fortdauerte.
Die Schichtenfolge am Oberharz vom iiiiterdevonisclien Spiri- fereusandstein bis zur Gründer Grauwacke lässt deutlich eine all- mähliche Hebung des Meeresbodens — beziehungsweise die Annähe- rung der Küste eines wahrscheinlich recht ausgedehnten h est- laudes — erkennen.
Die devonischen Ablagerungen, reicli au Cephalopoden, Gaste- ropoden, Brachlopodeu, Korallen u. s. w. beherbergen, ausser S})ar- sainen Fucoiden im Spirifereusaiidstein , keine Pflanzen, sind frei von Conglomeraten und gehören demnach dem tieferen, von den Küsten weit entfernten Meere an.
b G. Koehler, Zeitschr. f. d. Berg-, Hütten- u Staate Bd. XXb’HI, S. 195.
SaHnenwesen im preuss.
A. y» ^ „
Die Culmbildungen belierber
'fiHiarzer Culm. ’geu eme dem flacheren Meer
()5
e eisrene
Fauna. In dem untersten Niveau .
nur selten Posidonomyen und vpJ t ■ ^'®®«^lscliiefer, welcher einscbliesst, fehlen Pflanzen noch larr^^rf Kalklager PosidouomyeiiscMeter beWrbergen & e„,.„ “
Landpfla„.e„, .*he daan i.
in grösserer Menge erscheinen.
zuerst
M.t dem Naherrtckeu de,- Käete beg.„.,e„ die Ablage, -„„.ea der jüngsten Sednnen.e des Oberba™, der an groben Congro, „erahn re.chen Grnnder Granwacken, woranf die Fällung sahn, , lieber.
b,sber ,m Wesentbeben eonco.-dant übereinander abgelagerten bclu eilten erfolgte.
In Schlesien und zum Theil auch in Thüringen kann man in den Rollstücken der Culmcongloinerate deutlich nahe gelegene, noch jetzt zu Tage anstehende, ältere Gesteine wiedertrkenuen und so den Ursprung des Materials jener Congloinerate nachweisen.
Das ist am Oberharz nicht möglich.
Das Festland, welches das Material zu den mächtigen Ab- lagerungen der Clausthaler und Gründer Grauwacke hergab, muss während der Ilaupterhebung des Harzes, zur Zeit der productiven Steinkohlenformation, in die Tiefe gesunken und sodann von den jüngeren, den Harz umgehenden Sedimenten gänzlich bedeckt worden sein, denn das in den Oberharzer Grauwacken enthaltene Gesteins- material lässt sich Aveder als anstehendes Gestein in den älteren Ablap'erunofen des Harzes oder benachbarter Gebirge erkennen, noch findet es sich in Form von Gerollen in den Ablagerungen Avieder, die jünger als die Gründer GrauAvacke sind. (Rothliegendes und Zechsteinconglomerat.)
Eine eingehende Schilderung der Oberharzer Grauwacken \or- behaltend, sei hier nur kurz erAvähnt, dass dieselben ai;ffallend feldspathreiche Gesteine sind. Die mikroskopische Untersuchung zeigt, dass Plagioklas meistens vorherrscht. Die sandigen, dünn- Ihinkigen Grauwacken, in ihrem Aeussern au feinkörnige Sandsteine erinnernd, sind, Avie es scheint, reicher au Plagioklas als an Qiiaiz.
TT- 1 1 1 •• • n , ÜPH ni'icheii den Eindruck regene-
Viele o-robkornige GrauAvackeii iiiauKu ^
1 •• n, , yii (Icii Ai'koseii gestcllt Averden.
rirter Granite und müssen aaoIiI zu uli &
Jahrbuch 1882.
66
A. vos. ei.o»B<CK, 2UV Kemitaiss des Oberliavsor C»lm.
Urthonschiefe, -artige, manchmal deutlich eenc.tmche Gestems- bcockeu sind in den Conglomecateu weit vecbcedet; m gcosster Me„Bc finden sich darin abec Gerolle von we.ssem M.lohqnarz, h n und wieder Prasem, sodann glasglänaende, dichte Quarmte, sehr olimineranne Granite und Felsitporphyre, die in keine, ^eise mi den älteren devonischen Harzer Gesteinen, oder sonst m der Nahe am Tage anstehenden Gebirgsarten überenistunmen.
Das versunkene Festland, von dem das Material der Ober- harzer Grauwacken herabgeschweinmt wurde, muss, nach der Natur der Granwackengerölle zu schliessen, ein Urthonscli.efergeb.rge oewesen sein, welches mächtige Lager splittriger Quarzite emschloss und wahrscheinlich von grossartigen Quarzgängen durchsetzt und von vielen Granit- und Felsitporpl.yr-Gängen oder -Stöcken durch-
broclieu war.
Als ich im Jahre 1877 zuerst die grosse Verbreitung grober Conglomerate am Oberharz kennen lernte, fiel es mir schon auf, dass'" zwischen den, an den Diabaszug sich anschliessenden Con- glomeraten und denjenigen, welche sich am Westrande des Gebirges, bei Grund und Lautenthal entwickelt haben, eine grosse conglomerat- freie Grai\wackenmasse vorhanden ist, in deren Mitte die Städte Clausthal und Zellerfeld liegen. Die Richtigkeit dieser Beobachtung ist durch die neueren Untersuchungen nur bestätigt.
Von der Ansicht ausgehend, dass die Conglomeratschichten einem tieferen Niveau als die Grauwacken bei Clausthal und Zellerfeld angehören ^), musste ich geneigt sein anzunehmen, dass die Culmschichten südlich der Lautenthal-Hahnenkleer und Bocks- wiese-Festenburg- Schulenberger Gangzüge eine Mulde bilden.
Gegen die Existenz einer solchen Mulde Hessen sich aber sehr gewichtige Einwände machen.
Jetzt, nachdem das jüngere Alter der Conglomerate, gegen- über den conglomeratfreien, oder an Conglomeraten armen Grau- wacken erwiesen ist, kehrt sich die Sache in sehr befriedigender W eise um ; — südlich der erwähnten Gangzüge bilden die Cuhu- schichten nicht eine Mulde, sondern einen Sattel, entsprechend dem grossen devonischen Sattel im Norden des Oberharzes.
b Zcitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1877, Dd. XXIX, S. 441. Anmerkung.
Der ganze überliarz ist deinnacli i„, , . r.
zu einem Sattel aufgefaltet worden de ■ einheitlich
Specialmulden und Specialsättel eutlmlten''T) hat eine bis zur Ueberldppnuo- und ’ l T
gesteig.rto, sei. steile Schiehlulage, «ired'll: tXtffiche h Ingel überall flaches Einfallen zeigt.
Nach vollendeter Faltucg -“vielleicht auch schon in den letsteii Stadien derselben - sind die nach Süden einfalleuden zu- sainmengesetzten Gänge des Oberharzes, deren Hangendes nieder- sank, gebildet.
Clausthal, im November 1882.
Der Kersantitgaiig des Oberliarzes.
Von Herrn A. VOn Grodtieck in Clausthal.
(Hierzu eine Karte, Tafel III.)
Einleitung.
Den seltenen Kersantit welchen K. A. Lossen im Harz zuerst bei Alichaelstein unweit Blankenburg kennen lehrte, konnte
1) Literatur:
Kersantit der Vogesen.
M. Deuesse: Sur la composition mineralogique et chimique des roches des Vosges.
Annal. d. Mines. 4. sAie: tome XIX, 1851, p. 164 ff.
P. Groth: das Gneiss - Gebiet v. Markirch im Ober -Eisass. Abhandl. z. geol. Specialkarte von Elsass-Lothringen. Bd. I, Heft III, 1877, S. 488.
E. Cohen: Kersantit von Laveline. Neues Jalirb. f. Mineral, u. s. w., 1879, S. 858.
Kersanton der Bretagne.
M. Deeesse: 1. c. p. 175.
F. ZiRKEi. : die Zusammensetzung des Kersantons. Ber. d. Königl. sächs. Ges. d.
Wissensch. 21. Juli 1875, S. 200 — 209.
A. Michel -Lew et H. Douville: Note sur le Kersanton. Bull, de la soc. geol. de Fr. (3) V. 51-57. 1876.
Kersantit von Nassau.
E. Zickendrath: der Kersantit von Langenschwalbach. Würzburg 1875.
Kersantit des sächsischen Erzgebirges.
E. Kalkowskv : über einige Eruptivgesteine d. sächsischen Erzgebirges. Neues Jahrb. 1876, S. 150 ff.
Kersantit des Harzes.
K.A. Lossen: geol, u. petrograph. Beiträge zur Kenntniss des Harzes I. Jalirb. d. königl. preuss. geol. Landesanstalt für 1880, S. 22.
Laniprojiliyr des Fichtelgebirges.
W. Gü.mbel: die paläolithischen Eruptivgesteine dos Fichtelgebirges. München 1874, S. 36.
A. V,»
ich, überraschender Weise, im Sommer 1881 • i r
und Langelsheim im Oberharz, in einem übe Lautenthal
und 1 bis 2 Meter mächtige. Ga.ge, welcher dt rrT, ‘“T“ Oberdevon und Culm deutlich durchsetzt „sei ■ ®
Karte.) (Vergl. die
Der Erste, welcher auf das für den Oberharz ganz neue Ge- sten aufnterksan, wurde, war der jetzige Bergassessor W.vnbbs- I.EBE», zur Zeit in Metz, welcher, behufs Anfertigung einer Examen- arbet, eine geognostische Aufnahme in der Gegend von Lauteu- thal ausfiihrte und dabei im Gegenthal innerhalb der Cynridiuen- schiefer (VI der Karte) ein eigenthflmllches, der Grauwacke nicht ganz unähnliches, dabei aber an Felsitporphyr erinnerndes Gestein fand, neben welchem die Schiefer eine hornfelsartige Beschaffenheit wahrnehmen Hessen.
Nachdem mir Herr Wandesleben die merkwürdige Stelle gezeigt hatte, fand ich im Rosenthal bei Lauteuthal (I der Karte) ein dem Gegenthaler ähnliches Gestein und berichtete im Herbst 1877 über beide Vorkommen an die geologische Landesanstalt mit dem kurzen Bemerken, dass diese eigenthümlichen , an gewisse Felsit- porphyre entfernt erinnernden Gesteine demnächst noch näher studirt werden müssten. Durch anderweitige Arbeiten wurde ich von dem interessanten Gegenstände abgelenkt, bis mich mein lieber Freund K. A. Lossen im Frühjahr 1881 anregte, die Unter- suchnng anfzunehmen, die ein so unerwartetes Resultat ergeben hat.
Gemeinschaftlich mit K. A. Lossen wurde an einem Vor- mittage das erste Stück des Ganges von der durch Wandesleben aufgefundenen Stelle au (VI der Karte), den Gegenthalskopf herauf, verfolgt und dabei schon das nordsüdliche Gangstreichen bemerkt, das ich demnächst so coiistant über eine Meile weit vei- folgeu konnte.
Räiimliclies Verhalten des Ganges.
Der südlichste Punkt, an welchem der Eruptivgesteinsgang beobachtet wurde, befindet sich am Steile Berge da, wo die
') Jahrb. d. kÖnigl. preuss. geol. Landesaiistalt für 1881, S. 29.
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A. VON Groddeck, der Korsantitgang des Oberharzes.
Chaussee von Lantenthal nach Seesen die höchste Höhe eii eicht; von hier an ist er continnirlich , nur durch einige Vei Weitungen unterbrochen, bis zum Ausgange des Grossen \ ossthales unweit Langelsheim zu verfolgen.
In dieser Erstreckung findet sich der Kersantit nur selten anstehend, hauptsächlich da, wo Wege in das Gestein einschneiden (I, II, IV, V, VII, VIII und IX der Karte); meistens lässt sich der Verlauf des Ganges nur durch Bruchstücke verwitterten Ge- steins nachweiseu und da diese auf den ersten Blick manchen Grauwacken sehr ähnlich sehen, so gehört einige Uebung dazu, die Gaugspur nicht zu verlieren.
Einige Schritte unterhalb der schon oben erwähnten höchsten Stelle der Chaussee von Lautenthal nach Seesen (am Steile Berg) führt, innerhalb oberdevonischer Schiefer, ein Weg ins Rosenthal hinab, neben und auf welchem sich viele Bruchstücke des zer- setzten Kersautits finden. Nicht weit von der Stelle entfernt, wo der Weg den Bach überschreitet, steht das Gestein in kleinen Felsen zwischen unverändertem, mildem, oberdevonischem Schiefer an (I der Karte).
Offenbar durchschneidet hier der Weg den Gang in spiess- eckiger Richtung, so dass man die Mächtigkeit des letzteren nicht sicher zu beurtheilen vermag. Man trifft zuerst auf 7 Schritte Kersantit, dann auf 4 Schritte Schiefer und dann wieder auf 10 Schritte Länge Kersantit.
Die scheinbar zwischen dem Kersantit anstehenden Schiefer gehören augenscheinlich einem Salbande des Ganges an.
Ueberschr eitet man den Bach, dem bezeichneten Wege weiter folgend, so trifft man in dem zur Spiehnannshöhe ansteigenden Wegei) den Kersantit, wenn auch in einem sehr verwitterten Zu- stande, wieder anstehend. Von dieser Stelle an kann man den hier h. 12 streichenden Gang sehr gut bis auf die Höhe des Grossen Trogthaler Berges verfolgen, wenn man den undierliegenden Bruch- stücken desKersantits nachgeht. Dabei kreuzt man den etwa70Metei- unter dem Gipfel des Berges, letzteren umziehenden Weg, welcher
b Dieser Weg ist auf der Karte nicht verzeichnet.
A. VON Groddeck, der Kersantitgang des Oberharzes. 71
wiederum Gelegenheit giebt, das anstehende Gestein zn beobachten Der Gang setzt hier zwischen Cnhn - Grauwacken auf und zei<rt sich etwa 2 Schritte mächtig (II der Karte). Ueber die Höhe des Grossen Trogthaler Berges hinweg ist der Gang in der ein- geschlagenen Richtung nicht weiter zu verfolgen; er verschwindet hier gänzlich. Weiter östlich aber, auf der Höhe des Berges, im Fastwege, ferner in und neben dem Wege, der vom Teufelsberge nach dem Oehrenbrunnen führt, liegen einige Bruchstücke des Eruptivgesteins, welche andeuten, dass der Gang hier wieder ansteht.
In einem längeren zusammenhängenden Streichen in h. 12 — aber wiederum weiter nach Osten gerückt — durchsetzt der Gang die Quellgebiete des Grossen und Kleinen Trogthals. Wenig- gute Aufschlüsse gewähren die Wege an den nordöstlichen Ab- hängen des Grossen und Kleinen Trogthaler Berges und des Hackelsberges. Zwischen solchen Stellen, an denen das Gaug- vorkommen deutlich zu Tage tritt, lässt sich die Spur desselben nur mühsam durch im Walde liegende Bruchstücke erkennen.
Durch den Steigerthaler Gang ist der Kersantitgang ver- worfen, und zwar so, dass die nördliche Fortsetzung wieder weiter östlich liegt; dieselbe beginnt im Kleinen Trogthal. Zwischen diesem Thale und dem Steigerthale liegt eine zum Hackelsherge gehörige Bergkuppe, welche von den Forstleuten die Krone genannt wird (III der Karte). Gerade über die Kuppe hinweg streicht der Gesteinsgang, den man hier — in besonders interessanter Weise • — an den steilen Abhängen zum Kleinen Trogthal einer- seits und Steig-erthale andererseits durch einen in h. 12 bis h. 1 sich hinziehenden Streifen von Bruchstücken sehr deutlich ver- folgen kann.
Im Steigerthale ist wieder eine kleine Verschiebung des Ganges nach Osten bemerkbar.
Fieber den östlichen Abhang des Schwarzeuberges setzt er in h. 1 bis zum Gegenthaler Gang foi’t. Aul dieser Strecke ist dei Gang nur au zwei Stellen (IV und V